Niedersachsens Bäderverband tagt in Bad Bevensen / Geschäftsführerin über Chancen der Kur(orte)

Die Perlen des Landes

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Die Kur in Bad Bevensen hat viele Facetten. Wie Angebote zukunftsfähig gemacht werden und moderne Gäste angesprochen werden, darum geht es beim Bädertag.

Bad Bevensen. Die Kunden sind moderner geworden und anspruchsvoll; Unternehmen und Gesellschaft verändern sich. Welche Chancen Kurorte vor diesem Hintergrund haben, sich neu aufzustellen und vorne mitzuspielen, steht unter anderem am 19. und 20. Oktober in Bad Bevensen im Fokus.

Dann hält der Niedersächsische Bäderverband seinen Bädertag im Kurhaus ab. 

Will die Kur auf ein neues Niveau heben: Christina Degener.

Dessen Geschäftsführerin Christina Degener spricht im Interview mit AZ-Redakteurin Ines Bräutigam über die Kur von heute, Orte der Kur und wie es um das altmodische Image der Kur steht.

Viele verbinden mit dem Begriff „Kur“ etwas Piefiges, Altbackenes und Überholtes. Wie sehen Sie das?

Diesen Eindruck kann man tatsächlich haben. Unsere Studien haben aber ergeben, dass eine leichte Unterscheidung hilft: Ist die Kur für jemanden interessant oder sogar bekannt, hat sie ein enorm positives Image. Das Piefige, Altbackene treffen wir vor allem bei Menschen, für die natürliche Heilung kein oder noch kein Thema ist. Andererseits herrscht mancherorts ein sichtbarer Investitionsstau, da müssen wir noch leisten.

Was macht „die Kur“ von heute (und morgen) aus?

Dass man sinnvoll Zeit mit der eigenen Gesundheit verbringt, mit der eigenen Einstellung und dem Verhalten sich selbst gegenüber. Im Alltag geht das immer mehr unter, in der Kur hat man Zeit und professionelle Beratung und Begleitung. Dazu kommen die Gleichgesinnten, das hilft enorm. Was sich zu früher verändert hat, ist die enorme Auswahl an Anwendungen und Therapien aus aller Welt. Da ist jeder Kurort anders aufgestellt.

Das Motto des diesjährigen Bädertags lautet „Kur im Wandel! Tradition und Innovation – vom Kurort zum Ort der Kur“. Erklären Sie uns das ein bisschen genauer...

Der Kurort, das ist eben in manchen Augen das von Ihnen erwähnte altbackene Klischee. Dabei waren das früher nicht nur touristische oder gesunde Orte, sondern die Perlen unseres Landes. Dort, wo der Hochadel seinen Sommer verbrachte. Genau da wollen wir wieder hin. Die Kurorte sollen herausragende Perlen werden und nicht nur schön oder idyllisch oder Klinikorte. Deshalb wollen wir die Kur auf ein neues Niveau heben. Wenn die Kurorte zu Orten der neuen Kur werden, dann wird auch der Begriff Kurort ganz anders klingen. Selbst für potenzielle Kurgäste, die heute noch ein anderes Bild von unseren Kurorten haben.

Welche Hausaufgaben müssen Kurorte machen, um neben der – nicht selten auch staatlich geförderten Konkurrenz – dauerhaft bestehen zu können?

Danke für diese Frage! Genau das werden wir auf diesem Bädertag gemeinsam diskutieren. Im letzten Jahr haben unsere Mitglieder das Rahmenprogramm erarbeitet, in diesem Jahr geht es um die ganz konkrete Umsetzung, damit wir Ihnen und Ihren Lesern im nächsten Jahr eine nagelneue Kur präsentieren können.

Was würden Sie diesbezüglich Ihrem Gastgeber Bad Bevensen empfehlen?

Bad Bevensen ist einer der Orte, die sich bisher rege an unserem Markenprozess beteiligt haben. Von daher kann ich nur sagen: weiter so. Wichtig ist aber auch, dass Verständnis für die Kur nicht nur bei ein oder zwei Personen entsteht. Es muss im gesamten Ort und der Region gefördert werden. Im nächsten Jahr wollen wir erste konkrete Angebote für die Heilbäder und Kurorte entwickeln. Daher kann ich nicht nur Bad Bevensen, sondern auch alle Verantwortlichen in anderen Heilbädern und Kurorten dazu aufrufen, sich weiter aktiv zu beteiligen. Der Markenprozess und die dadurch entstehenden neuen Möglichkeiten leben von der Kompetenz der Heilbäder und Kurorte. Je mehr Personen im Kurort sich mit der Kur von morgen auskennen, desto besser sind die Chancen, sich am Markt aufzustellen und das von Ihnen eingangs angesprochene, verstaubte Image ins Gegenteil umzukehren.

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