Flüchtlinge lernen bei der Arbeit Deutsch

DRK eröffnet Fahrradwerkstatt in Bodenteicher Unterkunft

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Die beiden syrischen Flüchtlinge Ousama (links) und Hamad arbeiten mit Begeisterung in der Fahrradwerkstatt, die das DRK jetzt in der Bodenteicher Notunterkunft eingerichtet hat.

Bad Bodenteich. Routiniert arbeitet Ousama mit Schraubenschlüssel und Zange, so als wäre das für ihn die selbstverständlichste Sache der Welt. Auch Hamad beweist handwerkliches Geschick.

Dabei hätten sich die beiden syrischen Flüchtlingsjungen, die derzeit in der Notunterkunft in Bad Bodenteich leben, vor ein paar Monaten nicht träumen lassen, dass sie jetzt mit Hingabe gebrauchte Fahrräder reparieren oder aus Ersatzteilen neu zusammenbauen.

Ermöglicht hat das der DRK-Kreisverband Uelzen, der die Notunterkunft auf dem ehemaligen BGS-Gelände betreibt. Er hat dort eine Fahrradwerkstatt für Flüchtlinge eingerichtet. Unter der Anleitung des Zweiradmechanikers Andreas Block reparieren die Teilnehmer nun begeistert gespendete Drahtesel und lernen dabei viele deutsche Vokabeln. Das ist manchmal nicht so einfach. „Da gibt es witzige Sachen: Zange verwechseln sie schon mal mit Zunge“, erzählt Block schmunzelnd, aber mitfühlend. Und wenn es mit Deutsch nicht klappt, erfolgt die Verständigung auf Englisch „oder eben mit Händen und Füßen“, sagt Block.

Vom freiwilligen Einsatz der Flüchtlinge in der Werkstatt ist er begeistert. Anfangsschwierigkeiten wurden rasch gemeistert. „Einigen musste ich erst mal Fahrradfahren beibringen“, berichtet Block. Denn in ihrer Heimat saßen sie noch nie auf einem Rad.

Marc Heine

Eine wichtige Rolle bei dem Projekt spielt die Oberschule Bad Bodenteich. Sie hat vor einigen Monaten eine eigene Fahrradwerkstatt aus der Taufe gehoben (AZ berichtete). Seitdem sind jeden Freitagvormittag neun Flüchtlinge aus dem DRK-Camp zu Besuch im Werkraum der Oberschule am Kiebitzberg und machen gemeinsam mit den Schülern gebrauchte Fahrräder flott. Auch diese wurden von Privatpersonen kostenlos zur Verfügung gestellt. Unterstützt wird das Ganze von der Cellerin Barbara Kipke-Grühl: Sie spendete jeweils 1000 Euro für die Fahrradwerkstätten in der Oberschule und in der Flüchtlingsunterkunft. „Davon haben wir Werkzeuge angeschafft“, erklärt Marc Heine, stellvertretender Leiter des Bodenteicher DRK-Camps.

Das dortige Fahrradprojekt, an dem bis zu fünf Personen teilnehmen können, bietet den Flüchtlingen aber nicht nur sinnvolle Beschäftigung, es kommt auch anderen zugute. Denn in der Werkstatt werden auch Kinderwagen, Tretroller und Bobbycars flottgemacht und anschließend an die Bewohner der Notunterkunft verliehen. „Wir möchte ein Mobilitäts- und Spielzeug-Kiosk einrichten“, kündigt Heine an.

Außerdem will das DRK nun vier nagelneue Bollerwagen anschaffen, die die Flüchtlinge beispielsweise für Einkäufe im Ort nutzen können. Die von Schlaglöchern übersäte Zufahrtsstraße zum Camp ist nämlich Gift für Kinderwagen. „Nach ein paar Fahrten sind die kaputt“, weiß Heine.

Von Bernd Schossadowski

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