„Niemals fertig sein“

Fans des aufwändigen Miniaturformats: Eisenbahn-Bastler Hartmut Schubert (l.) und Rolf Helmke.

Bad Bodenteich - Von Janina Fuge. Fest hat James seinen Blick an den leise voran schnurrenden Zug geheftet. Schaut ihm nach, staunt – und strahlt übers ganze Gesicht.

Modelleisenbahnen sind sein Ding – und deshalb ist der Dreijährige mit seiner Tante Julia Schneidereit und Großmutter Andrea Krüger auch eigens aus Betzendorf in der Altmark angereist, um dabei zu sein: Bei der großen Modellbahnausstellung im Bad Bodenteicher Gasthaus „Zum Bahnhof“. Organisiert hatte die große Schau der Modelleisenbahnclub Bodenteich: 13 Herren, die immer mittwochs ihrer Leidenschaft fröhnen – und Gleise, Züge, Häuser, Zugstrecken basteln, was das Zeug hält. Einer von ihnen, der auch für die große Schau eifrig gewerkelt hat, ist Hartmut Schubert. Sein Vater war bei der Bahn beschäftigt, vielleicht habe er dadurch dieses Virus im Blut, sagt er. Seit Kindesbeinen an hat‘s ihn gepackt. An seiner Anlage, die er in Bodenteich präsentierte, gibt‘s an jeder Ecke etwas zu entdecken – „mitunter makabre Geschichten“, erzählt Schubert: Ein Leichenwagen beispielsweise ist mit einer Panne auf dem Schrottplatz gestrandet – der Sarg lehnt senkrecht an einer Wand.

Mitnichten geht es beim Modelleisenbahnbau nur um Zug- und Gleistechnik – die Geschichten drumherum sind ebenso wichtig. Und deshalb ist es ein ehernes Gesetz der Modellbauer: „Die Anlagen dürfen niemals fertig sein“, so Schubert, „es muss immer noch Neues zu bauen geben.“ Neben ihm steht Rolf Helmke und nickt eifrig. Auch er ist Bahnfan durch und durch, seit Ewigkeiten. „Als ich Kind war, wohnten wir in Uelzen auf dem Rahlande, ich bin häufig ausgebüxt, habe mir in den alten Lokschuppen direkt nach dem Krieg die zerschossenen Loks angesehen.“ In seinem Keller hat der Modellbauer heute eine große Anlage – und jedes Jahr fährt er mindestens eine Woche lang Bahn: Durch Deutschland, Österreich, die Schweiz.

Geschichten erzählen, Leidenschaften teilen – das war erklärtes Ziel der Bodenteicher Schau. „Und vielleicht können wir so noch ein paar jüngere Leute davon überzeugen, wieviel Spaß dieses Hobby macht“, hoffte Modellbauvereinsvorsitzender Wilhelm Meier.

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