Antrag zum Besendern der Raubtiere wurde abgelehnt

Klaus Bullerjahns Apparatur: Wenn der Wolf in die Falle geht

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Bitte einmal das Maul öffnen! Reißzähne gesund, kein Karies... . Das Bild hat der Bad Bevenser Wolfsbeauftragte Klaus Bullerjahn von einem zurückliegenden Einsatz im Osnabrücker Zoo mitgebracht.

Bad Bevensen. Schnapp. Kaum ist der Wolf in die Falle getappt, angelockt von einem Brocken Fleisch, schnappt sie zu. Ein Mann nähert sich. Aus dem Blasrohr schwirrt ein kleiner roter Pfeil, der den Hinterlauf trifft.

Wenig später lässt sich das Raubtier widerstandslos von Klaus Bullerjahn in eine Schubkarre tragen. Die Fangaktion spielte sich Ende März nicht in der freien Wildbahn, ab, sondern im Osnabrücker Zoo, der seine Wölfe an eine Einrichtung in Dublin abgab. Sie diente aber als Übung für mögliche Einsätze im Dienst der Forschung.

 
Der Betäubungspfeil hat einen Wolf im Osnabrücker Zoo getroffen. Einen Moment später wirkt das Mittel bereits,...

Eine Falle für den Freilandeinsatz, ein drei Meter langes und 1,30 Meter hohes Stahlgestell mit verletzungssicherem Kunststoffnetz, hat der Wolfsberater Bullerjahn (53) aus Bad Bevensen konstruiert. Eine Lichtschranke, die sich nachts per SMS übers Handy scharfschalten lässt, löst den Mechanismus aus. Auf dem Rheinmetall-Schießplatz wurde das Verhalten der Raubtiere an der Falle – natürlich ohne Klappe – getestet, aber eingesetzt wird sie vorerst nicht. Der vom Institut für terrestrische und aquatische Wildtierforschung (ITAW) der Tierärztlichen Hochschule Hannover geplante Versuch wurde vom Niedersächsischen Umweltministerium nicht genehmigt.

... sodass Klaus Bullerjahn das Raubtier gefahrlos zum Transportbehälter tragen kann. Fotos: privat

Nachdem es im vorigen Jahr zu mehreren Nahbegegnungen mit Wölfen vom Truppenübungsplatz Munster gekommen war, hatte das Ministerium angekündigt, Wölfe mit Sender-Halsbändern auszustatten, um mehr über ihr Verhalten zu erfahren (AZ berichtete). Mehr als zwei erwischte man jedoch nicht. Außerdem fielen die Sender bald aus. Das ITAW wollte weitere Wölfe einfangen und ihnen Sender umhängen, um mehr über ihren Tagesablauf, die zurückgelegten Wege und die Nahrung der Wölfe zu erfahren. „Dieser Antrag des ITAW wurde abgelehnt, weil die gewählten Forschungsansätze nach eingehender Prüfung nicht geeignet erschienen, um weitere, tiefergehende Erkenntnisse zum Verhalten der Wölfe zu gewinnen“, erklärt Achim Stolz, Sprecher des NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz), auf AZ-Nachfrage. „Diese Entscheidung schließt künftige Genehmigungen nicht aus“, fügt er hinzu.

Die Wölfe auf dem Rheinmetall-Schießplatz zeigen Interesse an der von Klaus Bullerjahn konstruierten Falle, deren Fangmechanismus abgebaut ist. Ein vom Institut für Wildtierforschung beantragter Versuch zum Besendern von Wölfen wurde abgelehnt.

Klaus Bullerjahn wirft dem grün geführten Ministerium dagegen Untätigkeit vor, weil die angekündigten Besenderungen nicht fortgeführt wurden und das Institut nicht zum Zuge kam. „Man hat sich eine große Chance vergeben“, ist der ehemalige Vorsitzende der Kreisjägerschaft überzeugt. „In meinen Augen hat das Wolfsmanagement versagt.“ In Schweden seien dagegen zwischen 1998 und 2014 insgesamt 159 Wölfe mit Sendern ausgestattet worden. „Wir haben in Deutschland null Forschung zum Wolf“, kritisiert Bullerjahn. Die meisten Studien basierten auf fremden Forschungen. Seine Falle spielt in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle, denn um einen Wolf mittels Blasrohr zu betäuben, muss man dichter heran als dies in freier Wildbahn möglich ist. Das vom Land beauftragte Büro Lupus hatte nach Auskunft des NLWKN im vorigen Jahr Fußschlingen eingesetzt. Dafür habe es eine Ausnahmegenehmigung gemäß Paragraf 45 Absatz 7 des Bundesnaturschutzgesetzes gegeben. Bullerjahns Falle dagegen reduziert dagegen das Verletzungsrisiko.

Dunja Rose, Sprecherin des Niedersächsischen Umweltministeriums, teilt mit, dass mindestens ein Wolf pro Rudel mit einem Sender ausgestattet werden soll. „Die Vorbereitungen und Gespräche mit möglichen ausführenden Partnern dazu laufen. Das Projekt soll 2017 anlaufen.“

Von Gerhard Sternitzke

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