Oberschul-Leiterin lobt Mut der Achtklässler, kritisiert aber Form des Protests

Nach Schüler-Streik in Bad Bodenteich: "Aktion ist nach hinten losgegangen"

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Etwa 60 Schüler des achten Jahrgangs der Oberschule Bad Bodenteich haben am Freitag gegen die künftige Aufteilung in Schulzweige gestreikt. Sie saßen auf der Wiese vor der Schule.

Bad Bodenteich. Es war ein Vorgang, der über die Grenzen Bad Bodenteichs für Aufsehen gesorgt hat: Am vergangenen Freitag haben etwa 60 Schüler aus den drei achten Klassen der Bodenteicher Oberschule gegen die geplante Aufteilung ihres künftigen neunten Jahrgangs zum Schuljahresbeginn 2016/17 in einen Haupt- und einen Realschulzweig protestiert.

Wie berichtet, hatten die Jugendlichen dazu mehrere Stunden vor dem Schulgebäude am Kiebitzberg gestreikt.

Die Reaktion von Oberschul-Leiterin Mingo Hartmann, die am Freitag wegen einer Erkrankung nicht in der Schule war, fällt gemischt aus. „Ich finde es total toll, dass unsere Schüler sich trauen, im Rahmen der demokratischen Atmosphäre, die an unserer Schule herrscht, sich so zu äußern“, lobt Hartmann im AZ-Gespräch. Allerdings hätten die Schüler mit ihrem öffentlichen Protest „keine Regeln beachtet“. Die Aktion sei dadurch „nach hinten losgegangen“, meint die Schulleiterin.

Sie hätte sich gewünscht, dass die Schüler ihre Argumente früher vorgebracht hätten – und zwar vor der Entscheidung des Schulvorstands. Dieser beschloss letztlich die Aufteilung in Haupt- und Realschulklassen ab dem neunten Jahrgang. In diesen Prozess seien die Schüler eingebunden gewesen, doch dabei hätten sie ihr Anliegen nicht vorgebracht, so Hartmann. Ob es für die Streikenden nun Konsequenzen gibt, ließ sie offen.

„Wir versuchen an unserer Schule eine für Schüler optimale Kombination: Von Klasse 5 bis 8 wird jahrgangsbezogen unterrichtet, ab Klasse 9 schulzweigbezogen“, schildert die kommissarische Konrektorin Anna Horey. Dadurch könne individueller auf die Stärken und Schwächen der Schüler eingangen werden. Auch sei die Vorbereitung auf die jeweiligen Abschlüsse so gezielter möglich. Dem Zusammenhalt der Schüler stehe das nicht im Wege. Denn schon seit der sechsten Klasse vermische sich der Jahrgang in Kursen – in mindestens 15 von 30 Unterrichtsstunden pro Woche.

Am Entscheidungsprozess seien noch weitere Gremien – mit Lehrern und Elternvertretern – beteiligt gewesen. Diese hätten sich alle für eine Neuzusammensetzung der Klassen ausgesprochen. „Diese demokratischen Entscheidungen müssen die Schüler nicht gutheißen, aber sie müssen sie akzeptieren. Auch das gehört zum Leben in der Demokratie dazu“, betont Horey.

Von Bernd Schossadowski

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