Dr. Kirstin Püttmann wird neue Äbtissin in Medingen / Offizielle Einführung am 12. Oktober

Wissenschaftlerin zieht ins Kloster

Von der Leuphana Universität in die historischen Mauern des Medinger Klosters: Diesen Sprung wagt Dr. Kristin Püttmann nun Schritt für Schritt. Erst tritt sie dem Konvent bei und dann übernimmt sie als Äbtissin dessen Leitung. Fotos: Bautsch-Ludolfs / Privat

Medingen. Verabredung zum Tee bei Medingens Äbtissin Monika von Kleist. Wie gewohnt zugewandt, munter, strahlend lächelt heißt sie willkommen. Ihr Hund Lucy schleckt zur Begrüßung kurz über die Hände. „Meine Nachfolgerin ist auch da.

Sie werden gleich ihre Bekanntschaft machen“, freut sich die Äbtissin und weist zum kleinen Tisch vor der riesigen Bücherwand in ihrer Wohnung. Mit kräftigem Händedruck begrüßt Dr. Kristin Püttmann und signalisiert, dass sie interviewbereit ist. Sie ist 1956 in Bremen geboren, dort aufgewachsen. Hanseatisch also, das ist prägend. Als „bodenständig, nüchtern, weltoffen, gar aristrokratisch und ein bisschen steif“ werden die Bremer beschrieben.

Kristin Püttmann hat Kunstgeschichte, Anglistik und Archäologie in Münster und München studiert. Ihren Doktor machte sie zum Thema „Schlosskapellen des Barock im Raum Westfalen“. Die nächsten Jahre bestimmten Wissenschaft und Lehre. Über ihren Ehemann, von dem sie geschieden ist, kam sie nach Lüneburg. Dort wurde ihr Sohn Friedrich Clemens geboren. Für wissenschaftliche Projekte war sie weiterhin tätig und ist selbstständige Mitarbeiterin als Dozentin an der Leuphana in Lüneburg.

Jetzt kommt auf sie ein neuer Lebensabschnitt als Frau an der Spitze des Klosters Medingen zu. „In der ‘Zeit’ fiel mir ein Inserat auf. Gesucht wurde eine Äbtissin, die kommunikationsfreudig, nach innen und außen orientiert ist, ein christliches Fundament hat, Durchsetzungskraft, Kulturgeschichtliches Interesse und mehr. Das war für mich ein „magic moment“, so Püttmann. Das war im Januar. „Ich habe mich gleich mit meinem Sohn beraten, der im Friedensdienst im Kosovo ist.“ Der ermunterte seine Mutter, sich auf den Leitungsposten des Klosters zu bewerben. Dann nahm alles seinen Lauf. Bewerbungs- und Motivationsschreiben, Vorstellung, Probewohnen, vier Termine am Tag mit Konventualinnen und Äbtissin. „Wir hatten insgesamt zwölf Bewerbungen“, fügt Äbtissin von Kleist ein. „Vier kamen in die engere Wahl, zwei blieben übrig. Es ist ein bedeutendes Amt, nicht mehr auf Lebenszeit, sondern bis zum 70. Lebensjahr. Vor allem Leitungs- und Führungskompetenz sowie Management gehören heute dazu.“

Das Heidekloster Medingen ist autonom, der Konvent wählt unter Aufsicht des Präsidenten der Klosterkammer Hannover in seiner Funktion als Landeskommissar. Die Wahl fiel eindeutig auf Püttmann.

Zunächst wird sie Konventualin und erhält ihren Habit. Sie zieht in die Äbtissinnenwohnung. Die offizielle Einführung mit Klosterkammerpräsident Biallas und Landessuperintendent Rathing ist am 12. Oktober.

Püttman schätzt den Umgang mit Menschen, sieht in ihrem neuen Amt eine Herausforderung und Verantwortung im positiven Sinne. „Es ist spannend, ein Teil in einer Kette sein zu dürfen und mit Besonnenheit und Blick auf die Tradition das Kloster Medingen in die Zukunft zu begleiten“, macht Püttmann deutlich, die sich schon auf die Arbeit in ihrem Stück Klostergarten mit dem großen, alten Magnolienbaum in der Freizeit freut und dort manche Stunde mit Freunden und Kulturinteressierten, Bücherlesen oder Musik verbringen wird.

Aufs christliche Fundament angesprochen, antwortet sie knapp. „Ich bin durch und durch lutherisch – mein Glaube an Gott ist mein Halt.“ Auch die ganzheitliche Nachhaltigkeit, Respekt und Höflichkeit im Umgang miteinander, sind ihr wichtig. Die 29. Äbtissin des Kloster Medingen scheint eine vielseitig gebildete, aufmerksame, klare, ziel- und richtungsweisende Frau. Die noch amtierende Äbtissin Monika von Kleist freut sich darüber, eine kompetente Nachfolgerin zu haben. Monika von Kleist wirkt schon viel entspannter als sonst und humoriger, wird als eine von zwölf Konventsdamen im Kloster bleiben, „endlich Zeit haben, Freunde zu besuchen, mit Luzy ausgedehnte Spaziergänge machen und reisen“. Da scheint Nachholbedarf.

Von Ute Bautsch-Ludolfs

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