„Mein Beet bleibt!“ - Anwohner beäugen aufmerksam das Projekt an der Bergstraße

Kritischer Blick auf Straßen-Ausbau in Melzingen

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Stellvertretender Bauamtsleiter Thorsten Brinck (2.v.r.) und Bürgermeister Hans-Joachim Bütow (links daneben) informierten die Anlieger der Bergstraße gestern Morgen über die Planungen.

Melzingen. Hoch her ging es kurzzeitig bei der Bürgerversammlung am Dienstagabend, die Bürgermeister Hans-Joachim Bütow wegen des geplanten Ausbaus der Bergstraße in Melzingen einberufen hatte.

Das Material für den Regenwasserkanal hat lange auf sich warten lassen. Nun ist es da, und es kann losgehen.

„Die Rabatten müssen weg, wir brauchen Fußwege, damit man da im Winter vernünftig gehen kann!“ „Willst du etwa wieder eine Asphaltpiste vor der Tür haben?“ „In den Gärten gibt es doch genug Grün!“ „Also, nein! Mein Beet bleibt!“. So sehr sich die Meinungen, ob die vorhandenen Grünstreifen am Straßenrand erhalten bleiben sollen oder nicht, auch scheiden, so einig sind sich die Anlieger, Details über den Ablauf zu erfahren. Denn wie sollen sie während der voraussichtlich acht Wochen Bauzeit überhaupt auf ihre Grundstücke kommen? Kommen Kosten auf sie zu? Und wie funktioniert das jetzt eigentlich mit den Hausanschlüssen?

Denn schon vor etwa zwei Jahren hatte der damalige, inzwischen verstorbene Bürgermeister Gustav Müller den Ausbau eingefädelt. Vor allem der Regenwasserkanal macht nämlich Ärger und soll nun erneuert werden. Doch weil es Lieferschwierigkeiten beim Material gegeben habe, sei man jetzt in Verzug. Darüber informierte wiederum der stellvertretende Bauamtsleiter Thorsten Brinck gestern Morgen bei einer Baubesprechung vor Ort, bevor wenige Minuten später die Baumaschinen anrückten und mit dem Aufnehmen der Pflastersteine begannen.

Brinck beruhigte die Gemüter der Anlieger, die nervenaufreibende Zeiten auf sich zukommen sehen. „Machen Sie sich nicht so viele Sorgen“, sagte er, „wir haben schon ganz andere Projekte ge-stemmt.“ Fest steht nun also, dass an der Einmündung Barnser Straße mit den Arbeiten begonnen wird. Abschnittsweise arbeiten sich die Maschinen dann die Bergstraße hoch, buddeln die Straße auf für einen neuen Regenwasserkanal. Parallel dazu werden auch Stromleitungen verlegt und Leerrohre für die Glasfaserkabel, die irgendwann das schnelle Internet auch nach Melzingen bringen könnten. Nach jedem Abschnitt, betonte Thorsten Brinck, werde die Straße wieder soweit hergerichtet, dass jeder zumindest zu Fuß sein Grundstück erreichen könne.

Verändern wird sich auch der kleine Platz in der Bergstraße. Die Blutbuche macht den Anwohnern eh Kummer. „Die Spitze ist kaputt“, stellte ein Nachbar fest, „da wird nie ein Baum draus.“ Daher wird im Zuge der Bauarbeiten eine Metallöse in den Boden eingelassen, in die künftig zum Winter ein Weihnachtsbaum gesteckt werden kann.

Die Frage der Kosten war auch schnell beantwortet: Da die Gemeinde Schwienau keine Anliegerbeitragssatzung hat, tragen Gemeinde und Samtgemeinde die Kosten von etwa 270 000 Euro allein. Die Hausanschlüsse an den Regenwasserkanal werden je einen Meter hinein in die Grundstücke gelegt – wofür hier und da wohl die eine oder andere Gartenpflanze geopfert werden muss – aber auch das wird die Bergstraßen-Anwohner nichts kosten.

Was übrigens die öffentlichen Rabatten angeht, steht schon fest: „Die bleiben“, sagt Bürgermeister Bütow. Nur eine Hecke, deren Pflege zu aufwändig geworden ist, soll verschwinden.

Von Ines Bräutigam

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