DRK startet professionelle Betreuung für 130 Kinder in Bad Bodenteicher Flüchtlings-Unterkunft

Von Spielen bis zum Sprachkurs

+
Mit Enthusiasmus bringt Liubava Friedrichs den Flüchtlingskindern in der DRK-Notunterkunft in Bad Bodenteich Deutsch bei. Die jungen Kursteilnehmer hören ihr aufmerksam zu und lernen fleißig.

Bad Bodenteich. Seine Aussprache ist schon sehr gut, und auch um deutsche Vokabeln ist er nicht verlegen.

Dabei lernt Ali, eines der vielen Flüchtlingskinder in der vom DRK Uelzen betriebenen Notunterkunft auf dem ehemaligen BGS-Gelände in Bad Bodenteich, erst seit wenigen Tagen Deutsch. „Ich heiße Ali. Ich bin elf Jahre alt, komme aus Afghanistan und habe vier Geschwister“, antwortet der Junge auf die Frage von Lehrerin Liubava Friedrichs.

Der Deutschkurs ist Teil der professionellen Kinderbetreuung, die das DRK jetzt in der Flüchtlingsunterkunft gestartet hat. Acht hauptamtliche Kräfte, darunter Erzieherinnen, Kinderpflegerinnen und Sozialassistenten, kümmern sich dort werktags um etwa 130 Kinder – jeweils dreieinhalb Stunden am Vor- und am Nachmittag. Vier Gruppen gibt es für Mädchen und Jungen im Kindergartenalter, zwei weitere für Sieben- bis Zwölfjährige. Bei Sprachproblemen helfen Dolmetscher.

„Wir bieten die Betreuung nicht einfach deshalb an, um den Kindern den Tag zu gestalten. Vielmehr gibt es ein Recht auf Bildung“, betont DRK-Geschäftsbereichsleiter Peter Vogt. Die Betreuungsräume befinden sich im einstigen Lehrgebäude des BGS. Sie wurden komplett renoviert und mit Teppich und Linoleum ausgelegt. Die Möbel stammen aus DRK-Beständen, das Spielzeug fast ausschließlich aus Spenden der Bevölkerung.

In den Räumen fühlen sich die Flüchtlingskinder – überwiegend aus Syrien, Afghanistan und dem Irak – offensichtlich sehr wohl. Fröhliches Lachen schallt über den Flur. Malen, Basteln, Spielen, Infos über Lebensmittel, Einblicke in den deutschen Alltag und vieles mehr stehen auf dem Programm, für die Älteren auch die Vorbereitung auf den Schulunterricht. „Für die Kinder ist die Welt aus den Fugen geraten. Hier wollen wir wieder eine Regelmäßigkeit und verlässliche Strukturen schaffen“, erklärt Vogt und ergänzt: „Es gibt eine große Bereitschaft, etwas zu lernen.“

Das bestätigt Kerstin Bolzendahl, Leiterin der Kinderbetreuung. Sie fügt hinzu: Die Mädchen und Jungen hätten Spielzeug, Buntstifte oder Bilderbücher während ihrer Flucht so lange entbehren müssen, dass sie sich jetzt riesig darüber freuten. „Eine Puppe ist für sie so etwas wie ein Goldschatz“, erklärt Bolzendahl.

Auch die Eltern profitieren vom neuen Betreuungsangebot des DRK. Während ihre Kinder unter professioneller Aufsicht spielen, können sie ein Stockwerk darüber in Ruhe am Deutschunterricht teilnehmen. Diesen geben zwei DRK-Mitarbeiter und sechs ehrenamtliche Kräfte. Ein weiteres Angebot entsteht derzeit neben dem Betreuungsgebäude. Dort wird ein Kinderspielplatz gebaut.

Unterdessen lernen Ali und die anderen Kinder bei Liubava Friedrichs, wie man auf die Frage „Wie geht es dir?“ antworten kann. Das fällt Ali nicht schwer. „Mir geht es sehr gut“, sagt er – und es kommt von ganzem Herzen.

Von Bernd Schossadowski

Kommentare