Bad Bevenser Betrieb läuft weiter

Neuland beantragt Insolvenz: Geschäftsführer Ralf Stützer kündigt

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Landwirt Reinhard Dehrmann schaut mit gemischten Gefühlen in die Zukunft. Der Bahnsener beliefert Neuland seit acht Jahren mit Rinderfleisch. Er hofft, dass die Produktvermarktung Bad Bevensen den Weg aus der Krise findet.

Bad Bevensen/Landkreis. Die Neuland-Produktvermarktung steht kurz vor der Insolvenz: Das Unternehmen mit Sitz in Bad Bevensen, das mit seinen besonders hohen Tierschutzauflagen bei der Fleischproduktion wirbt, hat Antrag auf Eröffnung des Verfahrens gestellt – auf Empfehlung des Hausanwalts, „der zusammen mit dem Steuerberater Überschuldung feststellte“, wie Neuland mitteilt.

Der Geschäftsbetrieb läuft in Bad Bevensen trotz des Verfahrens, für das das Uelzener Amtsgericht bereits einen Gutachter bestellt hat, weiter.

Als Grund für die finanzielle Schieflage gibt Neuland unter anderem die Insolvenz eines wichtigen Berliner Großkunden im Herbst 2014 an, durch die die Gesellschaft erhebliche Rückschläge erlitten habe. „Bis heute ist ungeklärt, ob eine Versicherung für den Schaden eintritt“, informiert Neuland per Pressemitteilung. „Aus eigener Kraft konnte die Gesellschaft die wirtschaftliche Fehlentwicklung nicht ausgleichen. Die Geschäftsführung beabsichtigt mit Hilfe eines Insolvenzplans, die Gesellschaft wieder auf Kurs zu bringen“, teilt Neuland mit.

Neuland, deren Trägervereine der BUND, die Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Landwirtschaft (AbL) und der deutsche Tierschutzbund sind, hatte 2014 Negativschlagzeilen gemacht: Über die Produktvermarktung in Bad Bevensen sollte konventionell produziertes Hähnchenfleisch unter dem Neuland-Siegel auf den Markt gelangt sein.

Ralf Stützer, der im Januar 2015 die Geschäftsführung der Neuland GmbH Bad Bevensen übernommen hat, zieht aus der finanziellen Entwicklung seine Konsequenzen: „Herr Stützer hat als Geschäftsführer gekündigt“, bestätigt Aufsichtsratsvorsitzender Bastian Ehrhardt gestern auf AZ-Nachfrage. Im Herbst räumt Stützer den Chefsessel, ausgeschlossen ist laut Erhardt aber nicht, dass Stützer an anderer Position bei Neuland in Bad Bevensen einsteigt.

Andreas Hencke, Geschäftsführer der gleichnamigen Bad Bevenser Schlachterei, steht indes weiter zu Neuland: „Der Neuland-Gedanke passt in die Zeit“, ist er sich sicher. Seit 2000 arbeitet er mit der Neuland GmbH Bad Bevensen, die direkter Nachbar seines Direktverkaufs am Fliegenberg ist, zusammen. Schweine, Rinder und Lämmer werden von Henckes Team für Neuland geschlachtet, zerlegt, teilweise zu Wurst verarbeitet und in der Theke angeboten – auch nach dem Antrag auf Einleitung des Insolvenzverfahrens. „Insolvenz ist auch eine Chance und kann auf einen Neuanfang hindeuten“, betont Andreas Hencke gestern.

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