KGS Bad Bevensen setzt mit Partner Projekt „JOBwärts“ für Hauptschüler um

Der Praxis-Kick für die Ausbildung

Die KGS Bad Bevensen will mit dem Projekt "JOBwärts" die Schüler näher an das Berufsleben bringen.

Uelzen/Bad Bevensen. Nicht nur, dass „Bitte“ und „Danke“ die wichtigsten Begriffe im Einzelhandel sind, sondern dass die Vorbereitung viel mehr ist, als nur die Schulbank zu drücken,

das erfahren derzeit 75 Schüler des neunten Jahrgangs von der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Bad Bevensen und der äquivalente Jahrgang der Bevenser Förderschule, der Dohrmannschule. Sie nämlich nehmen an einem halbjährigen Projekt teil, das die KGS mit der Deutschen Angestellten Akademie (DAA) und dem Landkreis Uelzen sowie dem Rotary Club Uelzen auf die Beine gestellt hat und den Namen „JOBwärts“ trägt.

Entwickelt wurde das Konzept an der KGS Schneverdingen, die Bevenser haben es nun für sich modifiziert und lassen gemeinsam mit ihren Kooperationspartnern einen Versuchsballon steigen. „Die Schüler können sich in neun Gewerken ausprobieren“, erklärt KGS-Schulleiterin Christel Auer. Das Hotelgewerbe, Wirtschaft, Metallbau, Einzelhandel oder Trockenbau und Pflege sind unter anderem dabei. Die Schüler fahren einmal wöchentlich mit dem Zug nach Uelzen, von ihren Lehrern begleitet, und tauchen dort in eine Art Ausbildungssalltag ein. „Dazu gehört auch“, so Auer, „dass sie zum Beispiel Tagesberichte schreiben, wie im ersten Lehrjahr üblich.“

Seit Anfang September läuft „JOBwärts“ und hat bereits erste Spuren hinterlassen: „Es herrscht bei der DAA eine tolle Atmosphäre und eine große Wertschätzung“, schwärmt Christel Auer. Außerdem hat die Schulleiterin bei ihren Schülern längst festgestellt, dass das Eingebundensein in einen Arbeitsalltag das Selbstbewusstsein stärkt und (Sozial-)Kompetenzen vermittelt. „Das sind neue Lernchancen, und die sind optimal.“ Denn viele Hauptschüler, weiß Auer, hätten ein geringes Selbstwertgefühl, sehen für sich selbst keine Perspektiven. „Aber das stimmt einfach nicht“, stellt die Rektorin fest – und „JOBwärts“ vermittele genau dies.

Es gehe nicht darum, jemanden für den Beruf des Metallbauers oder einer Pflegekraft zu begeistern. Vielmehr sollen die jungen Leute einen gefestigten Berufswunsch entwickeln, einen Motivationsschub auf dem Weg zum Schulabschluss erfahren und einen möglichst nahtlosen Wechsel von der Schule in die Ausbildung erleben. Außerdem sollen sie lernen, nach Anweisung zu arbeiten, auch mal Kritik auszuhalten. „Es ist nicht der watteweiche Schulalltag“, so Auer, „das macht die Schüler ausbildungsfähiger.“

Die Neuntklässler der KGS und die Schüler der Dohrmannschule wählen das Gewerk, in dem sie das halbe Jahr verbringen möchten, selber. Sechs Stunden pro Woche verbringen sie in der DAA, erhalten für ihr Tun eine Note im Fach Wirtschaft und im Wahlpflichtbereich und erleben obendrein noch Inklusion im Arbeitsleben, denn auch Schüler mit Behinderungen sind dabei. „Und die sehen Sie überhaupt nicht“, freut sich Christel Auer über das gelungene Konzept.

Zu ersten Erfolgen gehöre für die Schulleiterin, „dass Schüler, die ihre Sachen sonst nie am Mann haben, viel sortierter geworden sind“, oder auch dass sie auf die Frage nach den wichtigsten Begriffen im Einzelhandel wie aus der Pistole geschossen „Bitte“ und „Danke“ antworten.

Das Projekt „JOBwärts“ kostet für das halbe Jahr gut 42 000 Euro. Die Bundesagentur für Arbeit übernimmt die Hälfte der Kosten, einen weiteren Großteil finanziert der Landkreis Uelzen und den Rest übernimmt der Rotary Club. Letzterer führt auch „echte“ Bewerbungsgespräche mit den Schülern, schätzt Christel Auer die Realitätsnähe des Konzeptes.

Für die Bevenser Pädagogin liegt die Sinnhaftigkeit einer solchen Initiative ganz klar auf der Hand: „Es wird nicht Geld in missratene Lebensläufe gesteckt, sondern in die Prävention“, bringt sie es auf den Punkt. „Das bringt einfach tolle junge Leute“, schwärmt sie – und würde „JOBwärts“ am liebsten länger als ein halbes Jahr behalten: „Das möchten wir immer!“

Von Ines Bräutigam

Kommentare