Pfleger zeichnet Portraits von Senioren / Verkaufserlös fließt in Mehrgenerationenspielplatz

Gesichter des Alters

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Bilder, die Geschichten erzählen: Holger Kulinna (links) zeichnete alte Menschen in Situationen, in denen sie Freude empfanden. Der Erlös aus dem so entstandenen Kalender fließt in die Aktion „Mehrgenerationenspielplatz“, die von Kerstin und Henning Effe sowie dem Bad Bevenser Lions-Club unterstützt wird.

Bad Bevensen. „Alter bedeutet nicht automatisch Monotonie, sondern man kann weiter mitten im Leben stehen“, sagt Holger Kulinna und in seiner Stimme schwingt tiefe Überzeugung mit.

Als Pfleger begleitet er täglich Menschen, die ohne fremde Hilfe ihren Alltag nicht mehr meistern können. Dass entgegen oft bedienter Vorurteile pflegebedürftig und glücklich sein einander aber nicht ausschließen, dokumentiert Kulinna in seiner Kunst. Alternde Menschen hat der Angestellte eines Bad Bevenser Pflegedienstes portraitiert – und zwar bei einer Lieblingsbeschäftigung oder an Orten, die sie besonders mögen. „Es ging mir darum, alte Leute in Momenten zu zeigen, in denen sie Freude haben“, erklärt der 43-Jährige.

Diese „Momente der Freude“ wurden in einem Kalender zusammengefasst. In sensiblen Aquarellen und Kohlezeichnungen gibt er dem Altern ein Gesicht – Falten nicht nur als optisches Zeichen der Jahre, sondern als Teil einer Geschichte, eines Charakters. „Das sind Leute, die ich meist über viele Jahre persönlich kenne. Interessante Menschen, für die ich große Sympathien empfinde“, erklärt Holger Kulinna, der seit 15 Jahren malt. Trotz der persönlichen Bindung und dem über Jahre gewachsenen Vertrauensverhältnis hat es an mancher Stelle Überredungskünste gebraucht, die Models vom Posieren zu überzeugen. „Die Damen sind ein klein wenig eitler“, gibt Holger Kulinna zu. Damit seine Kunst für die Modelle nicht zu anstrengend wird, fotografierte er die Frauen und Männer, um dann nach Vorlage die Portraits anzufertigen. „Die ersten Fotos habe ich vor drei Jahren gemacht“, erklärt Kulinna, der über das Tätowieren zum Porträtzeichnen gekommen ist. Gearbeitet habe er an jedem Bild ein- bis anderthalb Tage.

Für den Kalender, dessen Verkaufserlös übrigens in die Einrichtung eines Mehrgenerationenspielplatzes neben dem derzeitigen Boule-Platz fließen soll, wurde jedem Senioren-Portrait ein Jugendfoto zugeordnet. Außerdem textete die Bad Bevenser Autorin Waltraud Ackermann persönliche Zeilen zu jedem Gemalten. Sie sprach mit Modellen und Hinterbliebenen – drei der gezeichneten Menschen sind inzwischen verstorben – und verfasste entsprechende Texte. „Sie hat einen großen Aufwand betrieben und jeden Text handschriftlich formuliert“, hebt Kulinna hervor. Unter dem Titel „Ein-(Augen-) Blick“ werden die Portraits am kommenden Mittwoch, 6. November, im Bad Bevenser Kurhaus präsentiert. Die Vernissage beginnt um 16 Uhr.

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