Lüneburger Straße: Unerlaubtes Parken, Temposünder und Lärm – Anwohner wollen Fußgängerzone

„Neues Verkehrskonzept muss her“

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Das blaue Spielstraßenschild interessiert nur wenige Autofahrer an der Lüneburger Straße.

Bad Bevensen. Ein Auto donnert mit etwa 50 km/h über das Kopfsteinpflaster.

Eine Radfahrerin saust an einem Fußgänger vorbei, der nahe der Hauswand geht und sich dann an einem am Straßenrand parkenden Auto vorbeischiebt, das einem anrollenden Transporter wenige Minuten später die Weiterfahrt verwehren wird – Alltag an der Lüneburger Straße in Bad Bevensen. Denn in dem Bereich zwischen Medinger Straße und Krummer Arm verhalten sich die wenigsten regelkonform – seit Jahren wird das blaue Spielstraßenschild von vielen Verkehrsteilnehmern ignoriert.

An der Lüneburger Straße herrscht nicht nur viel Durchgangsverkehr, sondern die Wagen sind oft auch zu schnell unterwegs.

Anwohner und Gewerbetreibende haben wiederholt auf die aus ihrer Sicht nervenzehrende und gefährliche Situation hingewiesen – sie fordern die Stadt zum Handeln auf. Im August verliehen sie ihrer Forderung per Unterschriftenliste Nachdruck: geändert hat sich nichts. „Viele sind in dem irrsinnigen Glauben, dass sie hier 30 fahren dürfen – und nicht einmal das Tempo halten sie ein“, sagt Michael Buntenbach, Gewerbetreibender und Sprecher der Interessengemeinschaft (IG) Lüneburger Straße. Die gerade Straßenführung lade zum Rasen ein. „Auf dem Kopfsteinpflaster wird es sehr laut, was nicht nur die Anwohner, sondern auch die Gäste der Eisdiele stört“, beschreibt Buntenbach. Nicht selten käme es zudem zu brenzligen Situationen zwischen Radfahrern, Fußgängern und Autos. „Die Autos überholen teilweise sehr knapp“, beschreibt Brigitte Zeising, die Anwohnerin der Lüneburger Straße ist. „Wenn ein Auto am Straßenrand parkt und parallel dazu ein Transporter an einem Geschäft zum Entladen hält, wird es schon mal so eng, dass ein Rettungswagen nicht hindurchkäme“, skizziert Buntenbach.

Susanne Gemballa, Inhaberin des gleichnamigen Taxiunternehmens an der Lüneburger Straße, beklagt das wilde Parken am Straßenrand. „Ich habe einen 24-Stunden-Betrieb und komme teilweise nicht aus der Einfahrt, weil gegenüber verbotener Weise geparkt wird“, kritisiert sie. Wiederholt habe sie die Stadt gebeten, gegenüber ihrer Ausfahrt Poller aufzustellen.

Die Mitglieder der IG fordern, die Verlängerung der Fußgängerzonenregelung innerhalb der Lüneburger Straße über die Einmündung Krummer Arm bis zur Medinger Straße.

Tatsächlich gilt in dem als „verkehrsberuhigter Bereich“ ausgezeichneten Straßenstück nicht nur Schritttempo, sondern auch Parkverbot. Fußgänger haben in der Spielstraße vor allen anderen Verkehrsteilnehmern Vorrang, betont Frank Rahtje, Leiter der Bevenser Polizeidienststelle. Die Probleme an der Lüneburger Straße sind ihm bekannt. Die Polizei wolle verstärkt auf das Einhalten der Geschwindigkeitsbegrenzungen achten. Zudem habe es Gespräche mit der Stadt gegeben, die für die Überwachung des ruhenden Verkehrs – sprich die Falschparker – zuständig ist.

Andreas Dobslaw, Verkehrsexperte der Polizeiinspektion Lüneburg, betont: Die Lüneburger Straße ist kein Unfallschwerpunkt. Laut Statistik hat es seit 2007 nur fünf Unfälle in dem umstrittenen Spielstraßenbereich gegeben. Für ihn ist die Lüneburger Straße ein Fall für den Verkehrsplaner: „Das Ganze ist ein Problem von Bau und Betrieb. So etwas entsteht, wenn nur ein Schild aufgestellt wird, ohne die tatsächliche Situation zu berücksichtigen“, sagt er. Der dominierende Verkehrsteilnehmer sei dort nicht der Fußgänger, sondern der Autofahrer. Dobslaw: „Es muss ein neues Verkehrskonzept her.“

Von Wiebke Brütt

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