Markus Schmidt glaubt an sein Projekt für die ehemalige Bundesgrenzschutz-Kaserne

Geballte Kompetenz in Bodenteich

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Das Interesse an dem Projekt für gemeinschaftliches Wohnen auf dem Gelände der ehemaligen BGS-Kaserne in Bad Bodenteich ist nach Auskunft von Markus Schmidt groß. 33 Teilnehmer haben an einer Tagung teilgenommen.

Bad Bodenteich. Hoher Stacheldraht, Spurbahnen, triste Kasernenbauten: Die Zukunft des ehemaligen Bundesgrenzschutz-Standortes Bad Bodenteich bleibt offen. Zum 31. Dezember dieses Jahres soll nach unbestätigten Informationen auch der letzte Mieter, die Bereitschaftspolizei, gekündigt haben.

Aber da sind ja noch die Planungen für ein Gemeinschafts-Wohnprojekt. Auch wenn der Flecken nicht mehr an die Realisierung glaubt – Initiator Markus Schmidt berichtet von weiteren Mitstreitern für sein Projektwerk Bodenteich, die sich bei einer Tagung am Samstag trafen.

In einer Pressemitteilung ist die Rede von der „geballten Kompetenz“ der Teilnehmer, darunter laut Schmidt erfahrene Manager aus Großkonzernen sowie Bank- und Finanzprofis. Die dürften auch notwendig sein, denn bislang konnte der 54-jährige Buchholzer, der sich im Internet als Founding Director (Gründungsdirektor) bezeichnet, den Kaufpreis von 750 000 Euro nicht aufbringen.

Gegenüber der AZ gibt sich Schmidt siegessicher: Mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben sei eine Zahlung in fünf Jahrestranchen vereinbart. Und die Idee für gemeinschaftliches Wohnen von Jung und Alt auf dem 25 Hektar großen Areal stoße über die deutschen Grenzen hinaus auf großes Interesse. „Sobald wir Eigentümer sind, müssen wir sagen: Aufnahmestopp!“, sagt der studierte Philosoph und Theologe voraus. Und schon in fünf, sechs Jahren will Schmidt Überschüsse von jährlich 100 000 Euro erwirtschaften und unter den Genossen aufteilen. Nebenbei sollen bis zu 100 Arbeitsplätze entstehen.

Der Genossenschaftsanteil beträgt zurzeit 180 Euro pro Quadratmeter. Darin enthalten ist ein Investitionsbeitrag, denn die Genossenschaft soll sich mittels eines Holzhackschnitzel-Turbinenkraftwerks selbst mit Strom und Wärme versorgen. Kostenpunkt: 4,5 Millionen Euro. Wie viel Geld in die Sanierung der 35 Gebäude gesteckt wird, entscheiden die einzelnen Hausgemeinschaften.

Einer der 33 Teilnehmer war der Suderburger Student Philipp Gieleßen. „Ich finde die Idee einfach toll . Darin liegt die Zukunft, gemeinschaftlich zu leben. Für mich ist das die soziale Arbeit von morgen“, sagt der Suderburger Student und zweifache Vater, der gerade seine Bachelorarbeit in Sozialarbeit abgegeben hat. „Wir können uns nichts Schöneres vorstellen, als gemeinsam mit anderen Familien zu leben und uns gegenseitig zu helfen.“

Für Gieleßen ist auch das Jugendprojekt interessant. Nachdem der Investor für die Jugendberufsbildung abgesprungen war, hatte Schmidt das Gemeinschaftswohnen entdeckt. Sein Verein „Pasapa Mensch und Beruf“ wirbt trotzdem schon oder immer noch um Jugendliche: „ADHS? Legasthenie? Dyskalulie? Total planlos? In dir steckt Zukunft“, heißt es auf der mit bunten Werbebildchen aufgemachten Internetseite unter der Überschrift „Casting fürs Leben“ , die mit einer Heidelandschaft hinterlegt ist.

Schmidt, der nach eigener Auskunft besonders über Erfahrung in IT und Marketing verfügt, erzählt bereitwillig, dass er in fünf Jahren für sein Projekt bereits vergeblich Standorte in Norwegen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und im Landkreis Harburg beplant und schließlich aufgegeben hat. Von Misserfolgen lässt er sich nicht abschrecken, auch nicht in Bodenteich: „Oder es stellt sich heraus, es klappt alles nicht“, meint Schmidt. „Es gibt Resthöfe zuhauf.“

Von Gerhard Sternitzke

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