Gerd Jahnke und seine Hunde gewinnen

Schäferstunden: Niedersächsische Hüte-Meisterschaft in Klein Bünstorf

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Schäfer-Idylle mit Hund, Hütestab und Heide: Bei Klein Bünstorf wurde ein Einblick in den Alltag dieses Berufs gewährt.

Klein Bünstorf. „Weit raus – Furche!“ ruft Schäfermeister Gerd Jahnke ruhig aber bestimmt seinem Haupthund Fax zu, und der achtjährige Deutsche Schäferhundrüde aus der Glockenbergsschäferei spult sofort seine alltägliche Routine ab:

Hochkonzentriert und aufmerksam sichert er zuverlässig die Flanke des sogenannten „engen Gehüts“, damit die hier dicht beieinander stehenden Schafe, Schnucken und Ziegen ganz in Ruhe grasen können, ohne über die natürliche Begrenzung hinaus zu fressen – solche „Nascher“ müsste Fax sofort mit einem gezielten, aber letztlich unschädlichen Keulen-, Nacken- oder Rippengriff bestrafen.

Schäfer Gerd Jahnke ist mit Fax und Lotte Landesmeister im Schafehüten geworden.

Doch das enge Gehüt ist nur eine der Aufgaben, die die besten Berufsschäfer Niedersachsens an diesem sonnigen Sonnabendvormittag in der Klein Bünstorfer Heide bewältigen mussten, um sich für die nationalen Meisterschaften der Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände (VDL) zu qualifizieren. Für die Teilnehmer galt es, mit den eigenen Hunden aber einer fremden, rund 300-köpfigen Herde unter den strengen Augen der Herdengebrauchshunderichter Klaus Wuttge und Dieter Petzold einen Parcours zu absolvieren, der den typischen Hütealltag eines Schäfers in komprimierter Form darstellt.

Beim Ein- und Auspferchen, dem Treiben und Hüten auf der Weide, dem Gang über eine Brücke oder dem Ausweichen eines Verkehrshindernisses wird der Haupt- beziehungsweise Halbenhund und auch der meist jüngere und unerfahrenere Beihund unter den Kriterien Temperament, Hütetrieb, Gehorsam, Selbstständigkeit und Wesen beurteilt.

„Das Wichtigste ist das intensive und vertrauensvolle Zusammenspiel von Mensch und Tier“, erklärt Jochen Rehse, Vorsitzender des Landesschafzuchtverbandes Niedersachsen, der das Veranstaltungsgelände nach dem Starkregen der letzten Woche kurzfristig verlegen musste: „Meine eigene Wiese stand 20 Zentimeter unter Wasser – das wollte ich nun wirklich niemandem zumuten.“

„Zufrieden? Wenn ich zufrieden bin, werde ich doch nur faul“, bilanziert der 53-jährige Gerd Jahnke aus Eimke seine rund 45-minütige Hüterunde mit Fax und Lotte, bei der ihm „viel zu viele kleine Sachen nicht gefallen“ haben. Den Preisrichtern aber hat es gereicht: Mit 93 Punkten wird Jahnke niedersächsischer Meister und löst sein Ticket zum Bundesleistungshüten am 12. und 13. September im hessischen Hüttenberg. Auf den Plätzen folgen Michael Kaufmann mit Rudi und Aronja (83), Mathias Koch mit Anni (80), Simone Müller mit Hummel und Emma (79) und Verena Jahnke mit Karlos und Hexe (73).

Von Marcus Kieppe

Die Hüte-Meisterschaft 2015 in Klein Bünstorf

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