Städtebauförderprogramm für Samtgemeinde Aue: Antrag wird eingereicht

Projekte für über 23 Millionen Euro

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Ärztehaus oder Gesundheitszentrum? Der Umbau des Rathauses der ehemaligen Samtgemeinde Bodenteich steht als eines von vielen Projekten auf der Liste der Anträge.

Kallenbrock. Sehr schnell verließen die Zuhörer am Mittwochabend das Kallenbrocker Schützenhaus, schließlich war gerade die erste Halbzeit des Champions-League-Halbfinals vorüber.

Doch was die Besucher bis dahin zu hören bekamen, wird die nächsten zehn bis 15 Jahre die Samtgemeinde Aue prägen.

Ende 2011 ist die Samtgemeinde Aue in das Städtebauförderprogramm „Kleinere Städte und Gemeinden“ aufgenommen worden, berichtete Samtgemeindebürgermeister Harald Benecke (die AZ berichtete). Nun wurde das integrierte Entwicklungs- und Handlungskonzept (IEK) erstellt und öffentlich vorgestellt. Das Gesamtvolumen liegt bei rund 23 800 000 Euro. Ines Mühlenhardt von der Deutschen Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft (DSK) sowie Diplom-Ingenieurin Astrid Pesel stellten das Programm und die Richtlinien vor.

„Es ist ein dynamisches Programm“ betonte Mühlenhardt. Bedeutet: Da es auf 15 Jahre angelegt ist, können immer wieder Veränderungen eingebaut werden. Nicht eindeutig ist auch die Förderfähigkeit der einzelnen Projekte. Klar ist nur: Die Samtgemeinde übernimmt ein Drittel der Kosten. „Das IEK ist mehr als nur ein Förderprogramm, weil wir mit der Bevölkerung zusammengearbeitet haben“, schildert Pesel. Und gerade, was die Bevölkerung angeht, malt sie eine düstere Perspektive: Bis zu 20 Prozent weniger Einwohner prophezeit die Bertelsmann-Stiftung der Samtgemeinde in den nächsten Jahrzehnten. „In den Dörfern steht dann langfristig jedes dritte Haus leer“, sagt Pesel.

Und so wurden in neun Arbeitskreis- und elf Lenkungsgruppensitzungen mehrere Handlungsfelder bearbeitet. Mit der Errichtung des Feuerwehrhauses an der Sportstätte in Lehmke, der energetischen Sanierung der Grundschule Bad Bodenteich, der Sanierung der Straße zwischen Wieren und Kuckstorf, der Sanierung des Schützenhauses, die Errichtung eines Dorfgemeinschaftsraums in Stadensen, der Sanierung des Weges zwischen Nienwohlde und Reinstorf, der Ausbau des Radweges von Lehmke nach Groß Liedern sowie die Soltendiecker Gehwege an der L 265 sind bereits acht Projekte für nächstes Jahr beantragt worden.

Langfristig stehen natürlich noch weitere Vorhaben auf der Liste. Dabei wird auch nicht vor heiligen Kühen Halt gemacht: Im Handlungsfeld „Medizinische Versorgung“ steht die Umgestaltung des ehemaligen Bad Bodenteicher Rathauses zu einem Ärztehaus oder Gesundheitszentrum. Kosten gesamt: 990 000 Euro. An diesem Punkt hakte der Bad Bodenteicher Mediziner Dr. Horst-Michael Hintze ein: „Es werden ja nur kommunale Gebäude gefördert, keine privaten. Wollen wir ein staatliches Ärztehaus wie einst in der DDR errichten?“ Nein, antwortete Pesel. „Wir wollen Zentren bilden, in denen sich Fachärzte zusammenfinden und einen Anreiz für die Mediziner schaffen, in die Region zu kommen.“ Gefördert werden dann auch nur die baulichen Maßnahmen. „Das Gebäude muss auf jeden Fall eine neue Nutzung bekommen“, ist Pesel überzeugt. Den finanziell größten Posten mit 16 Millionen Euro beansprucht die Umgestaltung des ehemaligen BGS-Geländes in einen Ferienpark oder ein Mehrgenerationenwohnen und Kleingewerbe sowie die Nutzung von regenerativer Energie aus dem Waldumbau.

Und so erlebten die Zuhörer im Schützenhaus einen Streifzug durch die Handlungsfelder Wirtschaft, Feuerwehr, Tourismus, Seniorenversorgung sowie Kindergärten und Schulen. Letzterer Punkt sorgte für ein wenig Aufregung. Den Wierener Dieter Schoop wunderte es, dass die Turnhalle in Wieren nicht mehr unter dem Handlungsfeld Schule aufgeführt wurde. „Nachtigall, ich hör dir trapsen ...“, so sein Kommentar und die Sorge, dass die Grundschule Wieren geschlossen werden könnte. Auch der Wierener Schulleiter Wolfgang Hadel betonte, dass eine Zweizügigkeit, die Astrid Pesel als Voraussetzung für den Erhalt einer Grundschule voraussetzt, nicht notwendig sei. „Wir haben eine gute Einzügigkeit bis 2017“, unterstrich der Schulleiter.

Prioritäten, schildert Benecke, wurden in der langen Liste bewusst nicht gesetzt. Außerdem werde die Kommunalaufsicht jede Ausgabe aufs Genauste beobachten. Mit den Worten: „Es steht jetzt übrigens eins zu eins“ beendete der Verwaltungschef den Abend und die Besucher strömten im Laufschritt zu ihren Autos.

Von Jörn Nolting

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