Bürger in großer Sorge nach erneutem Wohnhausbrand im Ort / Ist ein Feuerteufel am Werk?

Angst geht um in Bad Bodenteich

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Mit Hilfe einer Drehleiter gelang es den Feuerwehren am frühen Donnerstagmorgen, die Flammen im Dachstuhl dieses Einfamilienhauses an der Hauptstraße in Bad Bodenteich zu löschen. Die Polizei hält Brandstiftung für möglich.

Bad Bodenteich. Im Dach klafft ein großes Loch, die Ziegel sind geborsten, Teerklumpen kleben an der rauchgeschwärzten Fassade, das Auto ist nur noch ein verkohltes Wrack: Die Folgen des Wohnhausbrandes an der Hauptstraße in Bad Bodenteich sind unübersehbar.

Das Einfamilienhaus, in dem eine fünfköpfige Familie lebt, ist nach Angaben der Polizei nicht mehr bewohnbar. Zwei der Mieter – ein Mann und eine Frau – betrachten den Schaden gestern kopfschüttelnd. Sie können nicht fassen, was in der Nacht passiert ist. Nur wenige Stunden zuvor waren die beiden mit ihren Kindern und dem Hund aus dem brennenden Haus geflüchtet. Dessen Dachstuhl hatte bereits in Flammen gestanden.

Das Auto ist nur noch ein verkohltes Wrack.

Mit der Presse wollen die Bewohner des betroffenen Hauses nicht sprechen. Doch ihre Nachbarn finden deutliche Worte. „Das ist grauenvoll“, sagt Anwohnerin Manuela Koetschau im AZ-Gespräch. „Man hat echt schon Angst hier. Das könnte ein Feuerteufel gewesen sein.“ Während des Brandes war Familie Koetschau im Urlaub, erst gestern Mittag kehrte sie zurück.

Nur die 22-jährige Tochter hatte die Nacht zum Donnerstag daheim verbracht und den Brand im Nachbarhaus direkt miterlebt. „Sie ist geschockt“, berichtet Manuela Koetschau. „Meine Tochter hat mir erzählt, als sie nebenan das Feuer sah, hat sie erst mal nach unseren Mülltonnen vor der Tür geschaut, ob die auch brennen.“ Doch zum Glück war mit den Tonnen alles in Ordnung.

„Wir haben hier ein komisches Gefühl“

Das hatte vor rund zwei Wochen – nur wenige hundert Meter vom jetzigen Brandort entfernt – noch ganz anders ausgesehen: Im Waldweg, neben dem Schützenhaus und am Waldbad hatten Unbekannte mehrere Papier- und Restmülltonnen angesteckt. Die Flammen griffen über: Ein Carport brannte ab, zudem wurden das Wohnhaus und der Kiosk im Waldbad von den Flammen teilweise zerstört (AZ berichtete).

Am Tag danach sind die Brandspuren am Haus unübersehbar. Das Gebäude ist laut Polizei nicht mehr bewohnbar.

Die Häufung der Brände in den vergangenen Monaten in Bad Bodenteich macht den Bürgern Angst. Zum Beispiel Martina Segger, die nur wenige Meter neben dem betroffenen Haus an der Hauptstraße wohnt. Zwar lebt sie erst seit Kurzem im Ort, von der Brandserie hat sie aber gehört. „Wir haben hier ein komisches Gefühl“, sagt sie und schließt nicht aus, dass Brandstifter am Werk waren.

Um kurz nach 1 Uhr wurde Martina Segger wach, weil sie den Flammenschein vom Nachbarhaus bemerkte. „Ich habe sofort den Notruf gewählt, aber dort wusste man schon Bescheid“, erklärt sie. Das Feuer, die Löscharbeiten und die vielen Einsatzkräfte vor Ort – all das habe sie aufgewühlt. Danach habe sie nicht mehr richtig schlafen können.

In Sorge ist auch Nachbarin Erna Brandt. „Ich lebe hier allein, seitdem mein Mann gestorben ist“, erzählt die Seniorin. Sie will sich nicht ausmalen, was passiert, wenn ihr eigenes Haus in Flammen stünde: „Ich kann nämlich nicht mehr so gut laufen.“

Bad Bodenteichs stellvertretender Ortsbrandmeister Volker Meyer, der den gestrigen Löscheinsatz leitete, will sich an den Spekulationen über einen Feuerteufel im Ort nicht beteiligen. „Das sind nur Mutmaßungen“, betont er. Nach den Worten von Polizeisprecher Kai Richter wird zurzeit in alle Richtungen ermittelt. Zwar sei Brandstiftung die wahrscheinlichere Ursache, doch auch ein technischer Defekt sei nicht auszuschließen. Hinweise nimmt die Polizei Uelzen unter der Telefonnummer (05 81) 93 00 entgegen.

Von Bernd Schossadowski

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