Groß Hesebecker Hof bangt um Existenz: Land wird durch Trasse zerschnitten

Im Schatten der A 39

Jürgen Hyfing ist besorgt: 20 bis 40 Meter von seinem Garten entfernt, soll die Trasse verlaufen. Ein Mast markiert die Höhe des Damms. Foto: Wendlandt

Groß Hesebeck. „Alle waren sie hier, aber sobald die wieder im Auto sitzen, haben sie vergessen, was sie gesehen haben“, sagt Monika Hyfing und meint damit politische Besucher, die in den vergangenen Monaten zu Gast waren. Die Groß Hesebeckerin ringt um ihre Fassung.

Mehr als 60 Prozent ihres Landes würden die Landwirte durch den Bau der A 39 verlieren. Die Trasse schlängelt sich auf einem meterhohen Damm etwa 20 bis 40 Meter von ihrem Garten entfernt durch das Land.

Seit 1588 ist der Hof im Familienbesitz – so weit reichen zumindest die Aufzeichnungen zurück, die Monika Hyfing vorliegen. 1836 wurde der Hof schon einmal umgesiedelt – ein Schicksal, das die Familie ein zweites Mal vermeiden möchte. Ein Politiker habe ihr bereits geraten, sie solle einen Ersatzhof beantragen. „Aber wir leben doch hier“, sagt die 69-Jährige und kämpft mit den Tränen. Rund 100 Hektar gehört den Landwirten, auf 57 davon werden Kartoffeln, Zuckerrüben und Mais angebaut. „Unser Land wird durch die Trasse zerschnitten“, bestätigt auch Monikas Ehemann Heinrich Hyfing (71). „Die Autobahn bedroht unsere Existenz.“

Natürlich würden für die Landwirte Ausweichflächen bereitgestellt. „Wie weit die von unserem Hof entfernt sein werden, wissen wir aber nicht“, gibt Jürgen Hyfing, der den Betrieb von seinen Eltern übernommen hat, zu bedenken. Grundsätzlich sieht der Familienbetrieb der auf den Trassenbau folgenden Flurbereinigung skeptisch entgegen. „Sie sollten nicht denken, die machen die Flurbereinigung und dann wird alles gut“, sagt Monika Hyfing. „ich habe das schon in den 70er Jahren beim Bau des Elbe-Seiten-Kanals mitgemacht.“ Flächen müssten neu verteilt und Bauvorgaben erfüllt werden. Während der Bauphase rechnen die Hyfings mit Ernteausfällen, da sie nur einen Teil ihrer Fläche bewirtschaften können. Auch die Beregnung der Felder müsse neu organisiert werden – allein zwei Beregnungsbrunnen der Hyfings liegen direkt auf der Trasse. Zudem würden Wirtschaftswege versetzt. „Wir wissen noch nicht, was alles auf uns zukommen wird“, sagt Jürgen Hyfing. Nur dass sich einiges ändern wird, da ist sich die Familie sicher. Besonders an die Nieren geht der Familie neben ihrem eigenen wirtschaftlichen Schaden, der erhöhten Geräuschkulisse, die sie auf Terrasse und im Schlafzimmer erwarten, und die erhöhte Feinstaubbelastung, aber etwas anderes: Die Orte Groß Hesebeck und Röbbel werden durch die Trasse zerschnitten. Monika Hyfing: „Röbbel und Groß Hesebeck, die sind wie eine Familie.“

In der kommenden Woche können noch Einwendungen bezüglich des ersten Planungsabschnittes der A 39 bei der Planungsbehörde eingereicht werden (die AZ berichtet). Ob die Hyfings diesen Termin bereits wahrnehmen werden, wissen sie heute noch nicht. „Immerhin sind wir ja erst im dritten Abschnitt betroffen, also eigentlich noch nicht an der Reihe“, sagt Jürgen Hyfing. „Aber, wenn wir jetzt nichts sagen, vielleicht haben wir dann gar keine Einflussmöglichkeiten mehr.“

Von Wiebke Brütt

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