Geplante Flüchtlingsunterkunft in der ehemaligen BGS-Kaserne

Landkreis informiert Bodenteicher Bürger: „Glauben Sie mir, die haben auch Angst“

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Drei Gebäude der ehemaligen Bodenteicher BGS-Kaserne werden zu einer Unterkunft für 150 Flüchtlinge ausgebaut. Der Landkreis hat die Bremer Firma Human Care beauftragt.

Bad Bodenteich. Es ist heiß im Bodenteicher Brauhaus. Etwa 140 Bürger sind am Dienstagabend gekommen. Sie wollen wissen, welche Pläne der Landkreis für die ehemalige Bundesgrenzschutzkaserne am Rand des Fleckens hat.

Wie viele Flüchtlinge werden hier untergebracht? Wie sieht es mit der Sicherheit aus?

„Die Unsicherheit der Bürger wuchs von Tag zu Tag“, sagt Bodenteichs Bürgermeister Edgar Staßar, der zur Informationsveranstaltung eingeladen hat. Im Brauhaus bewahren sie die Ruhe. Die großen Emotionen bleiben aus. Auch für die Ausführungen des Ersten Kreisrats und des Sozialamtsleiters gibt es artigen Beifall.

„Die Gesetze sind so. Die Menschen kommen zu uns, und wir haben die Verpflichtung, diese Menschen aufzunehmen“, macht Sozialamtsleiter Werner Marienfeld deutlich.

Erklärtes Ziel der Kreisverwaltung sei es gewesen, möglichst Familien aufzunehmen und diese in Einzelwohnungen unterzubringen, weil sie sich schneller integrierten. Doch das sei angesichts der kurzfristigen Entwicklungen nicht immer möglich. „Sie sehen, dass wir manchmal sehr schnell reagieren müssen und dass das nicht mehr mit dezentralen Unterkünften geht.“ Neben der ehemaligen BGS-Kaserne plant der Landkreis weitere Sammelunterkünfte in Uelzen am Fischerhof und an der Nothmannstraße.

150 Personen, Familien und Einzelpersonen, sollen im November oder Dezember in drei Gebäude im hinteren Bereich des Bodenteicher Kasernengeländes ziehen, führt der Sozialamtsleiter aus. Zuvor wird es einen Tag der offenen Tür geben.

Um die Flüchtlinge wird sich die Firma Human Care kümmern, die auch als Mieter der Anlage auftritt. „Es ist ein Unternehmen, das sich im Baubereich und mit dem Betrieb solcher Einrichtungen auskennt“, betont Marienfeld. Sozialbetreuung, Heimleitung und Sicherheitsdienst sollen rund um die Uhr sicherstellen, dass die Bewohner nicht mit ihren Problemen allein bleiben – eine Lehre aus den Vorfällen in der Bevenser Villa am Park.

„Es wird keine Erstaufnahmeeinrichtung“, stellt Liestmann auf Nachfrage klar. Der Landkreis begrenze die Zahl der Bewohner auf 150. „Wer gibt uns die Garantie?“, will ein Bürger wissen. Die kann auch Liestmann nicht geben: „Wir werden an der Grenze von 150 festhalten. Aber ich kann keine Garantie geben.“ In einer neuen politischen Lage könnte der Kreis gezwungen sein, deutlich mehr Menschen in der Kaserne unterzubringen. Für insgesamt 1200 Personen wäre Platz vorhanden.

„Die Gesetze sind so. Die Menschen kommen zu uns, und wir haben die Verpflichtung, diese Menschen aufzunehmen“

Derzeit leben 596 Asylbewerber im Landkreis Uelzen, 2015 wurden bereits 308 Personen aufgenommen. Josefin zum Felde, Leiterin der Koordinierungsstelle Migration und Teilhabe, fordert die Menschen auf, die Neuankömmlinge nicht nur als Leistungsempfänger zu sehen: „Sie haben häufig ganz viele Fähigkeiten. Eigentlich kommen sie hierher, weil sie arbeiten und lernen wollen.“ Sorgen um ihre Sicherheit bräuchten sich die Bodenteicher nicht zu machen: „Glauben Sie mir, die haben auch ganz viel Angst.“

Die Bodenteicher CDU hat unter anderem auch eine 24-Stunden-Besetzung der Polizeistation verlangt. Dagegen hält Sozialdezernent Marienfeld: In Bad Bevensen habe es keine Erhöhung der Kriminalität gegeben.

Ein Mann kann die Bedenken nicht verstehen: „Da muss man sich schämen als Bodenteicher. Viele von uns waren Flüchtlinge und jetzt stellen sie sich so kleinlich an.“

Von Gerhard Sternitzke

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