In Bad Bodenteich eine neue Heimat gefunden

Flüchtlingsjunge Mahdi: Neu-Heidjer mit Schweizer Akzent

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Der zehnjährige Mahdi und sein Vater Mohammed Ibrahim Rabani sind glücklich. Seit März ist der Flüchtlingsjunge wieder mit seiner Familie vereint, die in Bad Bodenteich lebt.

Bad Bodenteich. Er kommt aus Afghanistan, trägt ein schwarz-rot-goldenes T-Shirt mit der Aufschrift "Deutschland", lebt seit drei Monaten in Bad Bodenteich und schwärmt vom spanischen Fußball.

Und als wäre das noch nicht exotisch genug, spricht er auch noch Deutsch mit Schweizer Akzent. Der zehnjährige Flüchtlingsjunge Mahdi Rabani ist wirklich international geprägt. Wer ihn trifft, spürt nichts mehr von der Angst und dem Kummer, die mit der Flucht seiner Familie aus der afghanischen Heimat begonnen hatten.

„Ich hätte nicht gedacht, dass ich meine Eltern noch einmal wiedersehe. Das ist für mich wie ein Wunder“, sagt Mahdi im AZ-Gespräch. Die Gedanken an seine Flucht im Boot über die Ägäis, bei der er seine Eltern aus den Augen verlor und lange Zeit für tot gehalten wurde, hat er weitgehend hinter sich gelassen. Inzwischen ist bei dem Zehnjährigen der Alltag eingekehrt. Er besucht die Bad Bodenteicher Oberschule, spielt in seiner Freizeit gerne Playstation und jagt bei den Junioren des TuS Bodenteich dem Fußball hinterher. „Ich bin ein großer Fan von Messi und Cristiano Ronaldo“, berichtet er von seiner Begeisterung für zwei Superstars der spanischen Liga.

Hochdeutsch beherrscht Mahdi inzwischen recht gut. Im März, als er nach sieben Monaten Aufenthalt in der Schweiz endlich zu seiner Familie nach Bodenteich kam, war das noch anders. Bis dahin hatte Mahdi nur Schweizerdeutsch gelernt. „Am Anfang habe ich in Deutschland nicht viel verstanden. Aber jetzt geht es“, sagt er. Den schweizerdeutschen Akzent und das Vokabular hat er noch nicht ganz abgelegt. „In der Schweiz sagt man nicht Fahrrad, sondern Velo“, nennt Mahdi ein Beispiel. Nur noch ab und zu muss Samy Mehdizada, 15-jähriger Schüler aus Uelzen mit afghanischen Wurzeln, für den Zehnjährigen in der Muttersprache Farsi übersetzen. Alles andere klappt bei Mahdi schon auf Deutsch.

Hat er außer der Sprache noch andere Unterschiede zwischen Bern und Bodenteich festgestellt? Mahdi nickt. „Dort war es schöner, die Häuser waren neu, die Gärten voller Blumen“, erzählt er von der Schweiz. „Aber in Deutschland sind die Menschen freundlicher. Hier wird man gegrüßt, dort war das nicht immer so.“ Gut gefallen hat Mahdi das Bergsteigen in der Schweiz – natürlich gut gesichert mit einem Gurt. In der Lüneburger Heide hat er sich einen anderen Adrenalinkick verschafft: Er war im Mai auf dem Uelzener Stadtfest und hat fast alle Fahrgeschäfte ausprobiert. „Da wurde mir ein bisschen schwindelig“, verrät er schmunzelnd.

Hin und wieder telefoniert Mahdi noch mit der afghanischen Familie, die ihn während der Flucht in die Schweiz aufgenommen hatte. Ansonsten blickt er nur noch in die Zukunft. „Ich wünsche mir, dass meine Familie und ich in Deutschland bleiben dürfen“, sagt er. Ein anderer Wunsch wird sich für ihn schon nächste Woche erfüllen. „Wir fahren zusammen nach Hamburg“, freut sich Mahdi. „Dort bekomme ich ein Handy.“

Von Bernd Schossadowski

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