Stadtrat beschließt mehrheitlich neues Baugebiet am Waagekai – WBB, Grüne und BfB dagegen

Kritik am „Flächenfraß“ in Bad Bevensen

+
Hier, zwischen der Bebauung am Ignaz-Semmelweiss-Ring (links) und der Paracelsusstraße (hinten), sollen 31 Neubaugrundstücke entstehen, für die es laut Stadtverwaltung bereits 35 Interessenten gibt.

Bad Bevensen. Das neue Baugebiet mit voraussichtlich 31 Grundstücken westlich des Hafens am Elbe-Seitenkanal und östlich des Ignaz-Semmelweiss-Rings in Bad Bevensen ist beschlossene Sache. Allerdings fällten die Mitglieder des Stadtrats die Entscheidung nicht einmütig.

Die Gruppe von WBB und Grünen sowie die BfB lehnten das Neubaugebiet ab und kritisierten die Baulandpolitik der Stadt.

Die BfB, erklärte deren Stadtratsmitglied Stephan Kaufmann, lehne das Vorhaben „an sich“ ab, denn weder berücksichtige man damit den demografischen Wandel, noch sei man sich im Klaren darüber, dass hier der „Flächenfraß“ weiter gehe. „Weil es schön einfach ist und Wählerstimmen bringt“, kritisierte Kaufmann. Stattdessen sollte man lieber mit einer klugen Bauleitplanung ein Gleichgewicht schaffen und „nicht immer mehr, immer größer bauen, sondern den Bestand erhalten“. Denn Boden sei knapp. Aus Sicht der BfB sollte lieber eine Innenstadtentwicklung gefördert werden. „Die Politik hat da genug Möglichkeiten“, so Kaufmann.

Auch die Erschließung des neuen Baugebiets allein über den Waagekai am Hafen sei „unglücklich geplant“. Das Baugebiet werde so separiert. Und dass der komplette Anwohnerverkehr am Wohnmobilstellplatz vorbeifließe, sei auch nicht ideal. Kurzum: „Das Baugebiet ist überflüssig“, stellte Kaufmann fest.

Zuvor hatte auch die WBB/Grünen-Gruppe erklärt, eher auf ein Leerstandskataster für Bad Bevensen zu setzen und das Neubaugebiet am Waagekai abzulehnen. Witta Alberternst (SPD) brach allerdings eine Lanze für neue Baugebiete. „Wenn wir eine Stadt haben wollen, die sich entwickelt, dann brauchen wir auch Baugebiete“, gab sie zu bedenken. Jürgen Schliekau (CDU) pflichtete ihr bei: Die Unternehmen der Stadt seien auf gutes Personal angewiesen, und Arbeitnehmer wollten ein attraktives Umfeld. „Und dazu gehört Familienfreundlichkeit. Man kann doch nicht eine Familie in die zweite Etage in der Innenstadt pferchen“, mahnte er.

Schliekaus Fraktionskollege Eckhard Warnecke konnte sich unterdessen einen Seitenhieb auf die BfB nicht verkneifen: Denn wenn es darum gehe, dass mal wieder Straßennamen gesucht würden, sei die BfB trotz ihrer ablehnenden Haltung gewiss wieder zur Stelle, meinte Warnecke spitz. Zur Erinnerung: Die Benennung der Straße im Baugebiet „West II“ an der Ebstorfer Straße in „Elsa-Brändström-Straße“ war ein Vorschlag der BfB.

Beschlossen wurden auch die Kaufpreise für das Baugebiet, für das es laut Verwaltung bereits 35 Interessenten gibt: 60 Euro pro Quadratmeter werden fällig für uneingeschränkt ausnutzbare Grundstücke, 55 Euro sind es für Grundstücke, die im Bebauungsplan mit einer privaten Grünfläche ausgewiesen sind.

Von Ines Bräutigam

Kommentare