Brandschützer beschließen einstimmig die Auflösung / Mindeststärke nicht mehr gegeben

Medinger Wehr zieht Notbremse

+
Was mit dem Medinger Gerätehaus und der Ausrüstung geschieht, muss noch geklärt werden – Fakt ist aber: die Freiwillige Feuerwehr in Medingen, die 1935 gegründet worden war, löst sich nach 77 Jahren auf.

Bad Bevensen-Medingen. Nach 77 Jahren ist Schluss: Die Freiwillige Feuerwehr Medingen hat auf der Jahreshauptversammlung einstimmig ihre Auflösung beschlossen. „Es tut schon weh, dass man diesen Schritt gehen muss“, sagt Gerrit Ebeling, der seit sechs Jahren stellvertretender Ortsbrandmeister in Medingen ist, „aber es muss sein.“

Nachwuchsprobleme und die Tatsache, dass es immer schwieriger geworden sei, genügend Aktive zu Diensten zu motivieren, habe letztendlich zu der finalen Entscheidung geführt.

Noch schwerer fällt wohl Ebelings Vater Werner der Auflösungsbeschluss. Der 60-Jährige führte die Medinger Wehr in den vergangenen 24 Jahren als Ortsbrandmeister. Doch die Entwicklung in den kommenden zwei Jahren wäre fatal gewesen, wirft sein Sohn Gerrit im AZ-Gespräch einen Blick in die Zukunft. So hätte sich die Anzahl der Mitglieder zum Ende dieses Jahres voraussichtlich auf 13 reduziert, Ende 2013 wären es noch elf gewesen. Die Mindeststärke einer Wehr allerdings liegt bei 21 Aktiven. Und die hatten die Medinger zuletzt auch schon nicht mehr zusammenbekommen: 18 Brandschützer zählte die Wehr des Bad Bevenser Stadtteils noch. Für Gerrit Ebeling ist der Auflösungsbeschluss nicht zuletzt deswegen unvermeidlich gewesen. „Ich kann und will das nicht verantworten“, sagt er, „dass man davon ausgeht, dass wir eine einsatzfähige Wehr haben, und das ist gar nicht der Fall.“

Der Brandschutz und die Hilfeleistung durch die Medinger Wehr war nicht mehr gewährleistet, also musste die Notbremse gezogen werden. Kampflos haben die Medinger Feuerwehrleute allerdings nicht aufgegeben. „Wir haben ja versucht, neue Mitglieder zu bekommen, auch Jüngere angesprochen“, sagt der stellvertretende Ortsbrandmeister, „aber da hieß es dann meistens nur: keine Lust, keine Zeit.“ Und überhaupt würden potenzielle Feuerwehrleute lieber zu den großen Wehren gehen, in diesem Falle Bad Bevensen. „Ein Großteil der Medinger ist sowieso Mitglied der Bad Bevenser Wehr“, weiß Ebeling.

„Wir haben immer versucht, die Medinger Wehr am Leben zu halten, aber wir sind einfach zu dicht an Bad Bevensen dran.“ Und so standen die Brandschützer des Ortsteils bis zum Schluss immer irgendwie im Schatten der großen Schwerpunktfeuerwehr der Kurstadt. Die Tatsache, dass eine Reihe von Mitgliedern außerhalb arbeitet und im Einsatzfall nicht vor Ort sein kann und wieder andere von ihrem Arbeitgeber nicht immer freigestellt werden, ist ein weiterer Sargnagel für die Medinger Wehr gewesen. Fünf Einsätze haben die Medinger im vergangenen Jahr noch gefahren: Sie löschten zwei Feuer, zogen einen Baum von der Straße und rückten zu zwei Fehlalarmen aus. Außerdem stellten sie über Weihnachten und Silvester die Brandsicherheitswache im Kloster Medingen und richteten das Osterfeuer aus. Laut Beschluss soll der Kassenrest, der nach Abwicklung der Auflösung übrig bleibt, der Samtgemeinde-Jugendfeuerwehr gespendet werden.

Was nun mit dem Medinger Feuerwehrgerätehaus, dem Fahrzeug und der Ausrüstung geschieht, müsse man sehen, sagt Hans-Jürgen Kammer, Bürgermeister der Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf, die Trägerin der Feuerwehren ist. Der Brandschutz in Medingen werde nun durch die Einsatzkräfte in Bad Bevensen mit sichergestellt, so Kammer.

Kommentare