Zwei Kandidaten, eine Meinung

Torsten Wendt (links) und Hans-Jürgen Kammer sind sich einig.

Bad Bevensen/Ebstorf - Von Ines Bräutigam. Draußen trieb der Wind die Blätter ums Kurhaus. Ein Bild, das Bevensens Erster Samtgemeinderat Hans-Jürgen Kammer (53) gestern Morgen zum Anlass für den Einstieg in eine gemeinsame Pressekonferenz mit Ebstorfs Samtgemeindebürgermeister Torsten Wendt (40) wählte: „Es sind stürmische Zeiten, und wir wollen deutlich machen, dass wir die Garanten dafür sind, die neue Samtgemeinde Bevensen/Ebstorf durch ruhige Fahrwasser zu bringen.“ Hans-Jürgen Kammer und Torsten Wendt nämlich treten als Kandidaten für das Amt des Samtgemeindebürgermeisters in dieser neuen Samtgemeinde an. Jeder für sich. Und doch gemeinsam.

Die beiden sind die Architekten der Samtgemeinde-Fusion. Und beide wollen das, was zurzeit noch auf dem Papier existiert auch weiter auf- und ausbauen und mit Leben füllen. „Wir halten uns für qualifiziert“, so Kammer, „und wir halten auch den anderen für qualifiziert für dieses Amt.“ Man trete nicht gegeneinander an, mache keinen Wahlkampf gegen den jeweils anderen. Alles andere wäre auch nicht glaubwürdig, sind die beiden überzeugt. Schließlich sei man sich in den vergangenen Wochen und Monaten immer einig gewesen, habe die gleichen Ziele. „Die Leute wollen auch keine Arenakämpfe“, glaubt Torsten Wendt, „sondern Persönlichkeiten.“

Keiner von beiden kann sich vorstellen, sich plötzlich auf Kosten des anderen zu profilieren. Auch habe man nicht zu Gunsten des anderen auf die Kandidatur verzichten wollen. „Das wäre ja Unfug“, findet Torsten Wendt. Und als der eine sich entschlossen hatte, dem anderen einfach vorzuschlagen, man könne sich ja gemeinsam präsentieren, sprach es der andere in dem Moment aus. Für Hans-Jürgen Kammer ist klar: „Zwischen uns passt kein Blatt. Und das ist kein abgekartetes Spiel.“

Während Torsten Wendt als parteiloser Kandidat ins Rennen um den Samtgemeindebürgermeister-Posten geht, macht Hans-Jügen Kammer keinen Hehl daraus, dass seine „politische Heimat“ die SPD ist. Parteipolitik, so Kammer, sollte aber in der Kommunalpolitik eine untergeordnete Rolle spielen. „Ich will nicht nur Kandidat der SPD sein“, macht er deutlich, „sondern ich erhoffe mir auch aus anderen Richtungen ein Signal.“ Schließlich hätten alle unterm Strich ein gemeinsames Ziel. „Da müssen Themen in der Sache gelöst werden“, sagt Kammer.

Genauso sieht das sein Mitbewerber: „Die wichtigste Aufgabe wird die Vollendung der Fusion sein, da darf es keinen Stillstand geben.“ Um dabei weiter mitgestalten zu können, erhofft sich Wendt ebenfalls eine breite Unterstützung. Denn Zeiten, in denen der Ton zwischen dem 2003 aus Protest gewählten Ebstorfer Samtgemeindebürgermeister und Teilen der Ebstorfer CDU sehr schroff war, sind längst ausgestanden. „Ich habe mittlerweile ein gutes und entspanntes Verhältnis zu CDU und SPD“, sagt Wendt, der Angebote einer Mitgliedschaft aus beiden Parteien stets abgelehnt habe, weil er schließlich einst als Parteiloser gewählt worden war.

Die Chemie zwischen Kammer und Wendt stimmt. Und deshalb wüde der eine auf den anderen und dessen Fähigkeiten auch nicht verzichten wollen, sollte er zum Samtgemeindebürgermeister der neuen, künftig 26000 Einwohner zählenden und 440 Quadratkilometer großen Samtgemeinde Bevensen/Ebstorf gewählt werden. „Sollte ich Samtgemeindebürgermeister werden, würde ich Herrn Wendt als meinen Stellvertreter vorschlagen“, sagt Hans-Jürgen Kammer bestimmt. „Umgekehrt wäre es genauso“, nickt Torsten Wendt. Ein Problem damit, als „zweiter Mann“ unter dem jeweils anderen zu arbeiten, hätte keiner von beiden. Das geht eben, weil der Umgang miteinander stimmt.

„Die Menschen haben mit uns eine echte Wahlmöglichkeit“, sind sich Kammer und Wendt einig, die davon überzeugt sind, dass ihre Ortskenntnisse und das Wissen um die Bedürfnisse und Befindlichkeiten der Menschen in „ihren“ beiden Samtgemeinden von Vorteil sind. Das Wahren der Haushaltsdisziplin in der fusionierten Samtgemeinde, die Schaffung einer funktionierenden Verwaltung und die Motivation deren Mitarbeiter, die Verteilung der Gelder aus dem Entschulungsvertrag auf die Mitgliedsgemeinden und die Unterstützung selbiger darin, die Chancen zu nutzen, die der Tourismus für eine Samtgemeinde mit zwei Heideklöstern bietet, un nicht zuletzt der Ausbau der Kooperation mit der Nachbargemeinde Bienenbüttel – all dies betrachten die beiden Kandidaten unter anderem als Schwerpunkte für ihre Arbeit als Samgemeindebürgermeister. „Es ist nicht nur reiner Egoismus von uns zu kandidieren“, fasst Hans-Jürgen Kammer zusammen, „wir wollen die Fusion jetzt auch umsetzen.“

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