Junge-Pianisten-Reihe startete in sechsten Jahrgang mit gemischtem Doppel

Präzise und mit Transparenz

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Bad Bevensen-Medingen. Zwei Preisträgern fiel der Auftakt zur diesjährigen Reihe im Kloster zu, in der sich junge Pianisten ihrem Publikum vorstellen.

Mit der vor vier Tagen gerade 17 Jahre alt gewordenen Elisabeth Brauß aus Hannover und mit dem Wriedeler Nima Mirkhoshhal spielten zwei durch die Internationale Sommerakademie der Lüneburger Heide geförderte und ausgezeichnete Instrumentalisten.

Elisabeth Brauß interpretierte Johann Sebastian Bach (Präludium und Fuge fis-moll), Wolfgang Amadeus Mozart (Sonate C-Dur KV 279) und Robert Schumann (Faschingsschwank op.26.) Die sympathische Künstlerin, die bereits bei der Sommerakademie vor zwei Jahren auffiel, tat das mit einem großen Differenzierungsvermögen.

Ein dem Titel angemessenes „wohltemperiertes Klavier“ waren da die Bachnoten, flüssig und durchsichtig. Die Mozartpartitur erklang in kluger Konzentration, fingerflink, makellos, mit einer unglaublichen Beschwingtheit. Nach dieser Tändelei folgte ein energischer Schumann. Mit traumhaftem Anschlag blieb hierbei auch das Piano kraftvoll.

Nima Mirkhoshhal begann mit „Three Preludes“ von George Gershwin. Die Zuhörer erlebten den jungen Mann in beeindruckender Lockerheit und mit einem im letzten Jahr erfolgten Qualitätssprung an Musikalität. Offenbar liegt ihm das Expressive, das Synkopische – er wäre bestimmt ein sehr guter Jazzpianist!

Danach Ludwig van Beethovens Sonate f-moll op. 2,1. Die Hürde dieses leidenschaftlichen Stücks voller dramatischer Spannung und seliger Ruhe in der Tonart der größeren Schwester, der Appassionata, erwies sich vor allem im Adagio-Satz als zu hoch für den 14-Jährigen. Der Spieler beherrscht – der darauf folgende Frédéric Chopin bewies es zusätzlich – die unwiderstehliche Euphorie. Er hat ganz erfreulich an seinen Phrasierungen und seinem Ausdruck gearbeitet.

Er ließ sich bei Chopins Scherzo op.31 b-moll auch nicht mehr von dessen Monumentalität und Furor zu unangemessenem Donner verleiten. Seine Klippe ist die inspirierte Umsetzung einer spannend bleibenden Langsamkeit.

Nach zwei Stunden Doppelkonzert erhielten jedoch beide Solisten den verdienten Applaus im übervoll besetzten Festsaal. Und sowohl Elisabeth Brauß wie auch Nima Mirkhoshhal spielten als Zugabe eine Chopin-Etüde.

Von Barbara Kaiser

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