„Alles hat seine Zeit“

Kloster Medingen feiert 680-jähriges Bestehen mit Taufgottesdienst

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Der Freiluftgottesdienst zum 680-jährigen Bestehen des Klosters Medingen war gut besucht. Das Klos-ter war für die Töchter wohlhabender Lüneburger Kaufleute gegründet worden.

Medingen. „Alles hat seine Zeit“. So lautet der Taufspruch, den Anne-Kathrin und Steffen Liedke ihrem knapp viermonatigen Filius Robert an diesem Tag mit auf den Weg geben.

Und diese Lebensweisheit passt auch zu der wechselvollen Geschichte des Klosters Medingen, das am Sonntag sein 680-jähriges Bestehen mit einem gut besuchten Open-Air-Gottesdienst, Musik vom Posaunenchor Römstedt, kostenlosen Führungen durch die Anlage und einem kleinen Grillfest auf der Wiese feierte.

Konventualin Heidrun Lukas führte die Gäste durch die Klostergebäude.

1336 im Stile der Backsteingotik erbaut, diente das Kloster einst als luxuriöse Residenz der Töchter wohlhabender Lüneburger Patrizierfamilien, die mit reichem Hausstand in den Konvent eintraten und dessen Besitz mehrten. Die Reformation führte nicht zur Auflösung des Klosters, aber es wurde nach fast 30-jährigem, zähen Ringen im sogenannten Nonnenkrieg 1554 in ein evangelisches Damenstift umgewandelt. 1781 bis auf das Brauhaus niedergebrannt und bereits 1788 im zeitgemäßen frühklassizistischen Stil wiedererrichtet, dient es heute als Wohnsitz für 11 Konventualinnen im Alter von 60 bis 89 Jahren, die für die zahlreichen Kunstschätze des Klosters verantwortlich sind, Hausführungen anbieten und kulturelle oder religiöse Veranstaltungen organisieren.

Pastorin Katrin Dieckow (rechts) taufte Robert Liedke.

„Wir wollen das Kulturgut erhalten, aktiv christlich tätig sein, unter den Menschen sein“, umreißt die seit rund vier Jahren vorstehende Äbtissin Dr. Kristin Püttmann die heutigen Aufgaben des Konvents, der mit den „vaterlosen, unverheirateten Damen adeliger und bürgerlicher Herkunft“, die nach standesgemäßer Versorgung“ suchten, nichts mehr zu tun hat. Die Medinger „Nonne“ von heute trägt „normale“ Kleidung, hat bereits ein Berufs- und/oder Familienleben hinter sich, arbeitet noch in Teilzeit oder lebt von der Rente. „Nur evangelisch und alleinstehend müssen Sie sein“, räumt Konventualin Heidrun Lukas bei einer Führung, „aber Familie außerhalb des Klosters ist natürlich möglich. Wir haben fast alle Kinder und Enkel.“ Und einen „guten Draht nach oben“, wie Küsterin Ulrike Ahrens schmunzelnd das trockene Wetter beim Freiluft-Gottesdienst kommentiert.

Von Marcus Kieppe

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