Gastronomen kritisieren Unfallverhütungs-Vorschriften als unrealistisch

Zwischen Theorie und Praxis

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Ulrich Koch stellt die Aktion Schutzengel vor. Der Pensionär setzt sich seit 2008 für die Aktion ein.

Bad Bevensen/Landkreis. Gefährdungspotenziale und deren Vermeidung standen im Mittelpunkt der Mitgliederversammlung des Dehoga-Kreisverbandes Uelzen im Kurhaus von Bad Bevensen.

Von der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel/Gaststätten informierte als Referentin Gabriele Monsees über die eher etwas trockene Materie der Unfallverhütung in Betrieben.

„Wir wollten das wichtige Thema mit den sich immer ändernden Gesetzen in unsere Versammlung nehmen, damit wir uns auch daran halten’“, begrüßte der 1. Vorsitzende des Kreisverbandes, Michael Schwarz, die Referentin, die als technische Aufsichtsperson für Betriebe in dieser Region zuständig ist. Wie so oft zeigte sich, dass Theorie und Praxis weit auseinander klaffen, und dennoch muss zu einem Konsens gefunden werden.

Dabei, das zeigten die Ausführungen der Referentin, sind die Vorschriften immer weniger geworden. Waren es 2003 noch 39, so sind es aktuell noch 15 Unfallverhütungsvorschriften. Was für die Unternehmer einerseits mehr Freiheiten bei der Gestaltung der betrieblichen Verhältnisse bedeutet, andererseits aber auch mehr Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern, wenn potenzielle Gefährdungen bekannt sind.

„Die Muttervorschrift für den Arbeitsschutz ist der § 5 des Arbeitsschutzgesetzes, in dem geregelt ist, welche Arbeitsschutzmaßnahmen erforderlich sind, damit der Mitarbeiter keinen Schaden nimmt“, machte die Referentin an verschiedenen Beispielen deutlich. Das reiche vom Dokumentieren von Gefährdungspotenzial, um Unfälle zu vermeiden, bis hin zur Schulung der Mitarbeiter. Für die Dokumentation sei Grundlage das Arbeitsschutzgesetz. Nach einer Schulung der Mitarbeiter sei es derweil erforderlich, dass Mitarbeiter und Arbeitgeber sie unterschreiben. Passiert trotz aller Vorsorge ein Unfall, trete die Berufsgenossenschaft ein.

Der Vortrag war keineswegs leicht verdauliche Kost, und die Gastronomen wagten die Prognose, das Theorie und Praxis wohl weit auseinander klaffen werden. Dennoch, so Schwarz, „wir müssen uns danach richten“. Bei Fragen, so die Referentin, komme sie gern in die Betriebe. Der Vortrag löste eine lebhafte Diskussion aus.

Ebenso wichtig zur Vermeidung von Gefährdungen für Jugendliche ist die „Aktion Schutzengel“. Was bedeutet die Aktion und was bringt sie? Darüber informierte der pensionierte Polizeibeamte Ulrich Koch, der 24 Jahre in Suderburg tätig war. Er stellte das Projekt des Landkreises, für das er sich seit 2008 einsetzt, von den Anfängen an vor.

Die Idee schwappte von Dänemark in den 90er Jahren herüber. Der Landkreis Uelzen hat sich sofort an der Aktion beteiligt und schreibt alle Mädchen, die 16 Jahre alt geworden sind an, ob sie Schutzengel werden möchten. Die Mädchen haben die Aufgabe, Freunde und Bekannte davon abzuhalten unter Alkohol oder Drogen Auto zu fahren.

„Der Erfolg ist da“, so Koch. Seit die Aktion begonnen habe, seien die Unfallzahlen rückläufig. Und was haben die Mädchen davon? Mit ihrem Schutzengel-Ausweis freien Eintritt in Discos, und in einigen Geschäften gibt es Prozente.

Nach den Referaten standen noch Wahlen auf der Tagesordnung: Für die Fachgruppe Gaststätten wurde als Vorsitzender René Haaker vom „Holdenstedter Hof“ vorgeschlagen und einstimmig gewählt. Ebenso einstimmig fiel das Votum für Marco Bernotat als Stellvertreter aus, ebenfalls vom „Holdenstedter Hof“.

Von Gudrun Kiriczi

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