Zeitreise mit Trauung

Lars und Martina Gierth gaben sich in historischem Rahmen vor Pastor van der Heyden das Ja-Wort.

Bad Bevensen. Das Rad der Geschichte wurde am Sonnabend in der Kurstadt um 140 Jahre ins Jahr 1871 zurückgedreht, als Kaiser Wilhelm I auf dem Weg in sein Jagdrevier Göhrde in Bevensen mit dem Zug ankam, um mit der Kutsche weiter zu fahren.

Roter Teppich vor dem Bevenser Bahnhof: Dem Kaiserpaar wurde am Sonnabendmittag ein gebührender Empfang bereitet. Fotos: Kiriczi

Das Ereignis „Der Kaiser kommt“ wurde zu einer lebendigen Geschichtsstunde und erinnerte daran, was sich dereinst zugetragen hat und wie die Menschen lebten. Es fand zum siebten Mal statt mit über 200 Militärs. Hochrangige Adelige und bürgerliche Herrschaften mit Verdiensten um den preußischen Staat und das junge Kaiserreich sowie der Kanzler Fürst Bismarck und der Geheimrat Abeken wirkten mit. Es gab sogar eine historische Trauung im Wilhelmspark. Hunderte Schaulustige verfolgten das historische Spektakel.

Beeindruckend waren der Aufmarsch des Visbeker Reitercorps, das Exerzieren der Militärs und die musikalische Begleitung durch den Eisfelder Musikzug am Morgen.

Roter Teppich vor dem Bevenser Bahnhof: Dem Kaiserpaar wurde am Sonnabendmittag ein gebührender Empfang bereitet. Fotos: Kiriczi

Begleitet vom Reitercorps fuhr in einer Kutsche König Georg V. in Begleitung des Großherzogs Friedrich Franz II vor, der nach dem Abschreiten der Front am Denkmal „Langensalza“ einen Kranz niederlegte. Langsam füllte sich der Platz am Bahnhof immer mehr. Hans-Jürgen Betzold alias Bürgermeister Kempe anno 1871 gab informative Einblicke in die Geschichte. Über den minutiösen Kaiser-Besuch (vom 25/30.11.1871) liegen Akten mit über 250 Seiten vor. Auszüge davon wurden verlesen: den Kaiser in Ehrfurcht zu begrüßen und dass der Wilhelmspark militärisches Sperrgebiet ist und jeder auf sein Vieh und Jungfrauen zu achten habe.

Viele hundert Besucher verbrachten unterhaltsame und auch informative Stunden beim Kaiser-Spektakel.

Zuggeräusche kündeten dann an: Der Kaiser kommt. Ein herrliches Schauspiel und Hunderte Kameras wurden für Erinnerungsfotos gezückt. Es war der Tag der Fotoapparate. Nach der Begrüßung des Kaiser- und Kronprinzenpaares führte der Weg zum Denkmal an der Kirche. Bei einer Kranznieder wurde an die Gefallenen der Kriege erinnert. Zurück im Wilhelmspark gab es jede Menge Kurzweil von Tanzvorführungen, erfrischendem Vortrag durch die Alt-Mark-Sänger bis zum Konzert des Eisfelder Musikzugs und einer Modenschau (Was trägt die Dame unter dem Kleid?).

Kaisertorte, Böllerschüsse waren zu hören, und die kirchliche Trauung von Lars und Martina Gierth durch Pastor Stephan van der Heyden war ein Hingucker. Die Darsteller freuten sich über die Gespräche, die sie mit den Zuschauern führen konnten. Ein kleiner Regenschauer konnte niemanden schocken. Es ging danach munter weiter. Bevor es hieß „Auf Wiedersehen, bis zum nächsten Jahr!“, spielte der Eisfelder Musikzug den Zapfenstreich.

Von Gudrun Kiriczi

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