Jochen Rehse: Ein Drittel der Halter hört nach einem Wolfsangriff auf / Weidetiere erhalten Lebensraum für Pflanzen und Tiere

Mit den Schafen verschwindet ein Stück Vielfalt

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Ein Drittel der Schafhalter gibt nach einem Wolfsübergriff die Tierhaltung auf.

stk Hohnstorf/Bad Bevensen. Der Schuldige ist schnell gefunden, wenn Schafe gerissen werden.

Ob auf der Weide des Landtagsabgeordneten Heiner Scholing in Hohnstorf oder zuvor bei Niendorf – schnell heißt es: „Auch als Hobbyhalter muss man seine Schafe schützen, wenn Wölfe in der Region leben“, so ein Facebook-Kommentar auf den AZ-Bericht. Beide Halter hatten keinen wolfssicheren Zaun, werden deshalb auch keine Entschädigung erhalten. Selbst schuld? Jochen Rehse aus Klein Bünstorf, Vorsitzender des Landesschafhalterverbands macht eine andere Rechnung auf: Mit den Schafhaltern verschwindet ein Stück Vielfalt.

„Eine Umfrage bei den Schafhaltern hat ergeben, dass ein Drittel nach einem Wolfsübergriff die Tierhaltung aufgibt“, rechnet Rehse vor. „Was geschieht dann mit den Flächen? Einige werden eventuell gemäht, viele Gräser und Kräuter können das häufige Mähen aber nicht vertragen und verschwinden.“ Mit der Artenvielfalt würden auch viele Insekten verschwinden. Auf den entstehenden Brachen breite sich anschließend das für Mensch und Tier giftige Jakobskreuzkraut aus.

Immer wieder, so Rehse, werde auf die Förderung für wolfssichere Zäune hingewiesen. Hierfür gebe es 80 Prozent der Sachkosten. Zusatzarbeiten und Kosten wie zum Beispiel die Unterhaltung der Festzäune, Futter für Herdenschutzhunde oder der zusätzliche Aufbau von Elektrozäunen und zusätzliche Kontrollen der Tiere würden nicht angerechnet.

Hobbyhalter bekämen gar keine Förderung, obwohl sie gerade unter den Schafzüchtern häufig seien. „Diese halten vom Aussterben betroffene Rassen und leisten somit einen sehr wertvollen Beitrag für die Biodiversität“, gibt Rehse zu bedenken. Häufig würden sie auf kleinen Flächen gehalten, die zum Teil von Maschinen nur schwer zu bearbeiten seien. „Hier entsteht durch Beweidung eine Artenvielfalt von Flora und Fauna.“

Seit Jahren versuchten die Tierzuchtverbände in Gesprächen mit dem Niedersächsischen Umweltministerium, eine für die Tierhalter machbare Lösung zu finden, betont Schafhalter-Vorsitzender Rehse: „Wenn von den Tierhaltern erwartet wird, dass der Wolf in unserer Region wieder zum Alltag gehört, wie Herr Scholing sagt, dann wird es allerhöchste Zeit, dass die Politik – zurzeit sind die Grünen verantwortlich – handelt und nicht nur verzögert.“

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