Schwebebecken geplant und Nutzung des Kurmittelhauses

Kurgesellschaft stellt sich neu auf: Mehr Angebote, weniger Verluste

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Entwickelte zusammen mit der Bad Bevenser Kurgesellschaft ein neues Konzept für die Therme: Der Sachverständige und Spa-GutachterClaus-Arwed Lauprecht vom Unternehmen EWI.

Bad Bevensen. Neue Gäste anlocken und die Verweildauer der aktuellen Besucher verlängern: Nach den hohen Defiziten der vergangenen Jahre will die Bevenser Kurgesellschaft (KurGmbH) bei der Therme neue Wege gehen.

„Die Verluste der vergangenen Jahre und die erheblichen Investitionen haben im Aufsichtsrat dazu geführt, zu überlegen, was zu tun ist“, begründet Landrat Dr. Heiko Blume, der Aufsichtsratsvorsitzender der KurGmbH ist, die Kooperation mit Claus-Arwed Lauprecht von dem Unternehmen EWI. Sechs Monate lang hat der Sachverständige und Spa-Gutachter gemeinsam mit der KurGmbH die strategische Neuausrichtung der Therme entwickelt. Das Ergebnis: Künftig sollen Thermengäste in Floating-Becken dem Alltag entschweben und unter UV-Licht in zwei neuen Solarien entspannen können.

Angesprochen werden soll so der „typisch Gesundheitsbewusste, aber nicht Kranke“, beschreibt Lauprecht die künftige Platzierung Bevensens am Markt. „Es geht darum, die Gesundheit zu erhalten und nicht mehr um die klassische Kur“, konkretisiert der EWI-Geschäftsführer. Dabei könne sich die Therme der Kurstadt entscheidend von anderen Anbietern abheben – durch ihre Heilmittel-Sole.

In den neuen „Floating-Pools“ sollen Gäste der Therme die heilsame Wirkung der Sole in einer besonders entspannten Atmosphäre genießen können – schwerelos in 20-prozentiger Sole. „Sie erleben quasi das tote Meer in einem Pool“, sagt Lauprecht. Für alle vier Produkte – zwei Solarien und zwei Schwebebecken – rechnet die KurGmbH mit einem Investitionsvolumen von etwa 200 000 Euro.

In dem seit Jahren leer stehenden Kurmittelhaus, das die KurGmbH von einem Investor zurückgekauft hat, soll mit dem „Haus der Vitalität“ ein professionelles Angebot im Bereich Gesundheitsförderung durch Bewegung entstehen, in dem unter anderem Körperanalysen und Seminare stattfinden sollen. Außerdem will die KurGmbH auf mittelfristige Sicht die Gastronomie in der Therme wieder selbst in die Hand nehmen, dort Schwerpunkte zum Thema Gesundheit setzen. Lauprecht: „Wir haben zwingend empfohlen, die Gastronomie in das Gesamtkonzept zu integrieren.“

Von einer Privatisierung der KurGmbH – Stadt (42 Prozent) und Landkreis (58 Prozent) hatten dieses als Anteilseigner in den vergangenen Monaten diskutiert – rät der Experte ab: Zu groß sei das Risiko, weil Stadt und Landkreis keinen Einfluss mehr aus den Touristenmagneten der Region nehmen könnten. Außerdem mache die Geschäftsführung einen guten Job: „Diese GmbH wird bereits geführt wie ein privater Betrieb. Die Ausgaben werden sehr schlank gehalten“, so Lauprecht.

„Wir haben nur Maßnahmen in unsere Betrachtungen aufgenommen, die auch Gewinn bringen“, betont Interims-Geschäftsführerin Sabine Neumann-Heinen. „Wir stehen zu hart in der Beobachtung, als dass wir uns nur Prestige-Produkte leisten könnten.“

Die Kurgesellschaft schreibt seit Jahren rote Zahlen. Allein im laufenden Jahr kalkuliert sie laut Wirtschaftsplan mit einem Verlust von 1,67 Millionen Euro (die AZ berichtete) – Kosten, die am Ende die beiden Gesellschafter ausgleichen müssen.

Wann die neuen Ideen umgesetzt werden, ist noch unklar. „Die Investitionen gehen wahrscheinlich in den Wirtschaftsplan 2016 ein“, erklärt Aufsichtsratchef Dr. Heiko Blume und verweist darauf, dass die Gesellschafterversammlung noch zustimmen müsse.

Von Wiebke Brütt

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