Nutzern der einstigen Diabetes-Klinik wurde Strom abgestellt / Eigentümer fordern höhere Miete

Zoff um die Nebenkosten

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Anett von der Weppen behilft sich zurzeit mit einem Notstromaggregat – weil es Uneinigkeit über die Zahlung von Nebenkosten gibt, wurde im Nebengebäude der Diabetes-Klinik – dem Domizil ihrer Kampfsportschule – der Strom abgestellt.

Bad Bevensen. Seit mittlerweile elf Jahren steht die ehemalige Diabetes-Klinik am Klaubusch in Bad Bevensen leer.

Nach dem Verkauf der Liegenschaft an die Kölner Unternehmensgruppe Summit Partners GmbH im Sommer 2007 wurde – während das Hauptgebäude seitdem zusehends verfällt (die AZ berichtete) – zumindest das Nebengebäude, in dem einst das Diabetes-Museum untergebracht war, durch fünf Parteien genutzt: die Weight Watchers, eine Tai-Chi-Schule, den Verein „Das Kochhaus“, eine Kampfsportschule und nicht zuletzt den Hausmeister. Doch damit ist es nun auch vorbei: Anfang August wurden in dem Nebengebäude Strom und Gas abgestellt, weil sich Eigentümer und Nutzer uneinig über das Begleichen von Nebenkostenabrechungen sind.

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Während alle pro Veranstaltung beziehungsweise Nutzungseinheit einzeln abrechnen, hatte Anett von der Weppen mit der Summit Partners GmbH eine Warmmiete vereinbart. Die Inhaberin der Kampfsportschule erhält ihren Betrieb zurzeit mit einem Notstromaggregat aufrecht. Und sie fürchtet nicht nur materiellen Schaden. „Es ist tödlich, wenn sich die Leute noch erzählen, mir sei der Strom abgestellt worden, weil ich nicht bezahlen kann“, sagt sie, „das ist rufschädigend.“ Denn Anett von der Weppen hat in der Vergangenheit immer ihre Warmmiete bezahlt. Nur ist das Geld offensichtlich nicht bei der SVO (Stromversorgung Osthannover) angekommen. Man habe immer wieder bei der Summit Partners GmbH wegen des Bezahlens offener Rechnungen nachhaken müssen, erklärt SVO-Sprecher Ralf Horst auf Nachfrage der AZ. „Seit April“, sagt er, „werden die Strom- und Gasrechnungen gar nicht mehr bezahlt.“ Weil der Energieversorger keinen richtigen Zuständigen in Köln für die Lösung des Problems finden konnte, sei nur eine Konsequenz geblieben: „Am 4. August haben wir dann den Strom abgestellt und am 10. August das Gas“, so Horst.

Anett von der Weppen fordert nun Schadenersatz von der Hotel Residenz Bad Bevensen GmbH, die zur Summit Partners GmbH gehört. Als Antwort erhielt sie die Information, dass Mehrverbräuche in Höhe von 5250 Euro zustande gekommen seien – aber keinen Beleg dafür. Stattdessen soll von der Weppen nun eine höhere Warmmiete zahlen. Und: Grundsätzlich müssten alle Mieter fortan eine höhere Gesamtvorauszahlung leisten, damit die Versorgung wieder aufgenommen werden könne. 30 Prozent davon, so schreiben die Kölner, würde man sich bereit erklären zu übernehmen.

Dr. Udo Schulz, Geschäftsführer der Summit Partners GmbH, erklärt das so: Man habe den Mietern die Räume für kleines Geld zur Verfügung gestellt, um einen Leerstand zu vermeiden. Eine Klausel in den Verträgen sollte aber dafür sorgen, dass die Miete im Laufe der Zeit ein „marktübliches Niveau“ erreicht. Anett von der Weppen und die anderen Nutzer des Gebäudes sollten sich darüber einigen. Und auch wer welchen Anteil am aufgelaufenen Mehrverbrauch übernimmt, haben die Kölner Eigentümern den Nutzern jetzt überlassen. Denn der Verbrauch von Strom, Gas und Wasser wird für alle über einen gemeinsamen Zähler gemessen. Bislang aber habe man nichts mehr von den Parteien gehört, sagt Dr. Udo Schulz.

„Wir wollen keine Konfrontation“, betont der Summit-Chef, „aber wir wollen auch niemanden subventionieren.“ Denn dass die Mehrverbräuche durch die Nutzer vor Ort entstanden sind, daran gebe es keinen Zweifel. Gibt es keine Einigung, gibt es keine Versorgung: „Für uns“, so Schulz, „macht es nämlich keinen Unterschied, ob da das Licht geht oder nicht.“

Anett von der Weppen hat indes ihre Konsequenzen gezogen: Sie hat den Mietvertrag fristlos gekündigt und wird Anfang Oktober mit ihrer Kampfsportschule in die ehemalige Volksbank an der Röbbeler Straße einziehen.

Von Ines Bräutigam

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