B 71-Ausbau unwahrscheinlich

Der ehemalige Todesstreifen der deutsch-deutschen Grenze ist heute ein vielfältiger Naturraum. Deshalb soll das Grüne Band beim Bau der B 190n berücksichtigt werden. Foto: dpa

Salzwedel/Bad Bodenteich. Das Bundesumweltministerium sieht sowohl den Neubau der B 190n als auch den Ausbau der B 71 kritisch und hat deshalb keiner der beiden Varianten zugestimmt. Als Begründung führt Ministeriumssprecher Thomas Hagbeck an, dass beide Vari- anten „aus Umwelt- und verkehrlicher Sicht nicht überzeugen“. Damit liegt die Verantwortung nun allein beim Bundesverkehrsministerium.

Möglich, dass dieses Ministerium am Neubau der B 190n westlich von Salzwedel festhält und den alternativen Ausbau der B 71 zu den Akten legt. Daran übt beispielsweise die Bürgerinitiaive (BI) Umweltschutz Ostheide“ massive Kritik. Denn das niedersächsische Umweltministerium hatte wegen der Durchschneidung des „Grünen Bandes“ und der Landschaft an sich durch einen Neubau der B 190n gefordert, als Alternative die Ertüchtigung der B 71 zu prüfen. „Die mit der Untersuchung beauftragten Länder Niedersachsen und Sachsen-Anhalt haben jedoch – entgegen diesem Auftrag – nicht die geforderte Ertüchtigung der B 71 geprüft, sondern in ihrem Gutachten stattdessen die Kosten und Umweltwirkungen eines Quasi-Neubaus der B 71 zugrunde gelegt“, so die BI. Sie glaubt, dass der B 71-Ausbau durch Gutachten-Tricks verhindert wird. Die Berücksichtigung des „Grünen Bandes“ fordert auch Bodenteichs Samtgemeindebürgermeister Rainer Kölling – so wie es auch im Gutachten der A 39 verankert ist. Das Gutachten zur Querspange liegt derzeit noch beim Minister.

„In der weiteren Planung werden die kritischen Punkte, wie Grünes Band und Unzerschnittener Raum im Hinblick auf Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen besonders berücksichtigt“, lautet es aus dem Verkehrsministerium.

Der Dachverband der Bürgerinitiativen „Westliche Altmark“ fordert den B 71-Ausbau nach wie vor. Das sieht man im Altmarkkreis nicht anders. Favorisiert werden Ortsumgehungen und ein teilweise dreispuriger Ausbau. Der Kreis hat die Aufnahme des B 71-Ausbaus in den Landesentwicklungsplan immer wieder gefordert. Indes scheint es momentan, als werde eher die B 190n mit ihren Abschnitten Bodenteich-Salzwedel, Salzwedel-A 14 und A 14-Brandenburg weiter verfolgt. Sie würde den Niedersachsen mehr, den Altmärkern aber weniger bringen. Zudem müssten die Anwohner an der B 71 den Verkehr nach wie vor in vollem Umfang ertragen.

Auch Uwe Ahrends von der Bürgerinitiative „Pro Ratio“ hält den Ausbau der B 71, sogar vierspurig, für viel notwendiger als die B 190n und verweist auf das gestiegene Verkehrsaufkommen in Richtung Dresden-Magdeburg-Hamburg.

Inwieweit die von Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre während der „Altmark-Konferenz“ am 3. Mai des vergangenen Jahres in Gardelegen angekündigte „Anmeldung“ der B 71 mit den Schwerpunkten Ausbau, Lärmschutz und Instandsetzung in Berlin berücksichtigt wird, bleibt abzuwarten.

Von Ulrike Meinecke und Jörn Nolting

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