Das Untypische wagen

Die jungen Zillertaler wollen das Kurhaus zum Beben bringen. Fotos: Veranstalter

Bad Bevensen. Zunächst waren es nur die Veranstaltungen, zumeist Freiluft-Aktionen, in der Stadt, jetzt hat Stadtmanager Gerhard Kreutz auch die Regie über die Veranstaltungen im Bad Bevenser Kurhaus übernommen.

Und er lässt keinen Zweifel daran: Was das Jahresprogramm angeht, dürfen sich Besucher des Kurhauses – und zu denen zählt Kreutz vor allem auch Einheimische – auf allerhand Neues gefasst machen.

Zwischen 600 und 700 Veranstaltungen laufen jährlich im Bad Bevenser Kurhaus. Mal größere, mal kleinere. Vom Diavortrag über das offene Singen bis hin zu Musical-Shows bleiben kaum Wünsche offen. Doch hier und da haben sich im Laufe der Jahre manche Veranstaltungen abgenutzt, locken kaum noch mehr als zwei Handvoll Zuschauer und -hörer in die Säle. Gerhard Kreutz will das ändern. „Denn wir können im immer härter werdenden Wettbewerb nur bestehen, wenn Bad Bevensen weiter interessant bleibt“, sagt er. Und dazu gehören eben auch interessante Veranstaltungen.

Grandiose Stimmen unter freiem Himmel: Die 12 Tenöre werden in Bad Bevensen ein Open-Air-Konzert geben.

Vielen Bevensern, so weiß der Stadtmanager, sei das Kurhaus etwas fremd. Das sei ja nur etwas für Kurgäste, hört man da. „Aber auch die Einheimischen wollen abends mal ausgehen“, sagt Gerhard Kreutz, und deshalb will er künftig eine ansprechende Mischung aus beliebtem Altbewährten und frischem Neuen schaffen. „Das heißt nicht, dass es jetzt nur noch tolle Großveranstaltungen gibt“, stellt er klar, „es muss von jedem etwas dabei sein.“ Aber eben moderner und etwas scheinbar untypischer als in der Vergangenheit soll es sein. Erste Schritte in diese Richtung hat es bereits gegeben, mit dem Konzert des Londoner Ukulele-Orchesters oder Musical-Shows zum Beispiel. Diese Veranstaltungen, so Kreutz, waren echte Publikumsmagneten. Und die Auswertung der Besucherstatistik hat ergeben: An diesen Abenden waren viele Einheimische unter den Gästen.

Ein Schwerpunkt soll in Zukunft auf bestimmte Themen gelegt werden und auf „Stars“, deren Namen man kennt. „Wir müssen da etwas wagen“, findet Gerhard Kreutz, verspricht aber gleichzeitig, dass es auch in Zukunft ein Angebot für den „typischen Gast“ geben werde.

Neue Akzente hat der Stadtmanager schon in diesem Jahr gesetzt – wenngleich das Programm schon fix und fertig stand, als er am 1. April die Verantwortung für die Kurhaus-Veranstaltungen übernommen hatte. So werden „Die 12 Tenöre“ am 18. August ein Open-Air-Konzert in Bad Bevensen geben. Die Konzertmuschel am Kurhaus wird hierfür die stimmungsvolle Kulisse bilden – ein Ort, der für derlei Veranstaltungen schon fast in Vergessenheit geraten zu sein schien.

Am 17. Dezember werden dann „Die jungen Zillertaler“ im Kurhaus „Weihnachten aus dem Zillertal“ präsentieren. Wer an verstaubte Schunkelei denkt, dem sei gesagt: Es handelt sich bei der Gruppe um putzmuntere Mittdreißiger, die den Kurhaussaal mit Partykrachern und Ohrwürmern zum Glühen bringen werden. Eine gute Idee findet Kreutz die Buchung eines heimischen Betriebes: Der hat gleich mehrere Plätze für seine Weihnachtsfeier reservieren lassen. Denn statt zivilisierter Sitzreihen wird es zünftige Bierzelttische und -bänke in Blau-Weiß im Kurhaus geben.

Ihre Europa-Premiere geben – der Termin ist ganz außergewöhnlich für Bad Bevensen – am ersten Weihnachtsfeiertag die Stars „Musical Starnights“ aus London. Das Beste aus den beliebtesten Musicals ist dann in einer spektakulären Show zu erleben. Nicht zu vergessen die „Pasión de Buena Vista“, die bereits am 23. Juli heiße Rhythmen, exotische Schönheiten und traumhafte Melodien aus dem pulsierenden Nachtleben Kubas ins Bevenser Kurhaus zaubern wird. Die zehnköpfige Live-Band besteht aus alt eingesessenen kubanischen Unikaten, die in ihrer Heimat umschwärmte Sänger und Tänzer der Extraklasse sind und sich von einer einzigartigen Bühnenkulisse begleiten lassen.

„Ziel ist es“, kündigt Gerhard Kreutz an, „mindestens einmal im Monat eine Großveranstaltung anzubieten.“ Und diese soll flankiert werden von mehreren kleineren. Denn vor allem die großen Aufführungen sind es, die Besucher ins Kurhaus ziehen. „Und wenn die erstmal hier sind, werden sie auch auf die anderen Veranstaltungen aufmerksam“, ist der Stadtmanager überzeugt.

Von Ines Bräutigam

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