Nach Gärsubstrat-Austritt in Bokel: Ermittlungen gegen Betreiber / Bad Bodenteich will Schadenersatz

Biogasanlage im Visier der Polizei

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Die Feuerwehr war Ende Juni an der Biogasanlage in Bokel im Einsatz. Dort war Gärsubstrat ausgelaufen.

Bad Bodenteich. Nach dem Auslaufen großer Mengen Gärsubstrat in die Aue und den Seepark-Teich vor etwa zwei Wochen (AZ berichtete) geht der Flecken Bad Bodenteich nun gegen den mutmaßlichen Verursacher, den Betreiber einer Biogasanlage in Bokel (Kreis Gifhorn), vor.

Gegenüber diesem habe er schriftlich Schadenersatz geltend gemacht, sagt Gemeindedirektor Alexander Kahlert im AZ-Gespräch: „Wir werden uns jeglichen Kostenaufwand, der im Zusammenhang mit der Verunreinigung des Gewässers steht, ersetzen lassen. “.

Unterdessen hat die Polizei Gifhorn gegen den Betreiber der Biogasanlage ein Ermittlungsverfahren wegen umweltgefährdender Gewässerbeeinträchtigung eingeleitet. Dieses werde dann an die Staatsanwaltschaft Hildesheim übergeben, erklärt Polizeisprecher Lothar Michels.

Um den Sauerstoffgehalt im Bodenteicher Seepark-Teich zu erhöhen, wurde das Wasser mit Motorbooten und Pumpen aufgewirbelt.

Am Mittwoch haben sich unter anderem Vertreter des Uelzener Umwelt- und des Veterinäramtes, des Landessportfischerverbandes sowie der Angelsportvereine (ASV) Bad Bodenteich und Lüder mit Kahlert getroffen und über das weitere Vorgehen diskutiert. Ein Ergebnis der Beratungen: Das Angeln im Seepark-Teich bleibt vorerst verboten. Das Befahren mit Booten hat der Flecken dagegen bereits am 3. Juli wieder erlaubt, weil eine Untersuchung des Wassers ergeben hatte, dass die Belastung mit Fäkalkeimen deutlich zurückgegangen war.

„Solange es dort aber immer noch Keime gibt und eine Unbedenklichkeit nicht nachgewiesen ist, kann ich das Angeln nicht erlauben. Der Gesundheitsschutz steht an erster Stelle“, betont Kahlert mit Blick auf den Verzehr möglicherweise belasteter Fische.

Zudem will er nun mit dem Kreisverband der Wasser- und Bodenverbände klären, wie einer Algenbildung am Einlauf der Aue in den Seepark-Teich – eine Folge der Überdüngung durch das Gärsubstrat – entgegenwirkt werden kann.

Auch der Landessportfischerverband Niedersachsen wird aktiv. „Am Sonnabend werden wir den Fischbestand in der Aue untersuchen“, kündigt Verbandsbiologe Dr. Matthias Emmrich an. Nach Aussage des ASV Lüder gebe es viele tote Forellen in dem Bach. „Wir wollen ein Schadensgutachten erstellen und vom Verursacher der Gewässerbelastung Schadensausgleich verlangen“, bekräftigt er.

Durch die Biogasanlage selbst ist laut Antje Präger, Leiterin des Fachbereichs Umwelt beim Landkreis Gifhorn, „kein weiterer Gefahreneintritt“ mehr zu befürchten. Das Gärsubstrat war durch die Regenwasserkanäle in die Aue geflossen. Um eine weitere Verschmutzung zu verhindern, seien die Kanäle gespült worden. Das Staatliche Gewerbeaufsichtsamt Braunschweig habe die Untersuchung der Anlage nunmehr beendet, so Amtsleiter Andreas Aplowski. Der Betreiber sei aufgefordert worden, den Ablauf abzudichten und den Schieber zu reparieren. Das soll laut Betreiber inzwischen geschehen sein. Seine Behörde habe aber noch nicht überprüft, ob das stimmt, sagt Aplowski.

Von Bernd Schossadowski und Paul Gerlach

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