Elternbefragung in Samtgemeinde Aue: 45,8 Prozent für längere Betreuung / Ausschuss unschlüssig

Kein klares Ja zur Ganztagsschule

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Von den 557 befragten Eltern in der Samtgemeinde Aue haben sich 255 für die Einführung von Ganztagsgrundschulen ausgesprochen. Viele von ihnen sind aber für ein freiwilliges Angebot.

Wrestedt/Bad Bodenteich. Damit hatte der Schulausschuss der Samtgemeinde Aue offenbar nicht gerechnet. Die jüngste Elternbefragung zur möglichen Einführung von Ganztagsgrundschulen in Bad Bodenteich, Wrestedt und Wieren ab Sommer 2017 hat keine klare Tendenz dafür oder dagegen ergeben.

Insgesamt 557 Fragebögen hatte die Verwaltung an Eltern von Kindergartenkindern sowie Erst- und Zweitklässlern ausgegeben. 332 Bögen wurden ausgefüllt und zurückgeschickt. Davon meldeten 255 Eltern Bedarf an einer Ganztagsbetreuung – also bis 15. 30 Uhr – an, während 72 dagegen stimmten. Somit waren 45,8 Prozent aller Befragten für diese Schulform.

Der Schulausschuss wusste nicht so recht, wie er diese Zahlen interpretieren sollte. „Das Ergebnis ist nicht ganz eindeutig“, formulierte es Bad Bodenteichs Grundschulleiterin Ursula Karfeld. Denn von den Befürwortern der Ganztagsschule haben sich fast ebenso viele für die offene – das heißt freiwillige – Variante ausgesprochen wie für die teilgebundene oder gebundene Form, die eine Nachmittagsbetreuung an bis zu vier Tagen in der Woche vorsieht.

„Das ist keine überwältigende Mehrheit“, sagte Wrestedts Grundschulleiterin Annette Schneider. Sie verwies darauf, dass das Votum in den Einzugsbereichen der Schulen unterschiedlich ausgefallen ist: Während der Wunsch nach einer verpflichtenden Ganztagsschule in Wrestedt groß ist, tendieren die meisten Eltern in Wieren zur freiwilligen Variante. „Ein gemeinsames Konzept für alle drei Standorte zu entwickeln, ist ein anspruchsvoller Job, der vor uns liegt“, ahnte Schneider.

Für eine einheitliche Lösung plädierte Wolfgang Hadel, Leiter der Grundschule Wieren. Ebenso wie Schneider und Karfeld macht er sich für eine teilgebundene Ganztagsschule stark. Als Einstiegsmodell könnte es zunächst an einem Tag in der Woche eine verpflichtende Betreuung bis zum Nachmittag geben, schlagen die drei Schulleitungen vor. Für diejenigen Eltern, die keine Ganztagsschule wünschen, würde das aber bedeuten, dass ihre Kinder eine Grundschule außerhalb der Samtgemeinde Aue besuchen müssten, die keine verlängerten Betreuungszeiten anbietet. „Schultourismus wird man nicht verhindern können“, meinte Schneider. Sie glaube aber nicht, dass es „Massenbewegungen durch unseren Landkreis“ geben werde.

Ausschussmitglied Max Lemm (CDU) sah noch Beratungsbedarf in den Fraktionen. Er frage sich, ob es zwingend eine einheitliche Ganztagsregelung für die drei Schulen geben müsse oder nicht auch unterschiedliche Modelle denkbar seien. „Damit könnten wir den Eltern Wahlfreiheit geben“, erklärte er. Mienold Eilers (Grüne) regte an, erst an einer Grundschule eine Ganztagsbetreuung anzubieten und die Resonanz abzuwarten. „Wenn wir das mit allen drei Schulen machen, habe ich arge Bedenken, dass Schüler in andere Orte wandern“, sagte er. Am 8. August will der Ausschuss noch einmal über dieses Thema diskutieren.

Von Bernd Schossadowski

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