Tödliche Therapie: Ärzte verurteilt

Herz-Operation im HGZ: Bei der Therapie unterliefen den Ärzten grobe Fehler, urteilte das Gericht.

Lüneburg/Bad Bevensen - Von Thomas Mitzlaff. Nach dem Tod eines Herzpatienten hat das Landgericht Lüneburg das Bad Bevenser Herz- und Gefäßzentrum (HGZ) sowie zwei seiner Ärzte zu einer Schadensersatz-Zahlung verurteilt. Die fehlerhafte medizinische Behandlung sei ursächlich für den Tod des Patienten gewesen, heißt es in dem Urteil des Landgerichts Lüneburg, das noch nicht rechtskräftig ist.

Der 59-jährige Patient war vor fünf Jahren in der Klinik am Herzen operiert worden. Er infizierte sich mit Keimen, wurde nach Ansicht des Gerichts unzureichend mit Antibiotika behandelt und starb an einer Blutvergiftung (Sepsis).

„Solche Fehler dürfen einem Arzt (...) nicht unterlaufen“, heißt es in dem Urteil. Geklagt hatte die Witwe des Verstorbenen. Für das Gericht stand nach der Beweisaufnahme fest, „dass die therapeutische Versorgung des Ehemanns mit Antibiotika durch die behandelnden Ärzte nicht dem medizinischen Standard entsprochen hat, was dessen Tod zur Folge hatte“. Die Klinik hatte erklärt, der Mann sei an einem Herzinfarkt gestorben.

Im HGZ werden stationär pro Jahr mehrere tausend Patienten versorgt, vergangenes Jahr waren es 5841. Die Klinik hat laut eigenem Internetauftritt den Anspruch, „eines der medizinischen Hochleistungszentren für Herz- und Gefäßmedizin in unserem Land“ zu sein. „Es handelt sich um einen tragischen Fall. Ob wir in Berufung gehen werden, ist wegen des Urlaubs des zuständigen Rechtsanwalts noch ungewiss“, sagte der Vorstandsvorsitzende des Herz- und Gefäßzentrums, Jacob Bijkerk, gestern der Deutschen Presseagentur dpa.

Der Rechtsanwalt Burkhard Kirchhoff der Witwe aus dem hessischen Weilburg wertete das Urteil als Grundsatzurteil und als einen „Meilenstein für Sepsis-Opfer“. Denn es werde die Sorgfalt der Kliniken bei der Behandlung septischer Patienten wegen der gestiegenen Haftungsrisiken erhöhen, so der Anwalt gegenüber der AZ: „Die Entscheidung des Landgerichts Lüneburg dient dem Wohle der Patienten, sie muss bundesweit Auswirkungen auf die klinische Praxis haben.“

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