Kölner Eigentümer bereuen Kauf der ehemaligen Diabetes-Klinik / Keine konkrete Nutzung in Sicht

„Wir ignorieren das, so gut es geht“

+
Die ehemalige Diabetes-Klinik ist dem Verfall preisgegeben: Für die Investoren aus Köln war der Kauf des Objekts „ein Fehler“, wie sie heute sagen.

Bad Bevensen. Eingeschlagene Fenster, zugewachsene Wege, ein desolater Gesamtzustand – die ehemalige Diabetes-Klinik fristet ein klägliches Dasein am Bevenser Klaubusch. Und das seit nunmehr neun Jahren, nachdem die Fachklinik 2002 für immer ihre Tore schloss.

Und aller Voraussicht nach wird sich an dem jetzigen Zustand der Liegenschaft in nächster Zeit auch nicht viel ändern. Denn für die Eigentümer, die Kölner Summit Partners GmbH, ist das Objekt ein ungeliebter Klotz am Bein. „Wir hätten das niemals kaufen sollen“, gibt Summit-Geschäftsführer Dr. Udo Schulz zu. „Wir ignorieren das, so gut es geht. “.

Mehr zum Thema

Umweltgefahr an Diabetes-Klinik?

Zoff um die Nebenkosten

Nach mehr als vier Jahren des Leerstandes hatte die Kölner Unternehmensgruppe, die auf Projektentwicklung und -verwaltung spezialisiert ist, die einst angesehene Diabetes-Klinik gekauft. Nach zahlreichen erfolglosen Zwangsversteigerungsterminen erhielt sie im Sommer 2007 bei 700 000 Euro den Zuschlag. Schulz bereut den Kauf heute: „Wir hätten das Objekt nicht mit der Kneifzange anfassen sollen“, sagt er. Denn bald stellte sich heraus, dass zunächst in Aussicht gestellte Zuschüsse – unter anderem aus der Ziel-1-Förderung – nun doch nicht fließen würden.

Aus war der Traum der Kölner, am Standort Bevensen ein „gesundheitsorientiertes Konzept“ umzusetzen, wie Geschäftsführer Schulz damals ankündigte. Prävention und Regeneration sollten hier im Mittelpunkt stehen, Ärzte hätten Schulungen und andere Veranstaltungen durchführen sollen. Auch die Nutzung eines Gebäudeteils als Dauerresidenzen war angedacht. Rund fünf Millionen Euro sollten in den Umbau investiert werden, 60 bis 80 Arbeitsplätze und dauerhafte Zulieferbeziehungen mit regionalen Unternehmen wollten die Kölner schaffen. Bundesweit hat die Unternehmensgruppe mehrere Dutzend Projekte mit dem Schwerpunkt Gesundheit realisiert.

„Der Kauf in Bad Bevensen war ein Fehler“, sagt Dr. Udo Schulz im AZ-Gespräch, „allerdings nicht wegen des Objekts“, betont er. Denn das Grundstück am Steilhang der Ilmenau sei eine hervorragende Lage. Das Dilemma sei vielmehr folgendes: „Wir haben ein sehr schönes Grundstück“, so Schulz, „aber ein wertloses Objekt.“ Denn erst kürzlich habe die Summit Partners GmbH eine Objektbewertung durch das Finanzamt durchführen lassen – mit niederschmetterndem Ergebnis, wie der Summit-Chef sagt: „Der Objektwert ist null.“

Allein das Nachbargebäude, in dem sich (wie berichtet) wegen der Abrechnung von Nebenkosten ein Streit zwischen Eigentümern und Mietern entzündet hatte, ist noch von gewissem Wert. „Allerdings steht es auf einem Erbpachtgrundstück der Stadt“, so Schulz. Man habe also ein wertloses Objekt auf schönem Grundstück und ein gutes Objekt auf wertlosem Grundstück. Schulz: „Wäre es genau andersherum, wären wir glücklicher.“

Während das Nebengebäude noch teilweise genutzt wurde, war das große Klinikgebäude in den vergangenen vier Jahren sich selbst überlassen, war und ist dem Vandalismus preisgegeben. „Irgendwann“, kündigt Dr. Udo Schulz vage an, „werden wir damit was machen. Aber es hat bei uns keine Priorität.“

Von Ines Bräutigam

Kommentare