Trotz Beben weiter am Ball

William Shin aus Neuseeland (links) spielt beim MTV Barum.

Christchurch/Barum - Von Alexander Barklage. „Ich habe es am Samstagmorgen aus dem Internet erfahren und dann sofort zu Hause angerufen“, berichtet William Shin. Der 19-jährige Neuseeländer wohnt eigentlich in der vom Erdbeben betroffenen Stadt Christchurch auf der Südinsel Neuseelands. Shin lebt seit Juni in Varendorf und spielt für den Fußball-Bezirksligisten MTV Barum.

Shins Mutter Jenny (47) betreibt in Neuseelands zweitgrößter Stadt ein japanisches Restaurant, das mitten im Stadtzentrum liegt. Der erste Stock des zweigeschossigen Hauses ist in sich zusammen gefallen und auch das Wohnhaus der Familie ist stark beschädigt. „Meiner Familie ist zum Glück nichts passiert, und für die Schäden an den beiden Häusern kommt die Versicherung auf“, erklärt der gebürtige Koreaner, der im Alter von zwölf Jahren zusammen mit seiner Mutter und seinen Geschwistern (Jessica 22, Max 26) nach Neuseeland ausgewandert ist.

Trotz der frohen Kunde über die Unversehrtheit seiner Lieben ist Shin zwiegespalten: „Auf der einen Seite bin ich froh, dass ich zum Zeitpunkt des Bebens hier in Deutschland war, aber auf der anderen wäre jetzt gern bei meiner Familie, um ihr beizustehen.“ Die drei Shins wohnen zur Zeit noch bei Freunden, die außerhalb des Krisengebietes ihr Haus haben. Erst in den nächsten Tagen können sie in ihr Heim zurückkehren, und werden erst dann wissen, wie schwer es beschädigt worden ist.

William Shin wird weiterhin in Deutschland bei seinem Freund Nicolai Simon-Hallensleben wohnen, den er in Christchurch 2009 kennen gelernt hatte. Simon-Hallensleben war für ein Austauschjahr ans andere Ende der Welt geflogen.

Kein Land der Welt ist soweit entfernt von Deutschland wie Neuseeland. Ungefähr 18 000 Kilometer liegen zwischen Hamburg und Christchurch, der zweitgrößten Stadt Neuseelands. Aus dieser Stadt, auf der Südinsel Neuseelands gelegen, kommt William Shin. Der 19-Jährige ist seit Mitte Juli in Uelzen und spielt beim Fußball-Bezirksligisten MTV Barum.

Durch seinen Freund Nicolai Simon-Hallensleben entstand der Kontakt nach Deutschland. Simon-Hallensleben besuchte während eines Neuseeland-Aufenthaltes die gleiche Schule wie der in Korea geborene und aufgewachsene Shin. Beide spielten im Schulteam (Burnside Highschool) zusammen Fußball und waren sich auf Anhieb sympathisch.

Der Kontakt zwischen den beiden blieb immer bestehen, auch nachdem Simon-Hallensleben im Juli 2009 wieder nach Deutschland zurückkehrte. Der 19-jährige Shin beendete in diesem Jahr die Schule in Neuseeland und erzählte seinem Freund, dass er für ein Jahr nach Deutschland kommen wolle. Simon-Hallensleben lud den gebürtigen Koreaner gleich ein und offerierte ihm eine Unterkunft bei seinen Eltern in Varendorf. „Ich bin Nikolai und seinen Eltern sehr dankbar dafür, dass sie mich bei ihnen aufgenommen haben“, freut sich Shin.

Seit Mitte August ist er nun in Barum und besucht mit Simon-Hallensleben die 13. Klasse des Lessing-Gymnasiums. Außerdem spielen sie – wie schon in Christchurch – gemeinsam Fußball beim MTV Barum. Seit vergangener Woche hat Shin die offizielle Spielerlaubnis vom Verband und gab beim 2:1-Auswärtssieg in Soderstorf sein Debüt. „William ist einer super Kerl und passt perfekt in unser Team. Er ist technisch sehr gut ausgebildet, hat aber noch körperliche Defizite“, sagt sein Trainer Andreas Lindenau. Der Neuseeländer hat sich schnell ins das Mannschaftsgefüge integriert und ist vom Team sehr gut aufgenommen worden. „Wir versuchen ihm bei jedem Training immer wieder ein paar deutsche Wörter mehr beizubringen“, erklärt Lindenau.

„Alle Menschen, die ich bis jetzt in Deutschland kennen gelernt habe, sind sehr nett. Ich liebe es, Fußball zu spielen und bin froh, dass ich beim MTV Barum mitspielen darf“, strahlt Shin. Auch er hat immer noch den Traum, Fußballprofi zu werden. Die Erfolge der Nationalmannschaft (den All-Whites) haben Neuseeland auf die Fußball-Landkarte gebracht (Neuseeland schied bei der WM ungeschlagen mit drei Remis vor Italien aus). Doch vergleichbar sei der Fußball in Neuseeland mit dem deutschen bei weitem nicht: „Der deutsche Fußball ist auf einem viel höheren Level. Das fängt schon an bei den Umkleidekabinen, dem Vereinsheim und der Ausrüstung, die ist hier viel besser“, erklärt Shin. Und einen großen nicht zu verachtenden Unterschied gibt es laut Shin auch noch: „Die deutsche Bratwurst!“

Während seines einjährigen Aufenthaltes in Deutschland möchte der 19-Jährige soviel Eindrücke wie möglich sammeln. Natürlich will er auch mal ein Bundesliga-Spiel anschauen. Noch lieber allerdings möchet er das Oktoberfest in München besuchen.

Christchurch stark zerstört

Zwei Menschen sind bei einem heftigen Erdbeben in Teilen Neuseelands schwer verletzt worden. Die am stärksten betroffene Stadt Christchurch rief am Samstagmorgen den Notstand aus. Das Beben der Stärke 7,1 demolierte in der größten Stadt der Südinsel Gebäude, Brücken, Straßen und Autos. Einige Fälle von Plünderungen wurden bekannt. Auch der öffentliche Personennahverkehr und der Schienenverkehr waren gestört. In Christchurch fiel großflächig die Strom- und Wasserversorgung aus, wie örtliche Medien berichteten. Der internationale Flughafen der Stadt wurde evakuiert. Ein Mann, der die Erschütterungen dort erlebt hatte, berichtete: „Das ganze Terminal fing an zu schwanken.“ Nach Angaben der US-Geologiebehörde USGS lag das Epizentrum rund 30 Kilometer nordwestlich von Christchurch. Die Erschütterungen am Samstagmorgen um 4.35 Uhr örtlicher Zeit (18.35 MESZ) seien auf der ganzen Südinsel zu spüren gewesen.

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