AZ-Redakteurin Wiebke Brütt testete in Bad Bevensen ein eBike: Volle Fahrt, entspanntes Treten

Rückenwind garantiert

Auf der Überholspur durch die Kurstadt: Geschwindigkeit nimmt AZ-Redakteurin Wiebke Brütt mit Hilfe des Akkus auf dem Gepäckträger aus. Fotos: Ph. Schulze

Bad Bevensen. Es klingt ganz ähnlich wie ein Haartrockner – ein bisschen leiser, so viel ist sicher. Und wie er hat es mehrere Intensitätsstufen – sechs Stück an der Zahl. Als Rentnerspielzeug belächelt, drängen eBikes in den Touristik-Sektor.

Denn mit den motorisierten Zweirädern können trainierte Fahrer wie Freizeitradler jedes Alters bis zu 100 Kilometer am Tag zurücklegen – so lange hält der Akku und dank der Motorunterstützung auch die Kondition jedes Fahrers. Das Bad Bevenser Kurhaus kann sich inzwischen mit der größten eBike-Station der Lüneburger Heide schmücken. Grund genug, die motorisierten Flitzer der Kurstadt einmal zu testen.

Einfach zu bedienen: Per Knopfdruck wird die Stärke der elektronischen Unterstützung gesteuert.

Für Einsteiger empfiehlt der Experte Stufe drei – zumindest für die erste Runde. Und schon diese Unterstützungsvariante hat es in sich. Bereits bei der ersten Umdrehung der Pedale schaltet der Akku, der auf dem Gepäckträger sitzt, den Turbo ein. Obwohl man sich vielleicht nur die Pedale zurecht legen wollte, um danach mit dem richtigen Tritt ordentlich an Tempo zu gewinnen. Stattdessen macht das eBike einen ordentlichen Satz – und der Neu-eBikerin entfährt ein überraschtes: „Huch“, während sie drei Meter vorwärts düsst. Kraftvolles Strampeln ist beim eBike nicht gefragt, alleine das Drehen der Pedale reicht, um an Fahrt zu gewinnen – kann gefallen... Je nachdem, welchen Zweck der Radler verfolgt. Für Sportler ist es sicher nur bedingt interessant – denn von einer Herausforderung an die Fitness kann hier auf meinem gut gepolsterten Sattel nicht die Rede sein. Und so recht mag sich das klassische Fahrradfahr-Gefühl nicht einstellen. Zwar weht die frische Luft um die Nase, der Spaß an der Bewegung an sich lässt aber noch auf sich warten, vielleicht, weil Radfahren – besonders zwischen Wald und Wiese – , warme Muskeln und ein bisschen Schweiß eigentlich zusammen gehören.... Wobei, bei genauerem Überlegen: Spätestens beim ersten steilen Berg hat sich sicher jeder schon eine ordentliche Portion Rückenwind gewünscht... Ein Ansatz, bei dem man bei Joachim Keppler direkt ins Schwarze trifft – was in der Natur der Sache liegt, denn der Winsener vermarktet das Lüneburger-Heide-eBike an der Verleihstation im Kurhaus. Seine Argumente überzeugen: Das eBike sei gesund und zudem noch bequem. „Kardiologisch kommen die Fahrer nicht in den anaeroben Bereich, weil die Belastung dank der Akku-Unterstützung nicht so groß ist. Wegen des runden Tritts ist das Fahren zudem gelenkschonend“, weißt er auf Vorteile des motorisierten Nachfahres des Drahtesels hin, die auch jungen Menschen nicht egal sein sollten. Und auch die Tatsache, dass man eben trotz Fahrradfahrt zur Arbeit nicht durchgeschwitzt im Büro ankommt, hört sich vorteilhaft an. Keppler: „Wer quält sich schon gerne? Ich denke, den eBikes gehört die Zukunft.“

Die lila Heide-Bikes sind Spezial-Anfertigungen für die Region.

Bequem sind sie und vor allem bei längeren Touren könnten sie sicher so manche steile Strecke verkürzen. Doch gerade die Leichtigkeit des Tritts kann auch Gefahren bergen – wenn sich der Radler überschätzt oder ein Autofahrer ihn unterschätzt. „Autofahrer denken vielleicht, dass sie noch schnell vor dem vermeidlich langsamen Radfahrer abbiegen können – der kommt dann mit seinem eBike aber schneller, als angenommen“, skizziert Keppler nur ein mögliches Szenario. Aber auch für den Menschen hinter der Radgabel ist die neue Sauserei mit einer Umgewöhnung verbunden. Wer Kurven fährt, muss sich bewusst sein: Jeder Pedalrunde motiviert den Elektromotor, wieder ein bisschen Stoff zu geben. Zum Regulieren der Geschwindigkeit gibt es jedoch mehrere Möglichkeiten, die ich intuitiv nutzte: Vorder- und Rücktrittbremse oder eben per Knopfdruck die Motorunterstützung herabsenken. Auch ganz Ausstellen des künstlichen Rückenwindes ist möglich. So fährt es sich sicher und komfortabel – Runde um Runde um Runde. Und solange die Mitfahrer auch auf einem eBike-Sattel sitzen, haben bei einer Tour durch den Kreis sicher alle Beteiligten ihren Spaß. Nur nach spätestens 100 Kilometern müssen die Zweiräder dann wieder an die Steckdose...

Von Wiebke Brütt

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