Verwaltung: Bau einer Umgehungsstraße in Bad Bodenteich würde bis zu 38 Millionen Euro kosten

Bad Bodenteich: Kaum Chancen für Ortsentlastung

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Kein Vergnügen für die Anwohner: Der starke Schwerlastverkehr auf der Ortsdurchfahrt von Bad Bodenteich nervt die Bürger seit Jahren. Der Bau einer Entlastungsstraße würde nach Schätzungen der Fleckenverwaltung aber Millionen verschlingen.

Bad Bodenteich. Fußgänger, die auf dem Bürgersteig an der Bad Bodenteicher Ortsdurchfahrt unterwegs sind, verstehen manchmal ihr eigenes Wort nicht.

Ein 40-Tonner nach dem anderen rumpelt über die Landestraße 270, schlängelt sich durch die 90-Grad-Kurve am Braunschweiger Hof und Seepark, kurvt danach weiter durch den Ort. Für Heinz Priebe (WGA), Mitglied des Bad Bodenteicher Rates, ist der Schwerlastverkehr nicht mehr hinnehmbar. Doch Priebes jüngster Antrag, so schnell wie möglich in die Planung einer Ortsentlastungsstraße einzusteigen (AZ berichtete), ist wohl chancenlos. Der Bau einer solchen Umfahrung würde nämlich Millionen verschlingen, glaubt Gemeindedirektor Alexander Kahlert.

Eine Entlastungstraße, die in Langenbrügge beginnt, östlich von Bad Bodenteich entlangführt und hinter Overstedt wieder in die L 270 einmündet, wäre etwa zehn Kilometer lang, sagt Kahlert. Bei ähnlichen Projekten hätten die Baukosten 2,5 bis 3,5 Millionen Euro pro Kilometer betragen. „Das bedeutet Gesamtkosten von 25 bis 35 Millionen Euro“, rechnet Kahlert vor. Hinzu kämen Ingenieurkosten von geschätzten drei Millionen Euro. Kahlerts Fazit: „Das kann sich der Flecken Bad Bodenteich nicht leisten.“ Es gebe keine Aussicht auf Fördergelder vom Land. Dieses habe bereits klargestellt, dass es die geforderte Ortsentlastung nicht bauen werde. Und eine alleinige Finanzierung durch den Flecken sei aufgrund der schlechten Haushaltslage völlig unrealistisch.

Die Sorgen der Anwohner kann Kahlert nachvollziehen. „Der Schwerlastverkehr ist eine Katastrophe“, gibt er zu. Doch der Bodenteicher Verwaltung seien dabei die Hände gebunden. Nach Aussage der Landesstraßenbaubehörde in Lüneburg sei die L 270 sogar noch für weitaus höhere Verkehrszahlen ausgelegt, als es sie zurzeit gebe. Kahlert sieht daher nur eine einzige Möglichkeit: „Wenn man in puncto Entlastungsstraße etwas erreichen will, geht das nur auf politischem Weg. Man muss da Druck machen.“

Heinz Priebe, der sich seit Langem für den Bau einer Ortsentlastung einsetzt, will sich von den geschätzten Kosten aber nicht entmutigen lassen. Er hält die Summe für viel zu hoch gegriffen. „Es werden einfach Zahlen in den Raum geworfen, nach dem Motto: je höher, desto besser“, kritisiert er. Wesentlich realistischer seien dagegen Baukosten von einer Million Euro pro Kilometer – das entspreche einer Gesamtinvestition von zehn Millionen Euro. Eine Finanzierung durch öffentliche Zuschüsse hält der WGA-Politiker, die beruflich viele Jahre an Tiefbau-Projekten gearbeitet hat, durchaus für möglich. Es sei wichtig, zumindest in die Planung für die Straße einzusteigen. Wenn der Flecken hier nichts in der Hand habe, brauche er gar nicht erst einen Antrag auf Fördergelder stellen, ist Priebe überzeugt.

Von Bernd Schossadowski

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