Notunterkunft war für 1700 Menschen ausgelegt – jetzt steht sie fast leer

Bad Bodenteich: Nur noch 46 Flüchtlinge...

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Leere Betten vor dem Einzug der Flüchtlinge im Herbst 2015 in Bad Bodenteich. Nun ist die Notunterkunft wieder verwaist.

Bad Bodenteich. Mit der Unterbringung von bis zu 1700 Flüchtlingen in dem ehemaligen Bundespolizei-Standort Bad Bodenteich hatte das Land Niedersachsen noch vor wenigen Monaten gerechnet – tatsächlich waren dort nie mehr als 700 einquartiert.

Und in den letzten Wochen sind die Belegungszahlen komplett eingebrochen: Gerade einmal 46 Flüchtlinge zählte das Deutsche Rote Kreuz, das die Notunterkunft für das Land betreibt, in dieser Woche noch. Und viele der rund 50 Mitarbeiter, die eigens für den Betrieb der Notunterkunft eingestellt worden waren, machen sich jetzt Sorgen um ihre berufliche Zukunft.

Bad Bodenteich ist kein Einzelfall: Landesweit schließt Niedersachsen Notunterkünfte. Sie dienen gewissermaßen als Zwischeneinrichtung: Von ihr aus werden die Flüchtlinge auf die Landkreise verteilt. Doch dies soll jetzt direkt von den fünf Erstaufnahmeeinrichtungen aus geschehen.

DRK Geschäftsführer Heinz Meierhoff.

Noch bis Anfang Dezember 2016 ist das Land vertraglich verpflichtet, die Kosten für das Camp in Bad Bodenteich zu zahlen; ebenso lang laufen die Arbeitsverträge der Mitarbeiter. Und beim DRK Uelzen ist man bemüht, ihnen berufliche Alternativen zu bieten: „Wir suchen Personal etwa im erzieherischen Bereich, in der Pflege, im Rettungsdienst“, zählt DRK-Geschäftsführer Heinz Meierhoff auf. Auch entsprechende Qualifzierungsmaßnahmen seien im Gespräch. Bis gestern hat das DRK 18 Mitarbeitern Übernahmeverträge anbieten können.

Und was wird jetzt aus der Bad Bodenteicher Unterkunft, die mit großem Aufwand hergerichtet wurde, in der es jetzt eine Kinderbetreuung gibt, eine Sanitätsstation und vieles mehr? Sie muss womöglich zurückgebaut werden, tausend Betten, Sanitäranlagen und, und, und...

Für Heinz Meierhoff ist das zu kurz gedacht. Denn noch immer gibt es Regionen, die mit der Aufnahme von Flüchtlingen überlastet sind und nicht ausreichend Platz haben, unter anderem im Raum Hannover. „Und bei uns hier gibt es fertige, leer stehende Einrichtungen. Da muss mehr über Kreis- und Landesgrenzen gedacht werden“, fordert der DRK-Geschäftsführer. Die Hansestadt Hamburg macht es vor: Sie bringt Flüchtlinge auch in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern unter. „Ich bin auch Steuerzahler und kann nicht einsehen, dass bei uns und in anderen ländlichen Regionen bald Mitarbeiter bei vollen Bezügen nach Hause geschickt werden und die Metropolen laufen noch über“, sagt Meierhoff. „Jetzt hat man die Luft, um nachzudenken und strategisch zu planen.“

Von Thomas Mitzlaff

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