Schimmel im Bodenteicher Schützenhaus: Ehemalige Reinigungskraft kritisiert Politik und Verwaltung

„Die haben es runtergewirtschaftet“

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Der offene Spind gibt den Blick auf Putzmittel frei, daneben stehen Reinigungsutensilien und eine Leiter herum: Dieser Raum im Bad Bodenteicher Schützenhaus wirkt so, als sei er unvermittelt verlassen worden.

Bad Bodenteich. Wenn Marianne Taute an das ehemalige Schützenhaus in Bad Bodenteich denkt, bricht es ihr fast das Herz. Von 1995 bis 2012 hat sie als Reinigungskraft in dem Gebäude gearbeitet. „Jeden Montag waren meine Kollegin und ich vier Stunden da.

Wir haben dort immer gern gearbeitet. Das Haus war unser Baby“, sagt die Bodenteicherin im AZ-Gespräch. Doch dann habe der Flecken den beiden Putzkräften gekündigt, weil das sanierungsbedürftige Objekt Anfang 2013 geschlossen wurde. Von da an sei es mit dem Gebäude rapide bergab gegangen.

„Jedes Haus, das leer steht, verkommt irgendwann. Die haben es runtergewirtschaftet“, sagt Marianne Taute und meint damit sowohl die Politiker des Bad Bodenteicher Rates als auch die Verwaltung. Dass im Herbst 2014 massiver Schimmelbefall im Schützenhaus festgestellt wurde, wundert Marianne Taute nicht. Bis zur Schließung sei das Gebäude regelmäßig gelüftet, beheizt und gereinigt worden – seit 2013 aber nicht mehr.

Ihrer Ansicht nach hätte das undichte Dach, durch das das Regenwasser einsickert und Feuchtigkeitsschäden im Haus verursacht, schon vor Jahren repariert werden müssen. Doch politische Streitereien im Rat hätten das verhindert. „Jeder wollte seine Partei gut darstellen, anstatt gemeinsam zu überlegen, wie man das Dach dicht machen kann.“

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Empört reagiert Marianne Taute auf die Darstellung der GFW-Ratsfrau Dr. Birgit Janßen, die Stellen mit Schimmelbelägen seien beim Saubermachen einfach weggewischt worden (AZ berichtete). „Bis zu unserer Kündigung 2012 war kein Schimmel vorhanden“, betont sie und macht eine Rechnung auf: Für die Reinigung des Gebäudes hätten ihre Kollegin und sie monatlich jeweils 170 Euro erhalten. „Für zwei Reinigungskräfte ergibt das 4080 Euro pro Jahr. Mit diesem finanziellen Aufwand und der regelmäßigen Pflege des Hauses hätte der Schimmelbefall verhindert werden können“, meint sie.

Gemeindedirektor Alexander Kahlert bezweifelt jedoch, dass Taute hätte erkennen können, ob sich vor Ort nur Schmutz oder bereits Schimmel gebildet hatte. Tautes Aussage sei „eine gewagte These“, meint er. „Der Schimmelbefall war schon damals da, man hat ihn nur noch nicht gesehen. Das ist unstrittig.“

Den von der SPD/GFW-Gruppe geforderten sofortigen Abriss des Hauses hält CDU-Ratsherr Frank Seidel indes für falsch. „Woher weiß Frau Dr. Janßen, dass ein möglicher Käufer nicht bereit ist, die zusätzlich anfallenden Kosten für eine Sanierung auf sich zu nehmen und sachgerecht ausführen zu lassen, da eine Kontaminierung mit Pilzsporen keineswegs bedeutet, dass eine anschließende Weiternutzung des Gebäudes ausgeschlossen bleibt?“, fragt Seidel in einem Brief an die AZ. Es sei noch nicht endgültig geklärt worden, „ob dieser unumkehrbare Weg den einzig gangbaren darstellt“, meint er mit Blick auf einen Abriss.

Von Bernd Schossadowski

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