Bevenser Rat will heute gemeinsame Resolution kippen

Samtgemeindemitglieder zur Y-Trasse: Die Kurstadt schert aus

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Die Alpha-E-Variante soll kommen. Der Stadtrat von Bad Bevensen will sich heute gegen das dritte Gleis aussprechen und eine gemeinsame Resolution der Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf und ihrer Mitgliedsgemeinden kippen.

Bad Bevensen. Vor knapp eineinhalb Jahren verabschiedete der Stadtrat Bad Bevensens mit 14 zu sieben Stimmen eine gemeinsame Resolution der Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf und seiner Mitgliedsgemeinden zur Y-Trasse.

In dieser forderte der Rat die Prüfung der Breimeier-Variante, und falls diese nicht gebaut wird, den Ausbau der Bestandsstrecke Uelzen-Lüneburg. Heute um 18 Uhr soll die Resolution vom Stadtrat bei seiner Sitzung in der Mensa der Kooperativen Gesamtschule in Bad Bevensen wieder gekippt werden. Der Grund: Bereits am 14. April hatte sich der Verwaltungsausschuss der Stadt Bad Bevensen auf Antrag der SPD und der Grünen/WBB-Gruppe im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung am Bundesverkehrswegeplan gegen das dritte Gleis und die nun favorisierte Alpha-E-Variante ausgesprochen (AZ berichtete). Nun soll die Position festgezurrt werden, indem auch der Rat der Stadt Bad Bevensen sein Votum abgibt.

„Es ist hervorragend, dass es jetzt abgesetzt wird. Aber es kommt eineinhalb Jahre zu spät. Der Zug ist abgefahren“, sagt Brigitte-Susanne Hendel-Andabaka, Fraktionsvorsitzende der Bürger für Bevensen (BfB). Der Stadtrat habe es verpasst, schon früher Stellung zu beziehen. Und sie sieht noch ein weiteres Problem: „Was nutzt es, wenn die Stadt Nein sagt, aber die Samtgemeinde weiterhin Ja?“ Solange sich die Haltung auf Samtgemeindeebene nicht auch ändere, stehe man alleine da.

Ähnlich sieht es auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Jürgen Schliekau. „Im Nachhinein betrachtet, hätte man sicherlich schon früher gegen ein drittes Gleis Position beziehen müssen.“ Als die Resolution auf den Weg gebracht worden sei, hätte die Furcht geherrscht, dass die Kurstadt kein IC-Halt mehr sein könnte, weil als Varianten Schnellstrecken geplant worden seien. Dies wäre für die Kurstadt eine Katastrophe gewesen. Der jetzt geplante Bau des dritten Gleises mit Nachtbaustellen werde sich negativ auf die Kurstadt auswirken. „Die Gäste werden ausbleiben und der Kurstadtstatus gerät durch den Lärm in Gefahr“, meint Schliekau. Wenn das Gleis nicht mehr durch eine Strecke entlang der A7 verhindert werden könne, müsse die Bahn zumindest dafür sorgen, dass ihre Güterzüge mit modernen Bremsen ausgestattet werden. „Von einem ICE hört man nur den Fahrtwind, vom Güterzug jedes Rattern und Klackern der Unwuchten im Reifen“, so Schliekau.

„In der Sache ,Kein drittes Gleis‘ ziehen wir alle an einem Strang“, sagt Gabriele Meyer, Sprecherin der Grünen/WBB-Gruppe. Über Fraktionsgrenzen hinweg sei man sich einig, kein drittes oder vielleicht viertes Gleis haben zu wollen. Das sich der Ausbau der Bestandsstrecken so auf Bad Bevensen auswirken würde, sei vor eineinhalb Jahren noch nicht abzusehen gewesen. Grundsätzlich müssten zudem Transporte zukünftig eher vermieden werden. Außerdem sollten die Verkehrsprognosen noch einmal überprüft werden, fordert sie. „Es war schlecht, dass das Stadtgebiet im Dialogforum nicht vertreten war“, sagt Meyer. So seien dessen Interessen nicht optimal vertreten gewesen.

Von Lars Lohmann

Kommentar: Auf den Zug aufgesprungen

Lars Lohmann

Die Einwohner der Kurstadt machen sich zu recht Sorgen, was passiert, wenn es zum Bau des dritten Gleises kommt. Die Bevenser Stadtpolitik nimmt die Sorgen auf und springt auf den Zug der Alpha-E-Gegner auf. Das Teilen der Politik aber erst eineinhalb Jahre nach Verabschiedung der Resolution auffällt, welche Konsequenzen ein Ausbau der Bestandsstrecke für die Kurstadt haben könnte, ist scheinheilig. Jedem, der den Vorschlag des Ausbaus der Bestandsstrecken betrachtet hat, muss klar gewesen sein, dass dies auch ein drittes Gleis für Bevensen bedeutet. Bald sind Wahlen. Ein Schelm, wer Böses denkt...

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