Verein zur Förderung der bäuerlichen Veredlungswirtschaft zog Bilanz / Neue Züchtung

Stolperiger Start in dieses Jahr

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Zahlreiche Besucher kamen zur 50. Mitgliederversammlung des Vereins zur Förderung der bäuerlichen Veredlungswirtschaft.

Uelzen/Bad Bevensen. Brennende Hähnchenmastställe und Behinderungen beim Stallbau: Die derzeitigen gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen können vom Verein zur Förderung der bäuerlichen Veredlungswirtschaft (VzF) nicht ignoriert werden.

„Auch zu glauben, dass die Rahmenbedingungen für Wachstum die gleichen für die Zukunft sind wie sie es für die letzten 40 Jahre waren, der unterliegt mit Sicherheit einem Irrtum“, sagte Dr. Conrad Welp, Vorsitzender der Geschäftsführung der VzF GmbH Uelzen. Die VzF suche nach machbaren innovativen und marktfähigen Wegen. „Wir sind keine Aktivisten, sondern tragen Verantwortung für unsere Landwirte und deren Familien. Im Kurhaus in Bad Bevensen trafen sich die Mitglieder. Zu Gast: Landwirtschaftsminister Gert Lindemann.

Das letzte Jahr war sehr schwierig, zog Welp Bilanz: „Angefangen hatte es mit Dioxin, dann kam EHEC und der Wirbel um die Schlachtunternehmen.“ Alles habe sich nachhaltig auf das Einkommen der Landwirte ausgewirkt. „Die drei Wochen im Januar haben sogar so nachhaltig gewirkt, dass der Rest des Jahres nicht ausgereicht hat, um es zu kompensieren“, schildert der Vorsitzende der Geschäftsführung.

Preisgestaltung und Einnahmen sind längst nicht mehr vom Landwirt abhängig, sondern werden von Faktoren außerhalb des Marktes beeinflusst. „Die Abschlüsse der letzten Jahre reichen nicht aus, um die Täler auszugleichen“, sagt Welp. Unter anderem auch deswegen, weil die Futterkosten gleich geblieben sind.

Positiv hingegen: Die biologische Leistung der Mastschweine nimmt zu – es gibt weniger Verluste. Bei der Bullenmast ergibt sich sogar ein befriedigendes Jahr, trotz Schwankungen im Erlös. Der Rindermarkt ist positiv, gerade mit Blick auf Export in die Türkei.

„Wir haben eine neue Sau“, sagt der Vorsitzende der Geschäftsführung mit Blick auf die „db. Viktoria“. So nämlich heißt die Züchtung, mit deren Werbung die VzF den zweiten Platz beim deutschen Argrar-Media-Preis gewonnen hat. Ziel der Züchtung ist es, ein deutsches Schweinezuchtprogramm für deutsche Bauern und Verbraucher zu entwickeln. „Am Ende siegt die Ausgewogenheit“, sagt Welp. Es zählt das Verhalten des Tieres, die Milchleistung sowie die Ferkelzeugung und Mast. Besamungsstationen gibt es in Rätzlingen, Oldenstadt und Suderburg.

Und auch auf weitere Aspekte legt der Vorsitzende der Geschäftsführung Wert: Der VzF ist an dem Tierwohllabel mit dem Deutschen Tierschutzbund und der VION beteiligt und gemeinsam mit dem Bauernverband Nordostniedersachsen und der VION wird das Projekt „Landwirtschaft entdecken und entwickeln“ in die Schulen getragen. In einem Praxisversuch werden Lösungen von der Praxis für die Praxis bei dem Verzicht auf das Schwanzkupieren gesucht. Niedersachsens Landwirtschaftsminister Gerd Lindemann führte in seiner Rede aus, dass sich der Verbraucher betroffen fühle und glaubt, die Situation der Tierhaltung beurteilen zu können. „Für zukünftigen Absatz ist aber die Akzeptanz der Verbraucher eine wesentliche Voraussetzung. Deshalb sind transparente Produktionsprozesse und der offene Dialog notwendig“, so der Landwirtschaftsminister.

Die VzF GmbH ehrte an diesem Tag auch langjährige Mitarbeiter: 25 Jahre arbeiten Hermann True, Willi Rottler, Konrad Eßer und Dr. Conrad Welp für den VzF. Henning Meyer ist seit 20 Jahren Mitarbeiter des VzF.

Von Jörn Nolting

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