Mädchen stopft feuerspeiendes Drachenmaul

Burgspektakel in Bad Bodenteich begeisterte zum 20. Mal

+
Dem Drachen Braxchiläus Rammdorn machte das mutige, kleine Mädchen Sieglinde mit einem Taschendrachen den Garaus.

Bad Bodenteich. Es war nicht einfach, den Drachen aus seiner Höhle zu locken, schon gar nicht mit einer sich anbietenden Jungfrau Ilse, die alles andere als ein Leckerbissen war. Dann aber betrat das schnaubende Ungetüm die Drachenwiese zur Fütterung. Sein Hunger war groß.

Groß war aber auch die kleine Sieglinde aus den Zuschauerreihen, die sich dem Drachen entgegen stellte und ihm mit einem Taschendrachen das feuerspeiende Maul stopfte.

Für Groß und Klein gab es bei der 20. Auflage des Burgspektakels einiges zu sehen.

Der zehn Meter lange und mehr als drei Meter hohe Drache Braxchiläus Rammdorn aus dem fernen Brandenburg war ein Höhepunkt beim mittelalterlichen Burgspektakel in Bad Bodenteich. Vor 240 Monden war der Tross der Fogelvreien das erste Mal auf der Burganlage, hielt jetzt also im 20. Jahr Einzug und feierte dies mit seinen liebgewordenen Bodenteichern und vielen Menschen aus nah und fern. Die Treue der Kurstädter dankte Fogelvrei-Chef Johannes Faget mit einem freien Eintritt zum Auftakt am Freitag. Das galt auch für die im Flecken wohnenden Flüchtlinge und so war nicht nur „Jubel!“ zu hören, sondern auch ein vielfaches „Marhaba!“

Handwerker und Händler, Gaukler und Musikanten verwandelten das Gelände um die Burg an den weiteren Tagen in ein buntes Treiben. „Satolstelamanderfanz“ und „Fabula“ spielten auf. Edle Damen und hohe Ritter gesellten sich zu den Fahrensleuten und gut betuchten Herrschaften im Heerlager, in dem es spontan zu Kämpfen unter den Rittersleuten kommen konnte. Gekocht wurde hier und gewerkelt, Rüstzeug hergestellt und allerlei Kurzweil betrieben.

Vielerlei Dinge galt es zu bestaunen. Auf dem Markt schaute man den Handwerkern über die Schulter, feilschte mit den Händlern oder verkostete sich in den Tavernen mit würzigem Bier, mit Met oder Säften und tauchte später ein in die Anderswelt. Walpurgis mit seinen heidnischen Mythen und Bräuchen war angesagt. Hunderte von Lichtern und Oleanten wurden entzündet, die Burg illuminiert und Besucher wagten sich gar selbst als Hexen oder Teufel verkleidet auf das Gelände.

Im Wald und am Burggraben entlang spielten Trolle, tanzten Waldgeister und Elfen durch das Unterholz, spie der Drache sein Feuer durch die Nacht, wurde das Walpurgisfeuer entzündet und rief der Nachtwächter um Mitternacht zum letzten Krug. Und als der Maien ward gekommen, tanzten die Marktleute, gab es zum Abschluss ein Tavernenspectakulum.

Es waren wieder einmal Tage mit einer besten Zeitreise ins Mittelalter und allen Facetten der alten Zeit. Und ein bisschen fürs Leben konnte man allemal mitnehmen. Und vielleicht auch die Hoffnung, dass die Fogelvreien auch im nächsten Jahr wieder gen Bad Bodenteich reisen werden.

Von Ulrich Bleuel

Abtauchen in eine andere Zeit: Beim 20. Burgspektakel in Bad Bodenteich

Kommentare