Letzte Honigernte der Saison auf dem Lehrbienenstand in Bad Bevensen / Schlechte Sommertracht

Der Bienenstich gehört dazu

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Vorsichtig nimmt Eckhard Alvermann den Rahmen aus dem Bienenstock. Zuvor hat Ulrich Kiesow mit der Imkerpfeife die Bienen beruhigt.

Bad Bevensen. Zuerst stecken sich Erhard Pollehn und Ulrich Kiesow ihre Pfeifen an. Das machen sie aber nicht, um dem Tabakkonsum zu frönen, sondern um dafür zu sorgen, dass sie bei der Honigernte nicht von den Bienen gestochen werden.

Gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Imkervereins Bad Bevensen Eckhard Alvermann haben die beiden Imker jetzt zum letzten Mal in der Saison am Lehrbienenstand die Tracht eingebracht.

„Es gehört dazu, dass man gestochen wird“, sagt Alvermann. Mit dem Rauch aus den Pfeifen sinke aber die Wahrscheinlichkeit. Die Bienen halten den Rauch für ein Feuer und suchen instinktiv Schutz vor diesem und ziehen sich tiefer in den Stock zurück, so Alvermann. Trotzdem sitzen immer noch hunderte Bienen auf dem Rahmen, als er diesen aus der Holzbeute entfernt. Durch Schütteln und einen feinen Handfeger entfernt er die Bienen.

„Die Honigernte ist dieses Jahr nur mittelprächtig“, berichtet Alvermann. Während die Frühlingstracht mit Raps, Obstbäumen und Löwenzahn noch sehr gut gewesen sei, sei die Sommertracht buchstäblich ins Wasser gefallen. Der Grund: Vor allem Waldhonig kann diesem Sommer kaum geerntet werden. „Die Honigtau produzierenden Insekten in den Bäumen sind einfach weggespült wurden“, so Alvermann. Beim Heidehonig gehe man zwar von einer guten Ernte aus, aber das rechne sich kaum. „Die Verluste in den Völkern sind in der Heide zu hoch, da rechnet sich der gute Preis von zehn bis zwölf Euro auch nicht mehr“, sagt Alvermann. Vor allem die hohe Zahl von Spinnennetzen sorge dafür, dass die Völker schrumpfen.

Um an die süße Flüssigkeit in den Waben zu gelangen, muss das Wachs entfernt werden. Dazu nimmt Christina Körner eine Gabel, um die Rahmen zu entdeckeln. Vorsichtig entfernt sie das Bienenwachs und streift es von der Gabel. Wenn vier Rahmen entdeckelt sind, kommen sie in die von Hand betriebene Honigschleuder. Dort macht sich Alvermann die Fliehkraft zunutze, um an den süßen Honig zu gelangen. „Man muss die Rahmen mehrmals wenden. Ansonsten kommt man nicht an die ganze Tracht“, erklärt Alvermann.

Für die Bienen selbst. die einen Teil ihre Nahrung verlieren, gibt es hingegen Ersatz. Sie bekommen sogenannten Futterteig vorgesetzt. Diese Mischung aus Wasser und Zucker schmecke so ähnlich wie Marzipan. Davon könne sich ein Bienenvolk gut ernähren, das immerhin aus einer Königin, 2000 bis 4000 Drohnen und 40 000 bis 60 000 Arbeiterinnen besteht.

Von Lars Lohmann

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