„Moralisch nicht vertretbar“

GerdLudolfs

Bad Bevensen - Von Ines Bräutigam. Das zerrüttete Verhältnis zwischen Bevensens Kirchenmusikerin Ute Bautsch-Ludolfs und Teilen des Kirchenvorstandes der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde (die AZ berichtete) hat jetzt weitere Konsequenzen zur Folge: Der stellvertretende Vorsitzende des Kirchenvorstandes und Ehemann der Kirchenmusikerin, Gerd Ludolfs, hat sein Amt mit sofortiger Wirkung niedergelegt.

Der Grund: Auf seiner letzten Sitzung am 8. Juni habe der Kirchenvorstand „quasi beschlossen“, sich von Ute Bautsch-Ludolfs zu trennen. Eine einvernehmliche Vertragsauflösung war bereits mehrmals eindeutig abgelehnt worden. „Ich bin nicht bereit, diese moralisch nicht vertretbare und fachlich unbegründete Entscheidung mitzutragen und sogar nach außen zu vertreten“, so Ludolfs.

Wie berichtet, hatte es in den vergangenen Jahren immer wieder Unstimmigkeiten zwischen der langjährigen Kirchenmusikerin und Mitgliedern des Kirchenvorstandes gegeben. Im November 2008 zog Ute Bautsch-Ludolfs die Konsequenzen: Sie stand fortan nur noch für die vertraglich geregelten Dienste zur Verfügung.

Mehrmals habe Gerd Ludolfs seine Kollegen im Kirchenvorstand außerhalb von Beratungen darauf hingewiesen, dass ausreichende Gründe für eine außerordentliche Kündigung nicht vorliegen. An den Sitzungen selbst nahm er nie teil – nach Kirchenrecht ist er von diesen Gesprächen ausgeschlossen. Würden klare Regelungen getroffen werden und würden sich alle Beteiligten daran halten, wäre ein „ordnungs- und vertragsgemäßes Zusammenarbeiten“ mit seiner Ehefrau – wie in 26 von mehr als 30 Dienstjahren Ute Bautsch-Ludolfs‘ – möglich.

„Diejenigen, die vom Kirchenvorstand von den Regelungen betroffen wären und sich an sie hätten halten müssen, sind offenbar nicht bereit, dies zu tun, was sich in der Vergangenheit auch immer wieder gezeigt hat“, bedauert Gerd Ludolfs, der seit 16 Jahren im Kirchenvorstand tätig ist, fünf davon als stellvertretender Vorsitzender. „Das ist umso bedauerlicher, als sich die Regelungen zum Teil eindeutig aus der Kirchengemeindeordnung und anderen Rechtsverordnungen und Vorschriften der Landeskirche ergeben hätten. Die Mitglieder des Kirchenvorstandes sind offenbar auch unvollständig und damit falsch über die Sachverhalte informiert worden, die den Grund für eine Kündigung hergeben sollen.“

Angefangen hatten die Querelen damit, dass Ute Bautsch-Ludolfs im Sommer 2007 auf Schimmel in der Kirchenorgel hingewiesen und auf dessen Beseitigung gedrungen hatte. Ihr Mann bedauert, dass der Kirchenvorstand nicht berücksichtigt hat, „dass die behaupteten Unzuträglichkeiten mit meiner Ehefrau als Kirchenmusikerin, die bei früheren Kirchenvorständen nicht aufgetreten sind, ganz überwiegend ihre Ursache oder ihren Ursprung in nicht hinnehmbaren Verhalten beziehungsweise Unterlassen von einzelnen Personen innerhalb des jetzigen Kirchenvorstandes oder einigen Beschlüssen des Kirchenvorstandes haben, deren Folgen nicht bedacht wurden und deswegen so wenig wie möglich öffentlich gemacht werden sollen“.

Pastor Hermann-Georg Meyer, Vorsitzender des Kirchenvorstandes, wollte sich gestern nicht zu dem Vorgang äußern. Er sei gerade erst mit der Entscheidung seines Stellvertreters konfrontiert worden, in der nächsten Kirchenvorstandssitzung müsse man nun beraten, wie es weitergehe.

Zum Rücktritt Gerd Ludolfs‘ sagt er: „Ich bedauere das sehr und bin dankbar für seine geleistete Arbeit. Er verfügt über langjährige Erfahrung, auf die man nicht gern verzichtet.“ Zu dem Streit mit Kirchenmusikerin Bautsch-Ludolfs will Meyer nichts in der Öffentlichkeit sagen – schließlich gehe es um eine Personalie.

Gerd Ludolfs Entscheidung ist jedenfalls gefallen. „Angesichts dieser Situation ist mir eine weitere Mitarbeit in diesem Kirchenvorstand nicht möglich, in dem einige Mitglieder die christliche Grundlage unseres Tuns für die Kirchengemeinde auf einigen Gebieten offenbar aus dem Auge verloren haben.“ Mehr noch: Er bedauere, diesen Schritt nicht schon eher getan und dadurch seiner Ehefrau und zahlreichen seiner Wähler Verunsicherung erspart habe. Diese hätten den Eindruck gewinnen müssen, so Ludolfs, „ich akzeptiere oder dulde das moralisch und zwischenmenschlich sehr fragwürdige Handeln einiger Kirchenvorstandsmitglieder und decke es auch noch“.

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