Luxus oder Zweckbau?

Samtgemeinderat: Kontroverse zu Mehrkosten bei Wriedels Feuerwehrhaus

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Das neue Feuerwehrgerätehaus in Wriedel wird voraussichtlich knapp 1,2 Millionen Euro kosten – eine Summe, über die im Samtgemeinderat Bevensen-Ebstorf heftig diskutiert wurde.

Bad Bevensen/Ebstorf. Ganz ohne Kritik konnte der Beschluss über eine Verteuerung bei den Um- beziehungsweise Neubauten von gleich drei Feuerwehrgerätehäusern (Wriedel, Natendorf und Brockhimbergen) nicht über die Bühne gehen.

Und so erhob Dr. Johann Henrich Vietor (WBB) in der jüngsten Sitzung des Samtgemeinderats Bevensen-Ebstorf auch mahnend das Wort, weil ihm vor allem die Kostenexplosion beim Neubau des Feuerwehrhauses in Wriedel so gar nicht recht war.

Es handele sich dabei „um eine endlose Geschichte“, so Vietor, die man dem alten Rat der einstigen Samtgemeinde Altes Amt Ebstorf zu verdanken habe. Diese nämlich hatte noch vor der Fusion mit der Samtgemeinde Bevensen beschlossen, in Wriedel neu zu bauen. „Als Altlast“ habe der jetzige Samtgemeinderat dann damit umzugehen gehabt. Dabei sei das Vorhaben „zu groß und zu teuer“ gewesen, so Vietor.

Aus den zunächst 900 000 veranschlagten Euro sei im vergangenen Jahr eine Million Euro geworden. Und diese wiederum reicht nun auch nicht aus, muss auf knapp 1,2 Millionen Euro erhöht werden (AZ berichtete). Der WBB-Ratsherr will dabei nicht mitspielen und versagte am Ende auch seine Zustimmung – ebenso wie Léonard Hyfing (FDP). „Wir müssen stark genug sein, unsere eigenen Beschlüsse auch durchzuhalten“, appellierte Vietor und fügte bitter in Richtung Wriedels Gemeindebrandmeister Hans-Jürgen Cordes an: „Gewinner ist Herr Cordes, und wir machen uns lächerlich.“

Léonard Hyfing schlug zwar auch kritische, aber moderatere Töne an. Es sei traurig, dass man bei Bauprojekten genau die gleichen Fehler mache wie die große Politik. Mit seinem Nein wolle er ein Zeichen setzen, dass ihm das gegen den Strich geht. Stephan Kaufmann (BfB) enthielt sich bei der Abstimmung, weil er ohnehin der Meinung sei, dass Feuerwehrgerätehäuser „Zweckbauten und keine Luxushäuser“ sein müssten.

Ulf Schmidt (CDU) fand die ganze Diskussion „misslich“. Vor allem den Seitenhieb auf Wriedels Gemeindebrandmeister, dem das neue Feuerwehrgerätehaus freilich nicht gehören werde. Weder die Verwaltung noch sonst jemand könne etwas für die Kostensteigerung, gab Schmidt zu bedenken. Und man könne jetzt nicht einfach aufhören, wenn man schon angefangen habe.

Cordes selbst – er ist auch CDU-Ratsherr – erinnerte daran, dass man nach baulichen Gegebenheiten baue und das auch von Anfang an allen klar gewesen sei. Und noch etwas: „Wir mussten umständlich umplanen, von vier Toren auf drei Tore“, unter anderem weil die WBB das so gewollt habe, sagte er in Richtung Vietor. Und das sei teuer gewesen.

Während Heiko Senking (UWE) und Hans Peter Hauschild (SPD) knapp feststellten, dass es jetzt sowieso keine Alternative mehr gebe und man künftig lieber dazu übergehen sollte, Bauprojekte nicht mehr finanziell zu deckeln, wollte auch Wriedels Bürgermeister Werner Harneit (CDU) die Kontroverse nicht unkommentiert lassen. „Das hat sich die Feuerwehr so auch nicht ausgesucht“, verteidigte er die Brandschützer, die schon jetzt jede Menge Eigenleistungen einbrächten. Sie müssten nun nicht noch entstandene Mehrkosten durch noch mehr Eigenleistung auffangen.

Von Ines Bräutigam

Kommentar

Dünnes Eis

Ines Bräutigam

Mehrkosten lösen in der Regel keine Begeisterungsstürme aus, völlig klar. Doch das Thema Feuerwehrhäuser ist dünnes Eis. Denn die Mitglieder der Feuerwehren machen ihren Job ehrenamtlich und völlig freiwillig. Niemand zwingt sie dazu, sich für andere einzusetzen und dabei oft selbst in Gefahr zu begeben. Sie könnten es genauso gut sein lassen. Moderne Feuerwehrhäuser und gute Ausstattung – beides in angemessenem Rahmen – sind aber oft Motivation und Wertschätzung. Und letztlich ist die Kommune in der Pflicht, den Brandschutz zu gewährleisten. Sollten sich also – beispielsweise mangels Motivation – irgendwann keine Freiwilligen mehr finden, müsste die Kommune Berufsfeuerwehren finanzieren. Und dann würden Kostendebatten in ganz anderen Dimensionen geführt werden... (ib)

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