Mit 52 zurück auf „Los“

Margot Käßmann gab gestern in Bad Bevensen ine Signierstunde und hatte die Sympathien auf ihrer Seite.

Bad Bevensen - Von Ines Bräutigam. Das Glas Wasser hatte Gastgeber Matthias Richter von der Buchhandlung Paff noch nicht mal eingeschenkt, da ermunterte sein Gast schon die mehr als 150 Wartenden: „Kommen Sie!“ Und sie kamen: Margot Käßmann gab gestern Abend in der Bevenser Buchhandlung an der Röbbeler Straße eine Signierstunde und begrüßte ihre – überwiegend weiblichen – Anhänger mit einem strahlenden Lächeln.

Während sich draußen ein Gewitter zusammenbraute und die Luft im Raum immer schwüler wurde, saß die ehemalige Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche im schwarz-weißen Etuikleid im bereit gestellten Korbstuhl und signierte emsig ein Buch, Foto und Zeitungszitat nach dem anderen. Die guten Wünsche gingen dabei nicht nur von ihr aus in Richtung der Besucher, sondern auch andersherum. „Alles Gute“, „Schön, dass es Sie gibt“, „Ich freue mich auf Sie“ – die Menschen gaben ihrer Wertschätzung und Solidarität mit Margot Käßmann immer wieder Ausdruck.

Margarete Soltau aus Jastorf war gekommen, um sich gleich drei Exemplare von Käßmanns Neujahrspredigt 2010 signieren zu lassen. „Die verschenke ich dann“, verriet sie. Das Büchlein mit dem Titel „Fantansie für den Frieden“ hat die Jastorferin schwer beeindruckt. „Sie ist einfach eine tole Frau, intelligent. Sie hat was – etwas, was wir gerne hätten.“

Nicht nur ihr neuestes Buch „In der Mitte des Lebens“, aus dem sie später im Kurhaus auch las, signiert Margot Käßmann gestern Abend. Auch viele andere ihrer Werke kamen ihr unter den Kugelschreiber. „Das hat ganz viel Spaß gemacht“, schwärmt sie gleich mehrmals beim Vorlegen ihres Buches „Fünf Minuten mit dem lieben Gott“. „Da haben 70 Leute mitgemacht“, berichtet sie den Besitzern der Ausgaben, die selbige – frisch signiert – wie Beute von dannen tragen.

Ein Herr spricht sie auf ihre Äußerungen zur Anti-Baby-Pille anlässlich des Kirchentages an. Käßmann hatte gesagt, dass Verhütungsmittel auch „ein Geschenk Gottes“ sein können. Der Mann gestern Abend in Bad Bevensen war da ganz anderer Meinung – zu Hause seien sie schließlich auch sieben Kinder gewesen. Käßmann kontert: „Ich habe vier Kinder und freue mich auf viele Enkel. Aber ich habe in Äthiopien Frauen mit acht Kindern gesehen, von denen zwei schon gestorben sind…“ Doch der Herr winkt freundlich ab und geht kopfschüttelnd. „Bis jetzt haben sich nur Männer darüber aufgeregt“, sinniert die Theologin, als der Herr längst zur Tür raus ist.

Dann wird‘s wieder munter. Gleich einen kleinen Stapel Bücher von „In der Mitte des Lebens“ soll Margot Käßmann für eine junge Frau signieren – und stellt ob der vielen Buchcover, auf denen Sie in fliederfarbenem Blazer zu sehen ist, schmunzelnd fest: „Ich habe so lange überlegt, ob ich die lila Jacke kaufe – hat sich gelohnt.“ Und auf das Kompliment „Tolles Buch!“ schmunzelt sie: „Mit 52 zurück auf ‚Los‘ ist ja auch was…“

Eine Besucherin fangt bang nach, ob sie denn auch vorhabe, nach ihrem Auslandssemester in den USA, das im August beginnen soll, wieder zurückzukommen. „Ich komme wieder“, verspricht Käßmann. Bis dahin hat sie unter anderem neben Bad Bevensen noch zwei weitere der nur insgesamt drei Lesungen in Niedersachsen – nämlich in Lüneburg und Nordhorn – zu absolvieren. Ob es danach mit den Lesungen weiter gehe? Das mochte Margot Käßmann gestern Abend nicht versprechen. „Ich weiß ja nicht, wer dann mein Arbeitgeber wird. Da kann ich ja nicht sagen, mein Terminkalender ist schon voll.

Die Sympathien flogen der 52-Jährigen, die für ihren Geburtstag am 3. Juni sogar hier und da noch Glückwünsche entgegen nehmen durfte, gestern Abend nur so zu. Einige haben durch sie zur Kirche zurückgefunden, andere finden sie einfach nur „menschlich, intelligent und hübsch“, wie gestern Abend durchklang. Und alle sind sich nach der persönlichen Begegnung einig: „Sie ist genau so, wie man sie sich immer vorgestellt hat.“

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