Bevensens Marketing-Chef Bless fordert, Gewohnheiten aufzugeben / Therme soll in Fokus rücken

BBM muss „aus dem Knick kommen“

Bad Bevensen. „Bad Bevensen bewegt sich – jetzt muss sich nur noch die BBM bewegen.“

Wolfhardt Bless

Diese überraschende Forderung ans eigene Haus formulierte Wolfhardt Bless, Interimsgeschäftsführer der Bad Bevensen Marketing GmbH (BBM), jetzt bei der Mitgliederversammlung des Bevenser Vereins „Wirtschaft und Tourismus“ (BBW&T). Sein Eindruck: In der Kurstadt wurde und wird viel modernisiert – der Höhepunkt der Aufbruchsphase ist das neue Kurhaus, das derzeit entsteht –, die BBM aber klammere sich teilweise an ihre Konzepte und eingefahrene Handlungsweisen. „Wir als Team müssen aus dem Knick kommen. Es ist viel Gutes da, aber man muss auch den Wandel mitmachen. Man hat sich eingerichtet, man muss flexibler sein“, sagt Bless. Das von der BBM entwickelte, im Februar der Politik vorgelegte und damals von Stadtdirektor Hans-Jürgen Kammer gelobte Tourismuskonzept (AZ berichtete) interessiere ihn schon nicht mehr – man müsse nach vorne blicken.

Ausgenommen aus seiner Kritik hat Bless seinen Veranstaltungsleiter Gerhard Kreutz, der bei der Mitgliederversammlung die Veranstaltungen 2015 präsentierte.

Um erfolgreich zu sein, muss die BBM laut Bless Mut für neue Ideen beweisen. Nur so könnte die Kurstadt bekannter werden und mehr – vor allem jüngere – Gäste anlocken. Denn als Gesundheitsstandort habe Bevensen gute Voraussetzungen – neueste Studien belegten, dass der Hauptreisegrund in Deutschland Gesundheit und Naturerleben sind. Um dieses Potenzial auszuschöpfen, müsste die Stadt jedoch stärker mit der Jod-Sole-Therme werben. Ein Topf für ad-hoc-Marketing soll rasches Reagieren auf neue Entwicklungen ermöglichen. Konkreter wollte Bless mit Verweis auf den Aufsichtsrat nicht werden – der müsse sich positionieren.

Hans-Jürgen Kammer

Aufsichtsrats-Vorsitzender Kammer stimmte Bless nach der Sitzung auf AZ-Nachfrage zu: „Ich erwarte Kreativität von meinen Marketing-Experten vor Ort – von Wolfhardt Bless, Gerhard Kreutz und Birgit Rehse. Herr Bless hat Recht – wir haben die Tendenz, dass wir uns sehr stur an Richtlinien halten. Wir müssen die eigenen Scheuklappen ablegen.“ Er könne sich vorstellen, die Zusammenarbeit mit Bless zu verlängern (siehe Kasten).

Martin Feller

Bürgermeister Martin Feller, ebenfalls bei der Sitzung anwesend, schüttelt bei der Kritik von Wolfhardt Bless am eigenen BBM-Team den Kopf: „Die BBM hat sich viel bewegt und tut es noch. Wir haben ein Veranstaltungsprogramm vom Feinsten. und die ‘Wege zum Ich’ halte ich für sehr innovativ – besser kann man die Themen Gesundheit und Natur nicht verbinden.“

Die BBM hat mit „Wege zum Ich“ zusammen mit der Leuphana-Universität 2013 ein neues Programm entwickelt, das Naturerleben und Gesundheit unter anderem unter dem Aspekt Entschleunigung verbindet. Die Urlauber-Universität – ein Kooperationsprojekt der BBM mit Kliniken – wurde im November 2014 in den „Innovationsreport 2014 des Deutschen Tourismusverbands“ aufgenommen. Beim Tourismustag Niedersachsen vergangene Woche in Lüneburg war die BBM als Vertreter für „innovativen Gesundheitstourismus“ auf dem Podium.

Von Wiebke Brütt

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