Moritz Plagemann aus Stuttgart macht auf seiner Wanderung Station in Bad Bodenteich

1400 Kilometer zu Fuß durchs Land

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Zwei Schwaben erkunden Deutschland: Moritz Plagemann, hier am Mittwochabend vor der Burg Bodenteich, ist seit dem 7. Juli zu Fuß unterwegs von Weil am Rhein bis nach Rügen. Seine Freundin Brit Marie Abele begleitet ihn auf einem Teil der Strecke.

Bad Bodenteich. In den vergangenen beiden Jahren hat er die Welt bereist, war unter anderem in China, Nepal, Russland, Israel und den USA.

Zurzeit ist Moritz Plagemann zu Fuß in seiner Heimat Deutschland unterwegs – etwa 1400 Kilometer von Weil am Rhein im äußersten Südwesten bis nach Rügen. „Das ist ein wunderschönes Land direkt vor der Haustür“, hat er festgestellt. Jetzt machte der 21-jährige Stuttgarter zusammen mit seiner Freundin Brit Marie Abele Station in Bad Bodenteich.

Seine Begleiter sind ein Handy mit Wander-GPS und ein Handwagen, den er aus Teilen eines Rasenmähers, eines Kinderlaufrades und aus Skistöcken selbst gebaut hat. Das Gefährt enthält alle Habseligkeiten während der Tour: unter anderem Schlafsäcke und Isomatten, ein Ein-Mann-Zelt und eine Gitarre.

Geld haben die beiden bewusst nicht mitgenommen. „Dadurch ist man gezwungen, die Menschen anzusprechen. Man erlebt viel mehr und kommt in direkten Kontakt mit den Leuten“, erklärt die 18-jährige Abele aus Kirchheim/Teck bei Stuttgart. Inzwischen haben sich aber 50 Euro in der Reisekasse angesammelt. Es sind Spenden, die die beiden unterwegs bekommen haben. „Das ist ein Notgroschen für den Fall der Fälle“, verrät die Schülerin.

Wenn sie Hunger haben, fragen sie in Bäckereien oder Supermärkten nach Essen und stoßen fast immer auf offene Ohren. Hilfsbereit sind auch die Menschen, an deren Haustüren Abele und Plagemann klopfen, um darum zu bitten, ob sie kostenlos übernachten dürfen. Dabei fanden sie viele gemütliche Schlafquartiere auf Bauernhöfen, in Scheunen und Gartenlauben, oft inklusive Abendessen und Frühstück.

Gestartet ist Plagemann, der demnächst Medizin studieren will, am 7. Juli – und zwar zunächst allein. Von Weil am Rhein ging es durch den Schwarzwald, über einen Höhenwanderweg im Spessart, nach Kassel und danach bis nach Clausthal-Zellerfeld. In dem Harz-Ort stieß Abele am 18. August dazu. Sie war per Auto gen Norden getrampt und begleitete ihren Freund seitdem. Gestern ging es für sie aber wieder zurück nach Kirchheim, ebenfalls als Anhalterin. Plagemann will hingegen über das Wendland und Brandenburg weiter bis nach Rügen wandern.

Den Kreis Uelzen finden die beiden übrigens wunderschön. „Die Landschaft ist sehr weitläufig und flach, die Wälder viel lichter als bei uns“, sagt Abele. In Bad Bodenteich haben sich die jungen Wanderer die Burg angesehen, übernachtet wurde auf einem Bauernhof in Schostorf.

Die Wanderung quer durchs Land sei eine tolle Erfahrung für sie, erzählt die 18-Jährige. Unterwegs habe sie viele nette Menschen getroffen. „Die Deutschen sind total gastfreundlich, offen und herzlich“, schwärmt sie. Und ihr Freund ergänzt: „Vorher hatte ich nicht so recht eine Meinung von Deutschland. Aber jetzt kann ich sagen: Es ist meine Heimat.“

Von Bernd Schossadowski

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