Bad Bevensen: Mit dem Nachtwächter durch die wechselhafte Historie des Kurortes

„Wasser, guter Boden und Feuer“

+
Den „Broadway von Bad Bevensen“ nennt Nachtwächter Rainer Beller die Fußgängerzone in Bad Bevensen. Über 20 Teilnehmer nahm er am Sonnabend mit auf eine historische Entdeckungstour durch den Kurort.

Bad Bevensen. Sonnabend, gegen 19 Uhr am Brunnen vor dem Kurhauseingang in Bad Bevensen. Es bevölkert sich zunehmend. Eingemummelt in Mantel, Parka und Jacken, festen Schuhe und vielfach wärmender Kopfbedeckung erwartet die Gruppe den Nachtwächter.

Über 20 waren gekommen, um beim historischen Rundgang dabei zu sein.

„Hört ihr Herrn und lasst Euch sagen, unsere Uhr hat 19 Uhr geschlagen“ – mit diesem bekannten alten Lied, einem Stundenruf aus ganz alten Zeiten, in denen es noch keine Uhren gab, preschte der stattliche Nachtwächter heran. Gekleidet war er mit einem großen dunklen stoffreichen Umhang, eine schwarzen Kopfbedeckung. In der einen Hand hielt er eine Laterne, in der anderen eine Hellebarde, eine Waffe mit Spieß, Haken und Axt, die sich zum Schlagen, Stechen und Reißen eignet.

Der Nachtwächter ist ein historischer Beruf, der im Mittelalter in den Städten aufkam, um nachts durch die Straßen und Gassen zu gehen und für Ruhe und Ordnung zu sorgen, schlafende Bürger vor Feuern, Feinden und Dieben zu warnen, aufzupassen, ob Haustüren und Stadttore geschlossen sind. Natürlich gibt es heute derlei Sicherheitsbeamte nicht mehr, aber Stadtführungen mit Nachtwächtern haben ihren besonderen Reiz. So auch in Bad Bevensen.

In der Kostümierung steckt Rainer Beller. Der hörbar in Süddeutschland geborene Mann lebt nun schon viele Jahre in der Kurstadt und hat sich mächtig Wissen angeeignet. Seit Beginn dieser Führungen taucht er mit viel Witz, Wissen, Weisheit und wunderlichen Anekdoten in den dunklen Monaten mit Gästen ins Nachtleben von Bad Bevensen ein. Apropos Gäste. „Wer kommt denn hier aus Bad Bevensen?“, möchte er wissen. Es schnellen mehrere Finger hoch. Los geht es und die „Mitläufer“ werden in der Goldgräberstand begrüßt, denn man suchte in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts nach Öl und stieß auf die Heilquelle.

Der damalige Stadtdirektor Wagenknecht handelte schnell, es wurde gebaut, die Jod-Sole-Therme genutzt und der verschlafenen Luftkurort boomte.

Schnell ein paar weitere Laternen geschnappt und die Gruppe trottete weiter zum nächsten Stopp an der Büste von Pastor Lyra, dem Komponist des bekannten Liedes „Der Mai ist gekommen“.

Hellebarde und Laterne: Mit Witz, Wissen und Weisheit führt Rainer Beller durch Bad Bevensen.

Weiter ging es. Vorbei an den feuchten Wiesen, in den Kurpark mit dem alten Baumbestand. Nachtwächter Beller gab nebenbei Geschichtliches und Zusammenhängendes bekannt, dann und wann ein paar Zahlen und schmunzelnde Kommentare. „Sieben Brücken führen nach Bevensen über die Ilmenau“, machte er klar und fragte die Bevenser nach den Namen der Brücken und Zuflüsse zur Ilmenau, „der besonderen Wasserstraße früher“, ab. „Dreierlei hat Bad Bevensen geprägt“, führte er aus. „Das Wasser, der gute Boden und Feuer.“ Und weiter führte die Tour vorbei an der Alten Superintendentur zur Schnittstelle der Straße „An der Aue“, die früher Wasserstraße hieß und der Pastorenstraße. Der Nachtwächter berichtete Interessante zum Straßenpflaster, das damals gemäß strenger Vorschriften gebaut werden musste, nachdem 1814 mal wieder ein Feuer wütete.

Von Ute Bautsch-Ludolfs

Kommentare